Trio 1972

HÖRBAR JAZZ

Tom Gsteiger
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Bild: Tom Gsteiger

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HÖRBAR JAZZ

Bei der Veröffentlichung von Aufnahmen, die bisher in Archiven schlummerten, kommen in gewissen Fällen nicht nur Musikhistoriker auf ihre Rechnung: Gute Musik ist zeitlos. So wollen wir anhand von zwei sehr unterschiedlichen, bravourösen Konzertmitschnitten einen Blick in ein Jahrzehnt zurückwerfen, in dem Pianotrios einen schweren Stand hatten. In den 70er-Jahren wurde der Jazz stark elektrifiziert. In der Band des Dauerinnovators Miles Davis war Keith Jarrett an dieser Elektrifizierung beteiligt, doch für seine eigenen Projekte lehnte er sie ab. Für sein erstes, 1967 gegründetes Trio engagierte Jarrett Musiker, die in von ihm bewunderten Bands mitgewirkt hatten: Schlagzeuger Paul Motian (Bill Evans Trio) und den Bassisten Charlie Haden (Ornette Coleman Quartet). Nun liegt eine Aufnahme vor, die am 14. Juni 1972 im Rahmen eines NDR-Jazz-Workshops in Hamburg entstand und bei der viele Facetten des Trios auf exemplarische Weise zur Geltung kommen. Von fragilen Romantizismen über Flowerpower-Ekstatik bis zu revolutionär angehauchten Sound-Explorationen («Song for Ché») reicht das Ausdrucksspektrum. Jarrett konzentrierte sich zu dieser Zeit nicht von A bis Z auf sein Klavierspiel, sondern schlüpfte als Sopransaxophonist hin und wieder in die Rolle eines mal empfindsamen, mal erzürnten Quengelbengels.

Jarrett/Haden/Motian, «Hamburg ‘72», ECM

Trio 1977

Als Red Garland zur Band von Miles Davis gehörte, war die Welt noch in Ordnung: In den 50er-Jahren klang Jazz nach Jazz und nach nichts anderem. Im Gegensatz zu Davis dachte Garland nicht daran, sich neu zu erfinden, sondern blieb seiner gutgelaunten Spielweise treu, wobei er in seinen späten Jahren nur sporadisch in der Jazzszene auftauchte. Im Dezember 1977 traf der Blockakkord-Spezialist Garland in San Francisco auf Schlagzeug-Draufgänger Philly Joe Jones. Während sich Garland und Jones beinahe unablässig gegenseitig befeuerten, zog Bassist Leroy Vinnegar zumeist den Kürzeren. Die Doppel-CD wird von einem umfangreichen Booklet mit Fotos, Interviews und Essays begleitet; interessant sind die Ausführungen des Pianisten Benny Green, der noch grün hinter den Ohren war, als er Garland zum ersten Mal hörte.

Red Garland Trio, «Swingin' on the Korner», Elemental Music

Bild: Tom Gsteiger

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