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Traumstart am Jazzfestival Willisau

Hommage von des amerikanischen Starsaxofonisten Joshua Redman an seinen Vater Dewey Redman und Ornette Coleman. Heimspiel für The Great Harry Hillman.
Stefan Künzli
Joshua Redman am Eröffnungskonzert des Jazzfestival Willisau. Bild: Marcel Meier, Jazz Festival Willisau 2019

Joshua Redman am Eröffnungskonzert des Jazzfestival Willisau. Bild: Marcel Meier, Jazz Festival Willisau 2019

«Old And New Dreams» war eine legendäre Band mit Dewey Redman (Tenorsax), Don Cherry (Kornett), Charlie Haden (Bass) und Ed Blackwell (Drums). Ehemalige Ornette-Coleman-Musiker, die ab 1976 eine Dekade lang im Geiste des Free Jazz-Pioniers musizierten. Eine Traumband. Alle sind inzwischen gestorben. In einem wunderbaren Eröffnungskonzert des Jazzfestivals Willisau hat jetzt der amerikanische Starsaxofonist Joshua Redman in der Formation «Still Dreaming» die Band seines Vaters in Erinnerung gerufen. Eine Traumband, auch sie.

Joshua Redman ist längst aus dem Schatten seines berühmten Vaters getreten. Interessant ist, dass er meist im Gegensatz zu seinem Vater definiert wird. Hier Dewey, der Avantgardist und Freigeist, dort Joshua, der Traditionalist und Alleskönner. Nicht ganz falsch, und doch zu schablonenhaft. Denn Joshua Redman war nie nur Traditionalist, Dewey Redman nie nur Avantgardist.

Gerade in «Old And New Dreams» traf alt auf neu, Tradition auf Zeitgeist. So ist denn auch «Still Dreaming» nicht einfach ein rückwärtsgewandtes Nostalgie-Projekt. Kern ist zwar Colemans harmolodisches Konzept, das dem Fluss der Melodie folgt statt wechselnden Harmonien. Im Repertoire sind aber nicht nur Stücke von Ornette Coleman und Dewey Redman, sondern auch solche der aktuellen Band mit Ron Miles (Kornett), Scott Colley (Bass) und Dave King (Schlagzeug). Gemeinsam waren den Stücken nebst dem harmolodischen Konzept, die folkloristischen, meist singbaren Themen, die schon Coleman auszeichneten. Sie sind zeitlos.

Erstaunlich, wie stark Ron Miles den Part von Don Cherry verinnerlicht hat: Die für Cherry so typischen verschmierten Töne, die volksliedhafte Melodiegestaltung. Ganz anders Joshua Redman. Der Tenorist versuchte gar nicht erst, wie sein Vater zu klingen. Dieser hatte immer etwas Ungehobeltes, Archaisches. Umso eleganter spielte der Sohn. Joshua Redman hat das Konzept von «Old And New Dreams» zu eigen gemacht, perfektioniert, individualisiert, mit seinen Ideen angereichert und auf ein neues, Level gehoben. Traumhaft.

Kollektiv ist wichtiger als der individuelle Ausdruck

Ein Traum ist auch für den Willisauer Schlagzeuger Dominik Mahning der Band «The Great Harry Hillman» in Erfüllung gegangen. Hier in der Festhalle hatte er einst als Helfer angefangen. «Und dann stehst du plötzlich auf dieser Bühne», sagte er sichtlich gerührt. Die Band hat den Auftritt verdient und gehört zu den spannendsten Schweizer Bands einer neuen Generation. Im Gegensatz zu «Still Dreaming» steht aber nicht der individuelle Ausdruck im Zentrum, sondern das Kollektiv. Auf der Bühne wird durch Interaktion ein eigener Bandsound entwickelt. Bisher spielte die Band in langen Spannungsbögen, heute in verschiedenen Intensitätsstufen. Das Spiel mit der Dynamik ist wichtiger geworden. Wenn die junge Band beides zusammen bringt, wird alles gut.

Jazzfestival Willisau: Bis 2. September.

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