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Paolo Conte: Ein Träumer und Geisterbeschwörer im KKL

Der Liedermacher aus dem Piemont stattete Luzern einen Besuch ab, mit dabei sein virtuoses Orchester. Der 82-jährige Cantautore begeisterte sein Publikum mit seiner puren Stimme, und seine elf Musiker luden den Konzertsaal mit Feuer auf.
Susanne Holz
Der Poet am Grand Piano. Paolo Conte greift in die Tasten, seine Musiker brillieren in blaues Licht getaucht. Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 28. März 2019)

Der Poet am Grand Piano. Paolo Conte greift in die Tasten, seine Musiker brillieren in blaues Licht getaucht. Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 28. März 2019)

Grosse Zeit für grosse Italiener. Eros Ramazzotti trat unlängst im ausverkauften Zürcher Hallenstadion auf – Paolo Conte, der mittlerweile 82-jährige Cantautore par excellence, beglückte sein Publikum im so gut wie ausverkauften KKL in Luzern. Ganze elf Musiker hatte Conte am Donnerstagabend mitgebracht – ein Orchester, das ihm seit Jahrzehnten die Treue hält. Darunter befinden sich so illustre Multiinstrumentalisten wie Massimo Pitzianti, der mühelos Akkordeon oder Bandoneon gegen Klarinette oder Saxofon austauscht.

Grosse Zeit für grosse Musiker also auch. Paolo Conte, Ex-Advokat, im Besitz je einer Ehrendoktorwürde in Literatur, Malerei und Musik, Poet und Intellektueller, Komponist und Pianist, setzt nach wie vor auf seine rauchige Stimme und sein exzellentes Orchester. Er wolle mit seinen Liedern Atmosphäre schaffen, sagte er einmal. Lieder mit Texten, die sich nicht sofort erschliessen, und Tönen in einem melancholischen Irgendwo zwischen Jazz und Lateinamerika.

Wenn die Musik hilft, den Text zu verstehen

Contes Eltern liebten Jazz, der spätere Liedermacher wächst damit auf. Zum grossen Cantautore wird Paolo Conte in den Siebzigern, als er die Sehnsucht der Zuhörer nach Authentizität erkennt. Ursprüngliche Bekanntheit erlangte er jedoch mit massentauglichen Liedern wie «Azzurro», geschrieben 1968 für Adriano Celentano.

Seine späteren Lieder sind schwerer zu verstehen, doch wie sagte der Poet aus dem Piemont einmal in einem Interview mit der «Presse»: «Musik hat diesen abstrakten Charakter, der dazu führt, dass man häufig genau jene Dinge erspürt, von denen im Text die Rede ist. Mir ist am wichtigsten, dass das Publikum eine grosse Freiheit fühlt.»

Am Donnerstag ist Paolo Conte so frei, trotz der Betitelung seines Konzerts mit «50 Jahre Azzurro», genau diesen Gassenhauer wegzulassen. Und wohl kaum einer vermisst ihn. Conte startet mit «Ratafià», etwas «Nussschnaps» also zu Beginn. Elegant wie die Musik sind die Lichteffekte, mal werden die Bläser in helles rotes Licht getaucht, mal die Streicher in dunkles blaues. Und gleich geht es weiter unter die glänzenden Sterne des Jazz: «Sotto le stelle del jazz». Sonore Stimme und liebliches Saxofon.

«Via, via, vieni via con me, it’s wonderful, it’s wonderful, good luck my babe.»

Und was ist das? Bei «Come di», Lied über die Komödie, die sich Leben nennt, reisst es den achtjährigen Zuhörer aus Bologna fast aus seinem Sitz auf dem dritten Balkon. Musik verbindet Generationen, ohne Frage. Im Parkett leuchten die Handys, und auf der Bühne agieren die Streicher und Bläser so leicht wie Wolken, die sich gleich Tänzern an den Himmel schmiegen. «Messico e nuvole», mit Wolken und mit Mexiko verabschiedet sich der Meister der Töne und Worte sodann in eine frühe Pause.

Ein Tagtraum zwischen Tanz, Leichtigkeit und Liebe

Danach und bei «Dancing» wird es schnell: Bläser und Drums preschen nach vorne, während sich die Violine in helle Höhen träumt. Das Träumen endet nicht so bald: Endlich ist es an der Zeit für «Via con me», diesem Tagtraum zwischen Tanz, Leichtigkeit und Liebe. «Via, via, vieni via con me. It`s wonderful, it`s wonderful, good luck my babe ...»

«Nur Musik, gute Musik», wünscht sich Conte im Hit von 1981. Und als er und sein Orchester wenig später zu «Diavolo Rosso» (1982) übergehen, dem wohl unbestreitbaren Höhepunkt des Abends, wird klar, dass Musik in der Tat fast alles im Leben übertreffen kann. Die Musiker bieten hier einen Mix aus Hingabe, Gefühl und Energie, der seinesgleichen sucht. Trauer, Wut und Schmerz verpackt in expressiven Ton, der sich steigert in einen Tanz, der einer Geisterbeschwörung gleicht. Für diese Magie, und nicht nur dafür, gibt es Standing Ovations, als Paolo Conte um 22 Uhr die Bühne verlässt.

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