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Träume von Dolendeckeln und Rissen im Asphalt

Der Kunstverein Frauenfeld stellt einen experimentierfreudigen Künstler vor: Behrouz Varghaiyan zeigt, dass er sich mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen unterschiedlichsten Medien und Ausdrucksweisen bewegen kann.
Christina Peege

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Behrouz Varghaiyan, Maler und Eisenplastiker: Frauen als Akte knüpfen Teppiche. (Bilder: Andrea Stalder)
Bleche wie Tücher vor aus Blechen getriebenen Brüsten.
Die Asphalt-Riss-Walze.
3 Bilder

Träume von Dolendeckeln und Rissen im Asphalt

Träumen? Frauen träumen – gefangen in Traditionen – von Freiheit und einem besseren Leben, so wird die Thematik der Ausstellung eingeleitet. Liest man den Namen Behrouz Varghaiyan, ist man versucht, das Ausstellungsthema auf die iranische Herkunft des Künstlers zu reduzieren. Aber nichts weniger als eine Auseinandersetzung mit der rechtlichen und sozialen Stellung der Frau bietet der seit 1986 im aargauischen Rekingen lebende Künstler. Ebenso wenig nötigt er dem Betrachter irgendeinen «Sinn» auf: Seine Werke sind zwar fast immer figürlich und bieten lediglich über Material, Farben und Formen verschiedenartige Anknüpfungspunkte, an denen der Betrachter seine bisherigen Bilderfahrungen erweitern und überprüfen kann. Die Werke wollen als ästhetische Statements in ihrer Farbigkeit oder Materialität eher erlebt als gedeutet werden.

Gully wird zur abstrakten Installation

Kunst entsteht zunächst im Auge des Künstlers – er schaut hin, wo niemand Kunst vermutet: Im ­rissig gewordenen Asphalt der Strassen, am Rand von leuchtend gelben Fussgängerstreifen. Hier beobachtet er, wie Strassenarbeiter beim Füllen der Risse auf der Strasse mit Pinsel und flüssigem Teer ein eigenwilliges Muster hinterlassen. Dieses Muster greift er zusammen mit dem vom Kies gesprenkelten ­Asphalt, der gelben Farbe der Streifen und immer wieder auch mit einem Gully als Ausschnitt auf – und vergrössert das unscheinbare Sujet zu grossen Gemälden.

Das Eisengitter über dem Abwasserkanal, Fussgängerstreifen und rissiger Asphalt verlieren mit zunehmender Grösse ihre Bedeutung und wandeln sich zu Farbwerten, Linien, Flächen. Der ­Gully hat es dem Maler, der auch Eisenplastiker ist, besonders ­angetan. So greift er den Metallgegenstand auf und transformiert ihn im Garten in eine abstrakte Installation von Farbe und Stahl. Raffiniert spielt er mit dem Aussen- und Innenraum, die verschiedenen Gullys draussen und drinnen loten ihrerseits die unterschiedlichsten Grade der Abstraktion aus. Licht, Öffnungen oder Dichte und Masse werden in den Skulpturen zu grossen Spannungsbögen arrangiert.

Hinter den Knüpferinnen bleibt es schwarz

Fast schon wie im Traum springt im zweiten Teil der Ausstellungsräume das Thema. Zwar leitet eine Metallinstallation in Form einer Walze, die das Muster der mit Teer überpinselten Risse auf den Boden projiziert, in die Räume über. Metalle und Themen folgen hier aber einem ganz anderen Pfad. Hier knüpfen Frauen an Teppichen – nicht wie im Iran verschleiert oder ­dezent gekleidet, sie werden als Akte dargestellt, die zwar ge- fällige Muster in den Teppich knüpfen, aber hinter ihnen bleibt nur Schwarz. Ein Hinweis auf mangelnde Lebensperspektiven?

Auch hier spielt der Künstler raffiniert mit Farben und Materialien. Eine Plastik aus Blechen, die wie Tücher über einem Gegenstand gerafft und gefaltet sind, wurden auf eherne, in Reih’ und Glied aufgepflanzte Pfähle gesetzt. Die Objekte sehen aus wie Figuren unter Helmen, eine kleine Armee. Daneben Brüste, getrieben aus Metallblechen. Die Frau im Spannungsfeld von Fruchtbarkeit, Konformitätserwartung und Rebellion? Hier sind Denkspuren angelegt, die man ganz nach eigenen Bedürfnissen in die eine oder andere Richtung selber weiterlegen oder -träumen kann.

23.9. bis 21.10; Öffnungszeiten: Sa 10–12 und 14–17 Uhr, Sonntag 14–17 Uhr, Bernerhaus, Bankenplatz 5, Frauenfeld, www.kunstverein-frauenfeld.ch

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