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Ausstellung im Benzeholz in Meggen: Tot oder lebendig, fremd oder vertraut?

Es ächzt und krächzt im Benzeholz: Die neue Ausstellung von Camillo Paravicini im Raum für zeitgenössische Kunst in Meggen stellt alte und neue Arbeiten einander gegenüber – und vereint die unterschiedlichsten Medien.
Giulia Bernardi
Ausstellungsansicht mit «Untitled Flowers» (2013) und «Nine White Sculptures» (2015). (Bild: Camillo Paravicini)

Ausstellungsansicht mit «Untitled Flowers» (2013) und «Nine White Sculptures» (2015). (Bild: Camillo Paravicini)

Mal humorvoll, mal ernst, mal farbig, mal schwarz-weiss, mal fotografiert, mal gezeichnet. Die neue Ausstellung von Camillo Paravicini (*1987, lebt in Basel) ist inhaltlich und formal vielseitig. Der gebürtige Luzerner vereint alte mit neuen Arbeiten, stellt sie einander gegenüber und probiert unterschiedliche Medien aus. Die Lust zu experimentieren entdeckte er bereits während seines Studiums an der Ecal und an der Glasgow School of Art. Mit grossem Interesse probierte er ein künstlerisches Handwerk nach dem anderen aus – vom Kupferstich über Lithografie bis hin zum Siebdruck.

Ein Leben, das einmal war

Seine Experimentierfreude ist bereits auf der ersten von drei Etagen ersichtlich: Hier werden neun mit Lautsprecher versehene Gipsfiguren, zwei Fotografien und vier Linolschnitte einander gegenübergestellt. Die «Nine White Sculptures» (2015) erinnern mit ihrer groben Oberfläche und den anthropomorphen Auswüchsen an prähistorische Fossile, an ein Leben, das einmal war. Oder vielleicht noch ist?

Denn aus dem Inneren der Skulpturen dringen nicht zuordenbare Laute empor: ein Grummeln? Ein Murmeln? Ein Ächzen? Vielleicht steckt doch noch ein Hauch Leben in den totgesagten Figuren, das sich gegen die fortschreitende Versteinerung wehrt, sich darüber beschwert oder vor Schmerzen krächzt.

Auf dieses Leben-Tod-Paradox scheint denn auch die Schwarz-Weiss-Fotografie «Untitled Flowers» (2013) zu verweisen: Ein verwelkter Blumenstrauss hinter rot-orangem Glas. Die Farbe verleiht dem Stillleben etwas Lebendiges, als wolle sie über das ausgehauchte Leben hinwegtäuschen.

Was ist es nun? Tot oder lebendig? Diese Frage wird in der zweiten Etage von einer anderen abgelöst: fremd oder vertraut? Vier Fotografien bilden je einen Vogel ab, wobei das grosse Format den «Gesichtsausdruck» der porträtierten Tiere zur Geltung bringt und dazu verleitet, sie mit menschlichen Eigenschaften zu beschreiben. So zum Beispiel die präsente Erscheinung der Blaumeise, die selbstsicher in die Ferne blickt.

Ergänzt werden die Fotografien von farbigen, kleinformatigen Zeichnungen verschiedener Menschen. Humoristisch werden die Aktivitäten der einzelnen Personen einander gegenübergestellt: Eine Frau im Bikini isst eine Banane, ein korpulenter Mann zieht an seiner Zigarre. Dabei lassen der karikierte Stil und die leicht absurden Sujets die Menschen fremder erscheinen als die Vögel. Der Titel der Arbeit: «Gesichter des Alltags» (2018); welche Gesichter damit gemeint sind, bleibt offen.

Wie schnell es dreht

Camillo Paravicini lädt auf eine Achterbahnfahrt der Betrachtungsweisen ein, worauf die Arbeit «Waltz» (2011) im Dachgeschoss anspielt. Dabei werden teils verschwommene, teils unscharfe Schwarz-Weiss-Fotografien, die aus einem Karussell geschossen wurden, von einem Diaprojektor an die Wand projiziert. Die flüchtigen Momentaufnahmen verdeutlichen, dass alles unterschiedliche Bedeutungen hat – je nach Sitzplatz und Drehgeschwindigkeit des Karussells.

Hinweis

Benzeholz, Seestrasse, Meggen. Do bis So 14 bis 18 Uhr. Noch bis 25. November 2018.

www.meggen.ch/de/benzeholz

Gespräch mit Camillo Paravicini und Lynn Kost, 15.11. um 18.30 Uhr. Benzeholz, Seestrasse, Meggen.

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