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Versunkene Schätze, frisch gehoben in der Tonhalle St.Gallen

Das Swiss Orchestra und das Notos Quartett bringen in zwei Konzerten Unbekanntes zum Klingen.
Rolf App
Das Notos Quartett. Bild: PD

Das Notos Quartett. Bild: PD

Der Südwind ist warm, aber er kann durchaus heftig wehen. Er berührt den Menschen, ohne dass dieser ihn greifen kann. So beschreibt die Pianistin Antonia Köster vom Notos Quartett, was sie und ihre drei Kollegen, den Geiger Sindri Lederer, die Bratschistin Andrea Burger und den Cellisten Philip Graham, bewegt hat, ihrem Quartett diesen Namen zu geben.

Denn Notos, das bedeutet Südwind. Und was da am späten Sonntagnachmittag in der St.Galler Tonhalle weht, das ist ein ganz besonderer Südwind. Ein unbekannter. Das Klavierquartett c-Moll op.20 des jungen Béla Bartók erfährt hier nämlich seine schweizerische Erstaufführung – nach der Einspielung auf ihrer bei Sony Classical/RCA erschienenen Debüt-CD «Hungarian Treasures». Die vier Musiker haben das Werk zuerst in einem Werkverzeichnis entdeckt und sind erst in langer Suche auf die Noten gestossen; aus Bartóks Autograf haben sie auch gespielt.

Lust auf Neues

Sie haben diese Rarität kombiniert mit Mozarts Klavierquartett Es-Dur KV 493 und mit einer andern Rarität, dem Klavierquartettsatz a-Moll von Gustav Mahler. Und bescheren dem Publikum mit ebenso feinem wie farbig-leidenschaftlichem Spiel ein ganz besonderes Erlebnis. Nicht nur blicken wir da in die musikalische Welt eines Sechzehn- (Mahler) und eines Siebzehnjährigen (Bartók). Beide Werke sind auch ausgesprochen schöne Zeugnisse der Kammermusik, deren Repertoire ja im Bereich Klavierquartett nicht allzu breit ist. Weshalb das Notos Quartett auch immer wieder Kompositionsaufträge vergibt. Und zwar nicht nur in avantgardistischer Richtung, wie Sindri Lederer sagt. «Wir wollen zurück zu den Emotionen, ein Stück soll etwas auslösen.» Nicht nur das Notos Quartett widerspricht in seiner Programmgestaltung der These, dass der Mensch im Musikalischen ein Gewohnheitstier sei. Dass er also am liebsten immer wieder Dasselbe hört. Dazu neigt er zwar durchaus, der Mensch ist als Hörer und als Hörerin ein ziemlich konservatives Wesen. Auf der andern Seite jedoch gibt es so etwas wie eine tief verwurzelte Lust auf Neues. Und da hat die Musikgeschichte viel zu bieten.

Von Entdeckergeist getrieben

Das hat auch die Dirigentin Lena-Lisa Wüstendörfer erkannt – und gleich ein Orchester gegründet zur Pflege vergessenen schweizerischen Kulturguts. Dieses Swiss Orchestra ist letzten Donnerstag ein erstes Mal in St.Gallen aufgetreten, mit zwei Klassikern im Gepäck – Beethovens viertem Klavierkonzert (am Klavier: Oliver Schnyder) und Mozarts «Eine kleine Nachtmusik» – und zwei Stücken, «die Sie noch gar nicht kennen können», wie Lena-Lisa Wüstendörfer in ihrer Einführung vor leider etwas gelichteten Reihen erklärt.

Und wenn sie meint, dass diese Bekanntschaft sich durchaus lohnt, dann hat sie Recht. Denn in der Ouvertüre zur Oper «Jugend und Leichtsinn» von 1806 lässt Jean Baptiste Edouard Dupuy mozartische Munterkeit erblühen, während Hans Huber in seiner 1895 entstandenen Serenade «Winternächte» poetisch-geheimnisvolle Stimmungen heraufbeschwört. Das neu formierte Orchester zeigt sich schon in bester Musizierlaune.

So wünscht man denn beiden, dass sie weiter von Entdeckergeist getrieben durch die Lande ziehen. Und dass sie dabei auf ein wachsendes Interesse stossen.

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