Tomatensauce fürs Publikum: In seinem neuen Programm wird Kabarettist Daniel Ziegler auf der Bühne zum Koch

Pasta serviert er keine – aber reichlich Kochtipps.Sein Instrument, der Bass, spielt aber immer noch die Hauptrolle.

Christina Genova
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Der Kochlöffel wird unsichtbar befestigt: einer der Tricks, den Daniel Ziegler in seinem neuen Soloprogramm verrät.

Der Kochlöffel wird unsichtbar befestigt: einer der Tricks, den Daniel Ziegler in seinem neuen Soloprogramm verrät.

Bild: Michel Canonica

Der grosse Topf steht auf der Herdplatte, die Zutaten liegen in kleinen Glasschalen bereit. Doch gekocht wird in «Bassta», Daniel Zieglers zweitem Soloprogramm, vorerst noch nicht. Denn bei einem Kabarettisten, dessen Religion der Bass ist, beginnt und endet alles mit seinem Instrument.

Am Anfang war also der Bass. Und so startet der Herisauer, den viele noch von «Giacobbo/Müller» und als langjährigen Begleitmusiker Simon Enzlers kennen, den Abend besinnlich mit «Amazing Grace». Die sanft perlenden Klänge gehen später in eine rockigere Version über. Folgsam kommt die versammelte Gemeinde, sprich das Publikum, den Aufforderungen des Hohepriesters des Bass nach und erhebt sich. Gesungen wird aus dem «Bassbüechli», die Lieder werden wie in der Kirche mit Nummern und Strophen auf einer Tafel angezeigt.

Daniel Ziegler, der Oberlehrer

Das Publikum wird eingespannt: Daniel Ziegler mit einer Besucherin auf der Bühne. Rechts die Tafel mit den Nummern und Strophen.

Das Publikum wird eingespannt: Daniel Ziegler mit einer Besucherin auf der Bühne. Rechts die Tafel mit den Nummern und Strophen.

(Bild: Michel Canonica)

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde – «Ich bin eidgenössisch diplomierter Töfflifahrer» – erklärt Ziegler die Loop-Station, die an diesem Abend ausgiebig zum Einsatz kommen wird. Mit diesem digitalen Aufnahmegerät sind zahlreiche Spielereien möglich: Man kann «Alle meine Entchen» rückwärts laufen lassen oder selbstironisch der eigenen Eitelkeit frönen und tosenden Applaus und jubelnde Fans abspielen.

Der Kabarettist wird auch im weiteren Verlauf des Abends dozieren und belehren – sein schulmeisterlicher Ton scheint das Publikum nicht zu stören. Es lässt sich auch ohne Murren von ihm einspannen und wird an diesem Abend ziemlich in Anspruch genommen: Mehrfach muss es seine gesanglichen Qualitäten unter Beweis stellen. Und die Besucher der ersten Reihe sind als Zieglers Assistenten gefragt. Gutmütig steckt das Publikum den Tadel des Oberlehrers weg, wenn es nicht auf Anhieb begreift, was verlangt wird und lacht über sich selbst. Dafür bekommt es auch etwas beigebracht: Es lernt beatboxen und andere nützliche Dinge.

Plastikfolie gegen Tränen

Endlich geht es ans Kochen: Wie die Musik «bassiere» es auf einem kreativen Prozess, schwadroniert Ziegler. Er will dem Publikum demonstrieren, wie man die perfekte italienische Tomatensauce zubereitet. Analog zu den zwölf Tönen der Musik verwende er zwölf Zutaten. Das Rezept für den «Sugo di Dani» wird gesungen und von der Melodica begleitet: Das Publikum drückt die nummerierten Tasten und Kurt aus der ersten Reihe «bläst», indem er das mit einem langen Schlauch verbundene Instrument mit einer Velopumpe betätigt. Die jammernden Töne, die er dem Instrument entlockt, sind zusammen mit dem Chor des Publikums zum Tränenlachen komisch.

Selbstverständlich hat Chefkoch Ziegler ausgeklügelte Tricks auf Lager, die er gerne weitergibt: Vor tränenden Augen beim Zwiebelschneiden schützt Klarsichtfolie, die um Kopf und Augen gewickelt wird. Ein halber Kaffeelöffel Balsamicoessig verleiht dem Sugo das gewisse Etwas. Und der Kochlöffel, der mit transparentem Silch am Handgelenk befestigt wird, geht nie mehr verloren. Langsam verbreitet sich in der Kellerbühne ein verführerischer Duft.

Diskriminierte Bassisten

Schlimm, wie die Bassisten diskriminiert werden, findet Kabarettist Daniel Ziegler.

Schlimm, wie die Bassisten diskriminiert werden, findet Kabarettist Daniel Ziegler.

(Bild: Michel Canonica)

Am stärksten ist und bleibt Daniel Ziegler am Bass. Etwa wenn er die Sauce mit afrikanischen Rhythmen zum Kochen motiviert: «Wir in Herisau reden mit dem Sugo.» Dass er sich auf Kosten der MeToo-Bewegung lustig macht und für all die diskriminierten Bassisten dieser Welt eine BaseToo-Bewegung samt Reggae-Protestsong und ans Publikum verteilten Transparenten lanciert, ist Geschmackssache. Das gilt auch für die Seitenhiebe auf Hip-Hop-Subgenres wie Crunk oder Grime. Der «wertvollste» Programmteil folgt zum Schluss: Die Versteigerung des in ein handgeblasenes Glas abgefüllten Sugos ans Publikum.

Heute, 1.2., 20 Uhr, Kellerbühne St.Gallen.