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Der St.Galler Autor Tobias Bauer schickt die Mokkatorte in die Hölle

In seinem Gedichtband «OrteWorteMokkatorte» nähert sich der St.Galler Tobias Bauer sprachspielerisch dem Alltag.
Markus Wigert
Cartoon von Pfuschi aus der Gedichtgruppe «Auf dem Klo». (Bild: PD)

Cartoon von Pfuschi aus der Gedichtgruppe «Auf dem Klo». (Bild: PD)

Pöms nennt Tobias Bauer seine witzigen Gedichte, meistens kurze Formate, die auf einer Seite Platz finden. Präzis auf den Punkt gebracht und in der Aussage vieldeutig bis sarkastisch. Im Unterschied zu den beiden bisherigen Pöms-Bänden kommt diesmal dem Reim eine grössere Bedeutung zu.

«Das neue Buch ist eingeteilt in zehn Orte, wobei dieser Begriff sehr weit gefasst ist und sowohl geografisch wie auch metaphorisch verstanden werden kann», erklärt Bauer die formale Gliederung des im Orte-Verlag erschienenen Buches. Die Mokkatorte kommt als Konstante in jedem Ort mindestens einmal vor.

Angelehnt an Dante

Ein guter Freund aus Bauers Berner Zeit, Heinz Pfister (Pfuschi), hat den Gedichtband mit satirischen Cartoons illustriert, die zeichnerisch die Aussagen der Pöms auf den Punkt bringen. Im Gespräch geht Bauer ausführlich auf die Gedichte ein mit dem Titel «In der Hölle».

Angelehnt an Dantes «Divina Commedia» sind es bei Bauer nur noch drei statt neun Höllenkreise. Der erste Kreis widmet sich den schweren Jungs und den Kriminellen, der zweite den Menschen, die nerven und der dritte den Mokkatorten, welche zum Angriff übergehen: «Ein Pfiff, es kamen Torten dick und braun/ und begruben mich langsam unter sich./Dabei verquirlten sie mich tonlos zu Schaum.» Dantes Form der Terzinendichtung wird dabei formal übernommen und neu interpretiert mit Alltagskomik.

Förderpreis für Literatur im November

In ähnlicher Weise nähert sich Bauer auch der dichterisch besonders strengen Form des Sonettenkranzes. Das Resultat lässt einen immer wieder schmunzeln, wobei das Lachen manchmal auch im Halse stecken bleibt. Eine menschliche Reaktion, die wohl guter Lyrik vorbehalten ist.

Tobias Bauer (Bild: Ralph Ribi)

Tobias Bauer (Bild: Ralph Ribi)

Seit seiner vorübergehenden Erblindung vor knapp zehn Jahren ist der promovierte Volkswirtschafter Tobias Bauer als Literat tätig. Und zwar so erfolgreich, dass er von der Stadt St.Gallen am 11. November mit dem Förderpreis für Literatur ausgezeichnet wird.

Robert Gernhardt als Vorbild

Befragt nach seinen literarischen Vorbildern, nennt der baldige Preisträger ohne zu zögern den deutschen Dichter und Zeichner Robert Gernhardt: «Er ist eine Figur, die mich sehr anregt.» Bauer weist auf mehrere Gernhardt-Bücher hin in seinem umfangreichen Büchergestell. Hier haben sich, so scheint es, zwei Seelenverwandte gefunden.

Im neuen Pöms-Band sind nur noch zwei bis drei Dialektgedichte zu finden. Im ersten Ort mit dem Titel «Vor Denkmälern» kommt auch das St.Galler Vadian-Denkmal vor:

«Sonen grosse Huet.
Sonen dicke Hals.
Sone breiti Bruscht.
Sonen lange Säbel.
Sonen faltige Rock.
Sone schwärs Buech.
Sonen gwaltige Mantel.
Und so dünni Beili!»

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