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Thurgauer Schauspielerin im Porträt: Lotti befreit sich vom Korsett

Eine «Isabelle Huppert» aus dem Thurgau: Die Schauspielerin Lotti Happle überzeugt auf der Theater­bühne in Zürich und vor der Filmkamera.
Andreas Ditaranto
Szene aus dem eindrücklichen Kurzdrama «Kinder der Nacht» von 2017. (Bild: PD)

Szene aus dem eindrücklichen Kurzdrama «Kinder der Nacht» von 2017. (Bild: PD)

Das «H» und die beiden «P» – es sind nicht nur die drei Buchstaben im Nachnamen, die einen bei Lotti Happle an die französische Schauspielerin Isa­belle Huppert denken lassen. Die 30-jährige Thurgauerin aus dem beschaulichen Hefenhofen ähnelt der «Unnahbaren» aus der Metropole Paris in mancherlei Hinsicht: von der grazil-fragilen Erscheinung und den markanten Sommersprossen bis zum fast unterkühlt wirkenden, selbstbewussten Auftritt. Aussergewöhnliche Frauen, die von Tragik geprägt und Rätseln umgeben sind – das sind die Paraderollen der mittlerweile 65-jährigen Huppert. Und es sind die Rollen, die auch Lotti Happle besonders reizen – abgründige Figuren voller Wider­sprüche und Reibungspunkte. Frauen, die sich hergebrachten Konventionen weder fügen können noch wollen.

Happle als Amazone der Freiheit

Frauen wie Emma Herwegh. Lotti Happle spielt in einer internationalen Kinoproduktion über Richard Wagners Exiljahre in Zürich (1849 bis 1858) die mit dem berühmten Komponisten befreundete Revolutionärsgattin. Emma Herwegh war eine Demokratin, Feministin und Sozialistin, eine furchtlose Freiheitskämpferin und grosse Liebende – kurz: eine Amazone, die rauchte, wie der Teufel ritt und mit Pistolen schoss. Eine Rolle, die die Thurgauerin gerne ausfüllt, sie aber auch fordert. Nur schon das Tragen des Korsetts unter dem opulenten Kostüm («mehr als ein kleines Ei zum Frühstück hat da nicht Platz»).

Lotti Happle. (Bild: PD)

Lotti Happle. (Bild: PD)

Auf dem Filmset – gedreht wurde Mitte Juni übrigens auch in der Tonhalle Wil – verbringt sie jeweils bis zu zwei Stunden in der Maske. «Wie müssen sich die Frauen damals gelangweilt haben», sinniert die Schauspielerin weiter mit Blick auf die bürgerlichen Zeitgenossinnen von Emma Herwegh – «sie wurden mit Bildung vollgestopft und hatten trotzdem keine andere Aufgabe in der Gesellschaft als die der Salondame, Ehefrau und Mutter.»

Freischaffende Schauspielerin

Künftig möchte die freischaffende Schauspielerin, die am Theater Neumarkt in Zürich seit 2016 regelmässig gastiert («künstlerisch gesehen war die Zusammenarbeit ein kleiner Durchbruch») und auch auf anderen Bühnen ihr Können und ihre Wandelbarkeit aufgezeigt hat, vermehrt vor der Kamera stehen. Lotti Happle wirkte schon vor dem Wagner-Film in einigen Produktionen mit (siehe Kasten) – das Schlüsselerlebnis sei aber die Hauptrolle in «Kinder der Nacht» gewesen – ein eindrückliches Kurzdrama und zugleich der Bachelorfilm von Regisseur Kim Allamand an der Zürcher Hochschule der Künste.

Gerade als Frau braucht es in den Lohnverhandlungen «Cojones».

Dass einem die spannenden Rollen, ob beim Theater oder beim Film, nicht einfach in den Schoss fallen, ist sich die Ostschweizerin freilich bewusst. Für sich macht sie jeweils eine nüchterne Fünf-Faktoren-Rechnung: die Regie, das Stück, der Ort, das Team/Cast und last but not least die Gage («gerade als Frau braucht es in den Lohnverhandlungen ‹Cojones›»). Drei der genannten Faktoren müssten dabei mindestens für sie stimmen, «höchst selten passen alle fünf.»

Mit Pablo Nouvelle auf Tour

Sich selbst bezeichnet Lotti Happle, die in Zürich lebt, als geerdet und gut verwurzelt. «Das hilft mir in meinem Job – es ist in dieser oft expressiven und exzentrischen Theater- und Schauspielszene wichtig, einen Rückzugsort zu haben, wo man sich wohl und geborgen fühlt.» So sei sie froh, wenn sie nach einem diskussions­reichen, «verkopften» Tag heimkommen und ein Brot backen oder gärtnern kann. Und singen kann die Hefenhoferin ja bekanntlich auch sehr gut – aktuell ist Lotti Happle mit Pa­blo Nouvelle auf Schweiz-Tour.

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