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Thurgauer Kulturplattform in Schieflage

Innert kurzer Zeit ist das Kulturportal «thurgaukultur.ch» zum zweitenmal von einer Kündigung in der Redaktionsleitung betroffen. Zudem üben zwei Korrespondenten massive Kritik an der Qualität des Magazinteils. Die Verantwortlichen geben sich eine Evaluationspause und denken über einen Beirat nach.
Martin Preisser
Martha Monstein Leiterin Kulturamt des Kantons Thurgau (Bild: map)

Martha Monstein Leiterin Kulturamt des Kantons Thurgau (Bild: map)

Rolf Müller hat die Redaktion von «thurgaukultur.ch» Mitte 2015 nach nur einem Jahr wieder verlassen, Patrizia Barbera hat nach lediglich einigen Monaten auf Ende März gekündigt. Mit fünfzig Stellenprozent ist die Redaktionsarbeit bei der Thurgauer Kulturplattform dotiert. Die Arbeit umfasst die Betreuung einer Online-Veranstaltungsagenda und eines Magazins mit Beiträgen zum Thurgauer Kulturleben. Weitere 50 Stellenprozent entfallen auf die Geschäftsleitung (aktuell: Sarah Lüthy).

Sorge über Kündigungen

Die Stellenprozente und das Budget für die Kultur-Website seien «sehr knapp bemessen, um alle Ansprüche erfüllen zu können», sagt Martha Monstein, Leiterin Kulturamt Kanton Thurgau und im zweiköpfigen Verwaltungsrat von Thurgaukultur. «Und die Kündigungen erfüllen uns mit Sorge.» Den 50-Prozent-Redaktionsjob findet auch Humbert Entress, Verwaltungsratspräsident von Thurgaukultur, «bei diesem bescheidenen Zeitbudget anspruchsvoll». «Ich würde gerne aufstocken», sagt der Aadorfer Rechtsanwalt und frühere Präsident der Kulturstiftung des Kantons Thurgau.

Mehr Geld für die Redaktionsarbeit beim Kulturportal liege im Moment politisch aber nicht drin, sagt Humbert Entress und verweist auf eine bis 2018 geschlossene Leistungsvereinbarung mit dem Kanton, die einen klaren Kostenrahmen fixiere. Für den Qualitätsstandard, den die inzwischen pensionierte Brigitta Hochuli, die Vorgängerin von Rolf Müller und Patrizia Barbera, gesetzt hat, fehlen die Mittel, da sind sich Humbert Entress und Martha Monstein einig.

Die frühere Redaktionsleiterin Brigitta Hochuli, einst Redaktorin beim «Tagblatt», hatte neben den bezahlten 50 Prozent mindestens nochmal so viel Prozent ehrenamtlich und in freiwilligem Sondereffort in die Arbeit bei Thurgaukultur gesteckt. «Brigitta Hochuli hat die Erwartungen an den Magazinteil mehr als erfüllt, ihre Nachfolger wurden naturgemäss an diesem hohen Standard gemessen, was keine einfache Situation ist», sagt Martha Monstein.

«Grosses Gefühl des Verdrusses»

Indes kommt massive Kritik an der momentanen Qualität des Magazinteils von zwei Thurgaukultur-Korrespondenten, Alex Bänninger und János Stefan Buchwardt. In einem Brief an die Verantwortlichen des Kulturportals schreiben sie von einem «grossen Gefühl des Verdrusses» und ziehen eine «schlichtweg ernüchternde» Bilanz: «Seit der Ära Rolf Müller/Patrizia Barbera sind die Attraktivität, die Griffigkeit und Kompetenz der Magazinbeiträge im Sinkflug. Anfangs schleichend, mittlerweile zum Himmel schreiend.» Bänninger und Buchwardt vermissen die «stichhaltigere, konstruktivere und kritisch-streitlustigere Substanz der früheren Jahre».

50-Prozent-Pensum reicht nicht

«Thurgaukultur braucht für eine Redaktionsarbeit, die diesen Namen verdient, unbedingt mehr Geld. Mit einem 50-Prozent-Pensum ist das nicht zu schaffen», sagt Alex Bänninger, in früheren Jahren Kulturchef beim Schweizer Fernsehen und eine auch national beachtete publizistische Stimme. «Der Kanton Thurgau, der jedes Jahr Kultur mit vielen Millionen Franken fördert, müsste doch Interesse an einer gut funktionierenden Plattform haben, die einen qualitätvollen Resonanzboden für Kultur im Kanton darstellt», sagt Bänninger. «Ein eigenständiger, hochwertiger Magazinteil wäre Kulturförderung an richtiger Stelle», schreiben Alex Bänninger und János Stefan Buchwardt in ihrem kritisch-aufrüttelnden Brief. 214 000 Franken beträgt das Jahresbudget von Thurgaukultur. 160 000 kommen vom Kulturamt, 40 000 von der Kulturstiftung des Kantons Thurgau, 14 000 fliessen an Werbeeinnahmen ins Budget. Für Beiträge von Korrespondenten kann das Portal jährlich 21 600, also gerade einmal 1800 Franken pro Monat ausgeben.

Schwierig erweist sich die mögliche Geldquelle des Sponsorings: «Private Sponsoren und Förderer geben erfahrungsgemäss kein Geld an Betriebskosten und wollen sich nicht langfristig finanziell engagieren. Punktuelle Unterstützung für ein spezielles Projekt ist möglich, aber auch nur sehr beschränkt», sagt Martha Monstein.

Kein Ende geplant

Eine neue Stelle für die Redaktionsleitung ist derzeit nicht ausgeschrieben. Interimistisch übernimmt erneut Brigitta Hochuli die Arbeit, wahrscheinlich wiederum mit zusätzlichem ehrenamtlichem Effort. Zwei Monate wollen sich die Verantwortlichen Zeit geben für eine interne und externe Evaluation, mit der die Möglichkeiten und Erwartungen – den Magazinteil von Thurgaukultur betreffend – nochmals genau überprüft und geklärt werden sollen. Humbert Entress könnte sich in Zukunft auch einen Beirat vorstellen, der die Arbeit von Thurgaukultur beratend begleitet – ebenfalls ehrenamtlich. Das Kulturportal aufzugeben ist momentan weder für Humbert Entress noch für Martha Monstein ein Thema.

Alex Bänninger Publizist und Korrespondent bei thurgaukultur.ch (Bild: pd)

Alex Bänninger Publizist und Korrespondent bei thurgaukultur.ch (Bild: pd)

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