Thurgau öffnet Slam-Poeten die Türen in Thun

Der Thurgau zeigt sich von seiner besten Seite an der Künstlerbörse Thun. Mit der Organisation beauftragt hat das Kulturamt Simon Hungerbühler, der sich auskennt als Programmleiter des Theaters an der Grenze Kreuzlingen, Medienchef bei Kabarett in Kreuzlingen und Mitinhaber von Kulturbau Winterthur.

Dieter Langhart
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Simon Hungerbühler Künstlermanager, Programmleiter Theater an der Grenze (Bild: pd/Jasmin Stäheli)

Simon Hungerbühler Künstlermanager, Programmleiter Theater an der Grenze (Bild: pd/Jasmin Stäheli)

FRAUENFELD. Sie ist Dreh- und Angelpunkt für die Schweizer Kleinkunst: die Künstlerbörse in Thun. Alljährlich zeigen Künstler Ausschnitte aus ihren Produktionen, Veranstalter und Agenturen schauen sich das an, lachen und staunen und vergleichen, um später einzukaufen, was sie in ihr Programm aufnehmen wollen. Und jedes Jahr präsentiert sich ein Kanton und erhält, quasi auf Kanal 2, einen Auftritt für seine eigenen Produktionen.

Eine Dreierjury wählte aus

Nach dem Tessin 2015 ist heuer der Thurgau an der Reihe. Der Regierungsrat sprach ein Budget von knapp 100 000 Franken. Martha Monstein, Leiterin des Kulturamts, beauftragte Simon Hungerbühler, den Thurgauer Auftritt umzusetzen. Mit Klaus Hersche von der Kulturstiftung bildeten sie eine Jury und wählten im vergangenen Herbst aus der Thurgauer Kleinkunstszene Geeignetes aus für elf der rund 75 Auftrittsfenster, die dem Gastkanton zustehen.

Schwerpunkt Slam Poetry

«Für ein so umfassendes Programmfenster wie das in Thun ist die Auswahl an professionellen Thurgauer Theaterschaffenden beschränkt», räumt Simon Hungerbühler ein. Rund fünfzehn Künstler und Formationen schienen der Jury geeignet und wurden angefragt. Nur wenige haben abgesagt. Die Jury legte den Schwerpunkt auf Slam Poetry («da ist der Thurgau stark») und wies ihm vier der elf Auftritte zu. «In Thun hat sich Live Poetry noch nicht etabliert», sagt Hungerbühler, «wir wollen auch Türöffner sein für diese Sparte.» Ein Zweierblock zeigt «Besonderes», ein weiterer klassischeres Theaterschaffen, und Musik füllt die drei letzten Slots.

Plattform nicht nur für Künstler

Zwei Ziele hat der Auftritt als Gastkanton: Seinen Künstlern eine schweizweite Plattform bieten und dabei gleichzeitig den Thurgau in seiner künstlerischen Breite darstellen. Organisationen wie das Onlineportal Thurgaukultur.ch sollen sich vorstellen können; zudem erhalten Veranstalter im Kleinkunstbereich Raum, sich und ihre Programme Fachpublikum näherzubringen. Simon Hungerbühler sprüht vor Ideen, wie sich der Thurgau – neben den Künstlerauftritten – in Thun vorstellen könnte. Noch ist nicht alles fixiert, das dicke Programmheft der Künstlerbörse wird im März erscheinen. Ein «Handbuch für Veranstalter» nennt es Simon Hungerbühler.

Jährlich 400 Anfragen

Er spricht aus eigener Erfahrung als ehrenamtlicher Programmleiter beim Theater an der Grenze in Kreuzlingen. «Ich erhalte jedes Jahr etwa 400 Anfragen und möchte alle beantworten.» Meist seien es Absagen, die er schreiben müsse. «Ich möchte in Thun ja auch noch etwas einkaufen können», sagt Hungerbühler, der in Kreuzlingen fünfzehn Anlässe programmieren kann. Auf diese Zahl sind die Leistungsvereinbarungen mit Kanton und Stadt ausgelegt – und auch die finanziellen Mittel, die dem Theater an der Grenze zur Verfügung gestellt werden.

Die 57. Schweizer Künstlerbörse, veranstaltet von der Vereinigung von Künstlern, Theatern und Veranstaltern ktv, findet vom 14. bis 17. April im Kultur- und Kongresszentrum Thun statt.

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