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Im Kunsthaus Bregenz entwirft Thomas Schütte Ferienhäuser für Terroristen

Ausserdem setzt der renommierte Bildhauer in seiner sehenswerten Schau Verlierern ein Denkmal und baut sein eigenes Grab.
Christina Genova
Der «Mann mit Fahne» ist alles andere als ein Held. (Bild: Christina Genova)

Der «Mann mit Fahne» ist alles andere als ein Held. (Bild: Christina Genova)

Die Fahne in der Hand des Mann hängt schlaff herunter. Er schaut verloren in die Ferne, die Füsse stecken im Schlamm. Er ist wahrlich kein Held, dieser «Mann mit Fahne» aus Bronze, der draussen vor der Nepomukkapelle neben dem Kunsthaus Bregenz steht. Er ist einer der Vorboten auf die Ausstellung von Thomas Schütte im öffentlichen Raum.

Das freundliche Fabelwesen schnaubt Wasserdampf aus. (Bild: Markus Tretter)

Das freundliche Fabelwesen schnaubt Wasserdampf aus. (Bild: Markus Tretter)

Direkt vor dem Eingang steht ausserdem ein freundliches Fabelwesen mit dem Körper eines Seehundes und dem Kopf eines Drachen. Aus seinen Nüstern schnaubt es Wasserdampf. Eine kleine Figur aus Fimo, die der Künstler einst für seine Kinder angefertigt hatte, war die Inspiration dazu.

Frauen aus Stahl, 
Aluminium und Bronze

Es sind zwei Skulpturen, wie sie typisch für Thomas Schütte sind. Er lotet aus, was eine Skulptur sein kann und unterläuft Erwartungen. Repräsentation ist ihm zuwider: Auch Verlierer und groteske Gestalten sind für ihn darstellungswürdig.

Zwei Bunkermodelle aus den 1980er Jahren. (Bild: Markus Tretter)

Zwei Bunkermodelle aus den 1980er Jahren. (Bild: Markus Tretter)

Im Innern des Kunsthauses breitet sich die grosse Vielfalt von Schüttes Schaffen aus, er zählt zu den wichtigsten deutschen Bildhauern: Holzschnitte gehören ebenso dazu wie Zeichnungen oder Köpfe aus Muranoglas. Ein ganzes Geschoss ist seinen Architekturmodellen gewidmet. Begonnen hat er damit in den 1980er-Jahren: Zwei Bunker aus Bronze stammen aus jener Zeit – der Kalte Krieg lässt grüssen.

Thomas Schütte hat sein eigenes Grabmal in Form eines Hauses entworfen. (Bild: Markus Tretter)

Thomas Schütte hat sein eigenes Grabmal in Form eines Hauses entworfen. (Bild: Markus Tretter)

Aber auch sein eigenes monumentales Grabmal hat er 1981 als 27-Jähriger entworfen und als Todesdatum 1996 eingesetzt. Drei Ferienhäuser für Terroristen hat Thomas Schütte ein Jahr nach 9/11 gebaut. Es sind modernistische, von Mondrian und Rietveld inspirierte Pavillons. «Jemand der ein Haus besitzt, rennt nicht los und wirft Bomben», lautet Schüttes Kommentar dazu.

Sie räkeln sich, sie winden sich: Thomas Schüttes Frauenskulpturen. (Bild: Markus Tretter)

Sie räkeln sich, sie winden sich: Thomas Schüttes Frauenskulpturen. (Bild: Markus Tretter)

Im ersten Obergeschoss ist eine Serie von überlebensgrossen Frauenskulpturen zu sehen. Sie liegen auf Stahltischen und bestehen aus Bronze, Aluminium und Stahl. Die Sinnlichkeit der Materialien und Oberflächen interessiert Thomas Schütte ebenso wie die Weiterentwicklung der figürlichen Skulptur in der Nachfolge Aristide Maillols, Henry Moores und den grossen Plastikern des 19. Jahrhunderts.

Thomas Schütte (Bild: Miro Kusmanovic)

Thomas Schütte (Bild: Miro Kusmanovic)

Die Figuren changieren zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion: Der Körper einer klassischen Liegenden scheint zu zerfliessen, ihr Gesicht ist eine Leerstelle. Eine andere räkelt sich mit hochgerecktem Hintern in lasziver Pose. Ihr sinnlicher Körper aus Aluminium wird mit glänzendem Motorradlack betont. Andere Körper werden dekonstruiert oder in kontorsionistische Extrempositionen gebracht.

Vorne eine weitere Frauenskulptur auf dem dazugehörigen Stahlpodest, im Hintergrund eine Keramikflagge in verschmutzem Rot-Schwarz-Gold. (Bild: Markus Tretter)

Vorne eine weitere Frauenskulptur auf dem dazugehörigen Stahlpodest, im Hintergrund eine Keramikflagge in verschmutzem Rot-Schwarz-Gold. (Bild: Markus Tretter)

Flaggen – brüchig und 
verschmutzt

Wie suspekt Thomas Schütte jeglicher Nationalismus ist, kommt in seiner Serie von Flaggen aus Keramik zum Ausdruck. Alleine schon das Material steht für die Brüchigkeit des Kon­strukts Nation. Das Schwarz-Rot-Gold Deutschlands ist verschmutzt, auch die anderen Flaggen, die alle der Fantasie des Künstlers entstammen, sind nicht wie üblich in leuchtenden, sondern in gedämpften Farben gehalten.

Drei Männer im Wind. (Bild: Markus Tretter)

Drei Männer im Wind. (Bild: Markus Tretter)

Den Antihelden, den Suchenden, ist das oberste Geschoss gewidmet. Drei Männer aus Bronze stehen im Wind, sie wanken, sie schwanken. Auch sie haben die Füsse im Matsch: «Sie sind gebeutelt, wie wir alle», sagt Thomas Schütte.

Kunsthaus Bregenz, bis 6.10.

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