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Theaterszene St.Gallen kämpft um Auftrittsmöglichkeiten, die Lokremise steht im Zentrum der Wünsche

Braucht St.Gallen einen Ort für Gastspiele ortsfremder Theater? Oder eher neben dem Theater St.Gallen günstigere Spielorte für die freien Theatergruppen? Brennpunkt der Diskussion ist die Lokremise.
Hansruedi Kugler
Öffentliche Probe des Choreografiewettbewerbs des Theaters St.Gallen zum Tanzprojekt «Seven» in der Lokremise. (Bild: Sabrina Stübi)

Öffentliche Probe des Choreografiewettbewerbs des Theaters St.Gallen zum Tanzprojekt «Seven» in der Lokremise. (Bild: Sabrina Stübi)

Es gibt freischaffende Künstler, denen jeweils der rote Teppich ausgerollt wird. Das sind wenige. «Ich würde mich freuen, wenn einmal ein Stück von mir ein­geladen würde», sagte kürzlich etwa der international umworbene St.Galler Regisseur Milo Rau an die Adresse des Theaters St.Gallen. Tönte ziemlich selbstsicher. Die Zusammenarbeit kam in den letzten sieben Jahren nicht zustande.

Ich würde mich freuen, wenn einmal ein Stück von mir ein­geladen würde

Statt sich vom Theater einladen zu lassen, hätte Milo Rau aber auch bei der Stiftung Lokremise anfragen können, um dort einen Gastspieltermin zu vereinbaren. So wie viele andere, die um jeden Auftritt kämpfen müssen, Geld auftreiben, Spielorte suchen und sehr früh reservieren müssen. Wie etwa Nelly Bütikofer, die im Mai an zwei Abenden hier ihr neues Stück ihres Fasson Theaters aufgeführt hat. Oder wie Olli Hauenstein, der im Herbst gleich sechs Mal vor ausverkauften Rängen sein Stück «Clown Syndrom» gezeigt hat. Oder wie das Theater 58 aus Zürich, das «Der Alchimist» zeigte, oder die Thurgauerin Micha Stuhlmann («Beine baumeln himmelwärts»). Sie alle waren 2017 und vorher schon mehrfach in der Lokremise, auch wenn die Tagesmiete für den kleineren der zwei Theatersäle 600 Franken kostet (mit der Miete der Technik kommt man je nach Aufwand schnell auf 1000 Franken) und man früh reservieren muss, am besten ein Jahr im Voraus. Das empfiehlt Lokremise-Geschäftsführerin Mirjam Hadorn.

«Gastspiele würden unsere Produktionen blockieren»

Comedians und kleine Formationen haben in den letzten Jahrzehnten in den vielen Kleintheatern eine Heimat gefunden. Grössere freie Theatergruppen jedoch fallen in vielen Städten zwischen Stuhl und Bank, finden weder im Stadttheater noch auf der Kleinbühne statt. St.Gallen gehört zu den wenigen Schweizer Städten mit eigenem Ensemble und einem Dreispartenhaus.

Schliesslich waren wir die ersten, die dort gespielt haben, und die ersten, die einen Vertrag mit den SBB hatten, weil wir eine zweite Spielstätte für Schauspiel und Tanz gesucht hatten

Das Theater St.Gallen für Gastspiele zu öffnen, hält Werner Signer, ­geschäftsführender Direktor des Theaters St.Gallen, für keine gute Idee: «Wir sind kein Gastspieltheater. Regelmässige Gastspiele würden unsere eigenen Produktionen blockieren.» Schliesslich sei der Grundgedanke des Leitungsauftrags die Arbeit mit dem Ensemble. Forderungen nach einem Teilrückzug aus der Lokremise zugunsten freier Gruppen tritt er entgegen: «Schliesslich waren wir die ersten, die dort gespielt haben, und die ersten, die einen Vertrag mit den SBB hatten, weil wir eine zweite Spielstätte für Schauspiel und Tanz gesucht hatten. Der Kanton kam erst später dazu.»

Das Theater St.Gallen hat viel in die Lokremise investiert

Sämtliche Theatertechnik in der Lokremise hat das Theater kaufen müssen: 1,3 Millionen Franken aus privaten Quellen wurden vor zehn Jahren investiert. Zudem seien die Theatersäle rund 100 Tage im Jahr für Fremdvermietung freigegeben. Das Theater um einen Gastspielbetrieb zu ergänzen, hält er für anmassend: «Die freie Szene muss sich zwingend eigenständig entfalten können. Es wäre falsch, wenn wir hier bei der Programmierung und Auswahl mitmischen würden.» Dass die Produktionen in der Lok­remise vor Ort geprobt werden, hat mit dem Mangel an Probebühnen zu tun. Denn die zwei Proberäume an der Dürrenmatt­strasse werden für die Stücke im Grossen Haus benötigt.

Leistungsauftrag mit strengen Vorgaben

Katrin Meier, kantonale Kulturamtsleiterin, betont: Hauptidee des Leistungsauftrags sei es, die Bühnen selbst zu bespielen. Der Leistungsauftrag beinhaltet schweizweit sehr strenge Vorgaben: Neben einer Publikumsauslastung von 75 Prozent, 150000 zahlenden Zuschauern pro Saison und einer Eigenwirtschaftlichkeit von 30 Prozent sind beispielsweise Kooperationen mit anderen Theatern, die Förderung von Schweizer Dramatikern, die Vermittlung sowie die Berücksichtigung von Tradition und Zeitgenössischem Inhalt des Auftrags. Nicht aber Gastspiele.

Reduzierte Tarife für Kultur in der Lokremise

Und Lokremise-Geschäftsführerin Mirjam Hadorn zählt auf: Im letzten Jahr hatte sie 136 Gastveranstaltungen, 86% davon in den Theatersälen – 35 Kultur- und 14 Bildungsanlässe, 50Vereins- und Firmenanlässe (davon viele Tanzevents). Kulturanlässe werden gemäss Reglement bevorzugt und bekommen einen auf 60% reduzierten Tarif.

Wer Gastspiele sehen will, kann nach Winterthur, Schaffhausen oder Schaan fahren. In St.Gallen gibt es zwar ein paar andere Spielorte, die sich aber weniger für Theater eignen: Die Grabenhalle ist sehr günstig, aber eher ein Partylokal; das Lattich im Güterbahnhof (mit 350 Franken für Miete und Bestuhlung pro Tag auch günstiger als die Lokremise) hat kaum Technik vor Ort und muss wohl in einigen Jahren einem Autobahnanschluss Platz machen. Die Situation für freie Theatergruppen bleibt angespannt. Der St.Galler Theatermacher Michael Finger, der auch schon in der Lokremise Stücke zeigte, hat die Konsequenz aus der Situation gezogen und ein Theaterzelt gekauft, mit dem er auf Tournee geht.

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