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THEATERSPEKTAKEL: Von keinem Schamgefühl ausgebremst

Anmut und Plumpheit verschmelzen bei ihr zu einer einzigen Geste. Die Westschweizerin Eugénie Rebetez lädt uns im Stück «Bienvenue» in ihre vier Wände.
Julia Stephan
Eugénie Rebetez in einer ihrer vielen selbstvergessenen Posen. (Bild: Augustin Rebetez)

Eugénie Rebetez in einer ihrer vielen selbstvergessenen Posen. (Bild: Augustin Rebetez)

Die pathetische Zeile «Shine Bright Like A Diamond» aus dem Rihanna-Song «Diamonds» mögen viele gedanklich schon im Abfalleimer der Popindustrie entsorgt haben. Eingespielt ab Tonband beim Hausputz wie im Stück von Eugénie Rebetez fängt aber selbst dieser verbrauchte Satz mehrdeutig zu funkeln an.

Wer soll hier glänzen? Die geschürzte, mollige Frau (Eugénie Rebetez), die auf der Theaterspektakelbühne neben einem Putzkübel in der Grösse einer Tonne mit voller Röhre mitsingt, als wäre sie Rihanna höchstpersönlich? Die dabei mit Putzgerät anmutig Pirouetten dreht und Pliés auf dem Putzlappen übt? Oder die Stellwand aus Spiegeln und leeren Rahmen, über die sie rhythmisch, aber wenig effizient das Staubtuch wedelt?

Seit die Westschweizer Tänzerin Eugénie Rebetez in ihrem sehr persönlichen Tanzstück «Gina» (2010) an perfekte Kleidergrössen genormte Bühnenstarträume ironisch auf ihren fülligen Körper projizierte, und damit zum Bühnendarling der Schweiz avancierte – 2013 erhielt sie den Schweizer Kleinkunstpreis –, sind einige Jahre ins Haus gegangen.

Nach «Encore» (2013) folgte am Montagabend auf der Zürcher Landiwiese das dritte Stück «Bienvenue», eine abermalige Variation ihres grossen Themas: die Sehnsucht nach Rampenlicht, und die Überwindung der vom Showbusiness vorgegebenen Normen durch eruptive Emotionalität, die von keinem Schamgefühl ausgebremst wird.

Rebetez, die so gut tanzt, wie sie singt, und so gut instrumentiert, wie sie mit Worten jongliert, lädt uns in ihre vier Wände beziehungsweise in den innersten Raum ihrer Seele, wo sie selbstvergessen ihren Bühnenträumen nachhängt.

Es ist eine sehr menschliche Erfahrung, diese Selbstvergessenheit in der Selbstbespiegelung. Empfindlich gestört wird sie nur beim Blick in echte Spiegel, die Rebetez auch gleich verschreckt umdreht. Denn das, was sie mit vollem Körpereinsatz zu sein vorgibt, deckt sich nicht annähernd mit den Vorbildern, die ihr vorschweben.

Wer intensiv träumt, wirkt intensiv

Rebetez ist dabei nicht nur eine, sondern gleich mehrere Spielarten ihrer selbst. Mal kriecht sie quäkend wie ein Kleinkind auf dem Boden herum, um plötzlich als amerikanische Diva breitmaulig und laut die Bühne einzunehmen für die Präsentation sublimer Ballettkunst. Das wirkt gekünstelt und verzweifelt, und in seiner Authentizität tief berührend. Wer so intensiv träumt, der knallt in Wände, der verpasst den Anschluss an die Welt, die aggressiv nach einem ruft. Der wirkt aber auch, mit Rihanna gesprochen, kraft seiner Intensität wie eine «Vision Of Ecstasy».

Julia Stephan

Weitere Auftritte: Eugénie Rebetez, «Bienvenue». 19./20./21. 9. im Tanzhaus Zürich.www.eugenierebetez.com

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