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THEATERPAUSE

Auch Tausendsassas müssen atmen Dieses Gesicht kenn ich doch, denk ich mir, als ich Raoul Nagel treffe. Und das nicht etwa, weil ich oft im Theater St. Gallen auf der Hinterbühne herumschleichen würde (etwas, was allerdings mal zu tun wäre – es kommt auf die Liste).
Doch! Die Sommerferien sind für Raoul Nagel die ultimative Pause. (Bild: Rebecca C. Schnyder)

Doch! Die Sommerferien sind für Raoul Nagel die ultimative Pause. (Bild: Rebecca C. Schnyder)

Auch Tausendsassas müssen atmen

Dieses Gesicht kenn ich doch, denk ich mir, als ich Raoul Nagel treffe. Und das nicht etwa, weil ich oft im Theater St. Gallen auf der Hinterbühne herumschleichen würde (etwas, was allerdings mal zu tun wäre – es kommt auf die Liste). Nein, Raoul Nagel kennt man nicht unbedingt als Bühnentechniker, der er am Theater vornehmlich ist, sondern als Musiker. Und plötzlich kommen die Erinnerungen an einen Abend im Rümpeltum, damals, als wir noch jung waren und ich ein bisschen jünger und die Band k-tharsis den Funk in die Stadt brachte. Mit Raoul Nagel als Sänger.

Der Einzug in den Kuchen

Weil ein Orchestermitglied, das nur Englisch sprach, Freunde suchte und das Orchester einmal die Woche Basketball spielte, landete Raoul Nagel am Theater. So in etwa lässt sich die Geschichte zusammenfassen, die er mir über seinen Einzug «in den Kuchen» lebhaft und gestenreich erzählt. Was als reiner Teilzeitjob fürs Geldverdienen angedacht war, um nebenbei seiner Musik nachzugehen, macht er nun schon seit neun Jahren, mittlerweile als fester Teil der Bühnentechnik. Ist die Arbeit am Theater beendet, fängt die andere an: die des Musikers, Komponisten und Produzenten.

Spagat der Chimäre

Nachdem eine Regisseurin per Zufall an einem seiner Konzerte war, ist Nagel immer wieder auch musikalisch an Theaterproduktionen beteiligt. Die Sache mit der Wahrnehmung innerhalb des Betriebes, was er denn nun ist und wofür eigentlich angestellt, wurde dadurch etwas komplizierter. Ob er sich jemals selbst fragt, was und wer er ist in diesem Wechselspiel? «Mittlerweile schaffe ich den Spagat sehr gut», sagt Raoul Nagel. Ich muss trotzdem an eine Chimäre denken.

In den Sommerwochen jedenfalls stellt sich diese Frage nicht: «Ferien bedeutet für mich die ultimative Pause.» Die vier Wochen Ferien für Bühnentechniker, die über die Spielzeit durch Überzeit auf circa fünf bis sechs anwachsen, verbringt er seit einigen Jahren in Italien. Dort, im Haus seiner Verwandten, kann er endlich ohne schlechtes Gewissen schlafen. Etwas, wofür unter dem Jahr wenig Zeit bleibt. Was steht sonst noch auf dem Ferienprogramm? Atmen, essen und trinken. Zu sich selber finden, Körper und Geist zurückholen. Freestyle-Frisbee spielen. Und schwimmen natürlich. Die frühen Jugendjahre als halbprofessioneller Wasserballspieler haben ihre Spuren hinterlassen. Ausserdem macht er sich gemeinsam mit seinem Sohn Pablo auf die Suche nach den eigenen Wurzeln, die nämlich genau da liegen, in Bella Italia.

Lasst ihn Musik machen

Später an diesem Nachmittag in einem St. Galler Quartiergarten, nach Geschichten über Musical-Castings mit drei gebrochenen Rippen und spontanen Tanzeinlagen über die Bühne, um ein vom Tänzer verlorenes Requisit zu holen, entschlüpft mir das Wort «Sibesiech». Selbstverständlich im positiven Sinne. Er grinst: «E bitzli.» Raoul Nagel ist also ein Bühnentechniker und das Gegenteil von einem Teilzeitkünstler. Er schafft sich seine Bühne immer da, wo er ist. Allerdings ohne andere in den Schatten zu stellen. Da will man doch gleich beim Theater St. Gallen anrufen und sagen: «Lasst ihn Musik machen.» Die Nummer steht übrigens im Telefonbuch.

Rebecca C. Schnyder

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