Theaterbaustück ohne Illusionen

Zur Sache

Marcel Elsener
Drucken
Teilen

Das Theater St. Gallen ist aus der Zeit gefallen. Nicht auf der Bühne, wo es als Dreispartenhaus oft modernste Inszenierungen wagt und den Anschluss an vergleichbare Spielstätten hält. Jedoch baulich: Sein Hauptgebäude, der 1968 bezogene Sichtbetonbau von Claude Paillard, ist völlig veraltet. Risse im Beton, die Glas-Metall-Fassade mit Asbest belastet, sämtliche Türen undicht, die Stühle durchgesessen – nur einige Beispiele für dringliche Renovationen. Schlimmer noch die Arbeitsverhältnisse: Die fünfzigjährige Haus- und Bühnentechnik kann einen störungsfreien Betrieb nicht mehr gewährleisten. Wer nicht weiss, was Dichtestress bedeutet, soll die Garderoben anschauen: «Mehr Verdichtung geht nicht mehr» ist nett gesagt für eine Enge, die einen beklemmenden Schauplatz böte für eine Reportage übers Theater in prekären Zeiten.

Nun soll das Theater für 47,6 Millionen Franken rundum erneuert und moderat erweitert werden. Ein schöner Batzen, aber nicht mehr: Kanton und Theater richten sich nicht nach ihrem Wunschkatalog, sondern nach der Wirklichkeit. Man könnte gut einige Millionen mehr ausgeben, etwa für Hebebühnepodien, doch mache man sich keine Illusionen, meint Baudirektor Marc Mächler. Jene Kräfte im Kantonsrat, die im Februar eine Plafonierung der Kulturausgaben bis 2020 beschlossen, werden die Theater-Bauvorlage nicht ohne Murren akzeptieren. Der wertvermehrende Anteil an den Baukosten liegt bei lediglich 9,5 Millionen. Dagegen das Referendum zu ergreifen, dürfte nicht einmal dem kulturfernsten Sparpolitiker einfallen. Dafür bräuchte es nämlich sehr gute Gründe, und die gibt es nicht. Seite 15