Interview

Theater St.Gallen steht still: «Wir überlegen Kurzarbeit fürs Ensemble»

Lockdown am Theater St.Gallen. Der geschäftsführende Direktor Werner Signer hat schwierige Zeiten vor sich. Da ist zum einen die komplizierte Terminplanung für Ersatzvorstellungen. Gravierender wiegen aber die finanziellen Einbussen. Das Theater überlegt, Kurzarbeit für die Künstlerinnen und Künstler zu beantragen.

Interview: Julia Nehmiz
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Verwaist: Das Foyer des Theaters St.Gallen bleibt bis mindestens Ende April leer.

Verwaist: Das Foyer des Theaters St.Gallen bleibt bis mindestens Ende April leer.

Bild: Jil Lohse

Premieren und Vorstellungen: abgesagt. Schauspielerinnen, Tänzer, Sängerinnen und Musiker: alle zu Hause. Das Theater St.Gallen steht still. Der geschäftsführende Direktor Werner Signer hofft, dass bald wieder gespielt werden kann.

Bei Ihnen ist gerade Land unter?

Werner Signer: Sagen wir es so: Es gibt wirklich viel zu organisieren. Wir versuchen, Nachholtermine für ausgefallen Vorstellungen zu finden. Mit all unseren Gastkünstlern ist das nicht einfach, denn im Musiktheater haben Sie sonst in der Planung einen Vorlauf von zwei Jahren.

Wie erleben Sie die Situation am Theater?

Wie bei allen anderen Häusern auch ist bei uns der Spielbetrieb eingestellt bis 30. April. Auch der Probenbetrieb steht still, denn weder im Orchester noch auf der Bühne ist es möglich, die erforderlichen Distanzen einzuhalten. In den Werkstätten und in der Verwaltung wird aber noch gearbeitet, in der Verwaltung zum Teil im Homeoffice. Es herrscht ja kein Arbeitsverbot, und es gibt eine Zeit nach der Krise, die gilt es, vorzubereiten.

Wie funktioniert Homeoffice für die Tanzcompagnie?

Trainiert wird individuell, zudem ist aber der Tanzsaal geöffnet. Über Whatsapp wird abgesprochen und sichergestellt, dass nie mehr als fünf Personen gleichzeitig im Raum sind.

Werner Signer, geschäftsführender Direktor Theater St.Gallen

Werner Signer, geschäftsführender Direktor Theater St.Gallen

Bild: Andoni Lopez

Etliche Premieren können jetzt nicht stattfinden. Werden die alle nachgeholt?

Das entscheiden wir gerade. Es hängt zudem davon ab, wie lange die Sperrzeit andauern wird. Die Planung gestaltet sich als sehr schwierig, denn was wir heute planen, wird morgen vielleicht schon wieder von aktuellen Ereignissen über den Haufen geworfen. Im Moment gehen wir davon aus, dass wir ab Mai wieder spielen können. Es wäre fahrlässig zu sagen, die Saison ist gelaufen, wir gehen jetzt alle in die Ferien.

Das heisst, Sie halten an den Festspielen fest?

Aktuell gehen wir davon aus, dass sie Ende Juni stattfinden können. Wir versuchen, nur Entscheidungen zu treffen, die zwingend notwendig sind. Die Verträge mit den Künstlern sind ja schon lange unter Dach und Fach.

Was ist mit den ganzen Vorstellungen, die ausfallen?

Die wollen wir möglichst alle nachholen, gerade auch für unsere Abonnenten. Wir sind daran herauszufinden, wann wir die Vorstellungen ansetzen können, wann die Gastkünstler verfügbar sind. Konkretes kann ich dazu nichts sagen.

Die Tanzcompagnie des Theaters St.Gallen in «Coal, Ashes and Light». Ob diese Produktion nochmal gezeigt werden kann? Die Dernière fällt in den Lockdown, sie wäre für den 25.April geplant gewesen.

Die Tanzcompagnie des Theaters St.Gallen in «Coal, Ashes and Light». Ob diese Produktion nochmal gezeigt werden kann? Die Dernière fällt in den Lockdown, sie wäre für den 25.April geplant gewesen. 

Bild: Gregory Batardon

Finanziell wird es hart für Ihr Haus. Das hat sonst eine Eigenfinanzierung von 30 Prozent. Doch die Einnahmen brechen jetzt weg.

Wir müssen Schadensminderung betreiben. Dafür ist wichtig: Was können wir nachholen? Welches sind wirtschaftlich entscheidende Vorstellungen? Es ist ein grosses Planungsspiel. Wir müssen mit enormen finanziellen Einbussen rechnen.

Wenn Ihre Künstlerinnen und Künstler nicht arbeiten können, werden sie in die Kurzarbeit geschickt?

Gastkünstler kann man nicht in die Kurzarbeit schicken. Es gibt Überlegungen, ob wir Kurzarbeit für unsere Ensembles beantragen. Da werden wir aber zuerst intern und mit den Sozialpartnern Gespräche führen.

Ihre Künstler dürfen nicht proben oder spielen. Gibt es stattdessen Pläne für Streaming-Angebote?

Der Wille ist da, solche Formate zu erschaffen. Auch als Lebenszeichen an unser Publikum. Doch auch vor der Kamera gilt: Social Distancing. Wenn, dann wären also nur Einzelbeiträge möglich. Doch auch hier ist es noch zu früh für Aussagen, wann wir Streaming-Angebote zur Verfügung stellen können.