Eintritt nur noch mit Maske: Konzert und Theater St.Gallen verkündet neues Schutzkonzept

Jeder Sitz wird verkauft, dafür muss jeder Besucher Maske tragen. Damit geht Konzert und Theater St.Gallen einen neuen Weg: Alle anderen Veranstalter in der Region lassen Sitze frei, verlangen aber keine Schutzmaske am Platz.

Julia Nehmiz
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Bald auch Theateralltag in St.Gallen: Das Publikum (wie hier in Prag) muss Maske tragen.

Bald auch Theateralltag in St.Gallen: Das Publikum (wie hier in Prag) muss Maske tragen.

Bild: Michaela Rihova/Imago-Images

Die Ankündigung, sie passt in die Zeit. Während der Kanton Zürich bekannt gab, dass ab Donnerstag in Zürcher Läden Schutzmaske getragen werden muss, verkündeten Konzert und Theater St.Gallen, dass in dieser Spielzeit eine Maskenpflicht im Theater herrscht. Und zwar für alle. Nicht nur für Mitarbeitende, die den Mindestabstand nicht einhalten können, nein, auch für alle Zuschauerinnen und Zuschauer.

Wer Lokremise, Tonhalle oder Provisorium betritt, muss einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Und darf ihn erst wieder ablegen, wenn er das Gebäude verlässt. Auch während der Vorstellung müssen Zuschauer die Schutzmaske tragen.

Werner Signer, geschäftsführender Direktor Konzert und Theater St.Gallen

Werner Signer, geschäftsführender Direktor Konzert und Theater St.Gallen

Bild: Nik Roth

Werner Signer, der geschäftsführende Direktor von Konzert und Theater St.Gallen, erklärt: Die Verordnung des Corona-Schutzkonzepts sehe vor, dass man eine Schutzmaske tragen müsse, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden könne. Und wenn alle Sitze im Zuschauerraum belegt seien, sei der Abstand von 1,5 Metern nicht gegeben. Also: Schutzmaske. Auch für Kinder ab 12 Jahren.

Keine Gastronomie im Theater, auch nicht in der Pause

Aber weshalb will das Theater sämtliche Plätze im Zuschauerraum belegen? Ringsherum heisst es bei allen Veranstaltern – vom Eisenwerk Frauenfeld bis Fabriggli Buchs, vom See-Burgtheater Kreuzlingen bis zu den Werdenberger Schlossfestspielen, vom Landestheater Bregenz bis zum Theater Konstanz – , dass man nicht alle Plätze verkaufe, dass man Abstand zwischen den Zuschauern gewähre, dass man den Saal nur locker bestuhle, um die Gefahr möglicher Ansteckungen zu minimieren. Bei Konzert und Theater St.Gallen sollen nun sämtliche Sitzplätze verkauft werden. Warum?

Schauspiel mit Abstand: Die Theaterwerkstatt Gleis 5 Frauenfeld tourt noch bis Ende August mit ihrer Inszenierung «Geschichten aus dem Decamerone» durch die Ostschweiz. Ausverkauft heisst: Plätze frei.

Schauspiel mit Abstand: Die Theaterwerkstatt Gleis 5 Frauenfeld tourt noch bis Ende August mit ihrer Inszenierung «Geschichten aus dem Decamerone» durch die Ostschweiz. Ausverkauft heisst: Plätze frei.

Bild: Donato Caspari

«Wenn wir von den gut 500 Plätzen, die wir im Provisorium haben, nur noch die Hälfte verkaufen könnten, würden wir keine Saison überleben», sagt Werner Signer. Das liege nicht nur daran, dass Konzert und Theater den hohen Eigenfinanzierungsgrad von 30 Prozent erwirtschaften müssen, sondern:

«Mit nur 250 Plätzen halten sie nicht durch, denn die Kosten der Produktionen sind genau so hoch wie im Grossen Haus mit seinen rund 750 Plätzen.»

Man könnte sonst die Produktionen nicht in der Qualität spielen. Man müsste irrsinnig sparen.

Signer betont, dass man die Schutzmassnahmen mit dem Gesundheitsamt erarbeitete. Die Fachleute hiessen das Schutzkonzept gut. Dieses sieht noch weitere Einschränkungen vor: So gibt es keine Theatergastronomie. Weder davor, noch in der Pause, noch nach der Vorstellung. «Gastronomie und Schutzmaske, das geht nicht zusammen», sagt Signer. Und nein, man dürfe sich nicht selber ein Picknick mitbringen und im Foyer verspeisen: Die Schutzmaske muss aufbleiben.

Keine Ausnahme für Zuschauer, die mit Abstand sitzen wollen

Die Sitze, Türgriffe oder Geländer würden regelmässig gereinigt, an der Garderobe werde man mittels Leitsystem Ballungen vermeiden. Zudem werden die Kontaktdaten der Besucherinnen und Besucher erfasst: Falls es zu einem Covid19-Fall kommen sollte, könne man die Personen, die in der Nähe gesessen haben, warnen und in Quarantäne schicken.

Ob sich alle Zuschauer an die Maskenpflicht halten? Werner Signer sagt:

«Ohne Maske kommt man nicht ins Theater.»

Wer keine dabeihabe, bekomme eine vom Theater. Das Saalpersonal werde überwachen, dass jeder seine Maske auch wirklich anbehalte. Für Zuschauer, die lieber mit Abstand im Theater sitzen, könne man keine Ausnahme machen.

So könnte es kommende Spielzeit im Theater Konstanz aussehen: Viel Abstand zwischen den Sitzen.

So könnte es kommende Spielzeit im Theater Konstanz aussehen: Viel Abstand zwischen den Sitzen.

Bild: Ilja Mess

Man habe sich auch aus Sicherheitsgründen für die schärfste Schutzvariante entschieden, sagt Signer: Totale Maskenpflicht plus Contact-Tracing. Auch für die Mitarbeitenden gelte die Maskenpflicht. Ob das Orchester in grosser Besetzung im engen Orchestergraben spielen kann oder aus der Tonhalle für Opernproduktionen live ins Provisorium übertragen wird, werde man prüfen.

Ob das Schutzkonzept noch so Bestand hat, wenn das Provisorium am 24. Oktober eröffnet wird, werde sich weisen, sagt Signer. Denn wie sich die Situation entwickelt, das weiss niemand.

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