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THEATER ST.GALLEN: Messer, Säbel, Nasenrotz

Gallen Er treibt wieder sein furchtbar lustiges Unwesen: Am Samstag hatte «Der Räuber Hotzenplotz» Premiere. Moralisch-musikalische Verstärkung bekommen Kasper und Seppel von Marius & der Jagdkapelle.
Bettina Kugler
Fast nicht wiederzuerkennen unter den vertauschten Kappen: Kasper (Dimitri Stapfer, links) und Seppel (Christian Hettkamp, rechts) vor der guten Stube des Räubers Hotzenplotz (Matthias Albold). (Bilder: Tanja Dorendorf/Theater St. Gallen)

Fast nicht wiederzuerkennen unter den vertauschten Kappen: Kasper (Dimitri Stapfer, links) und Seppel (Christian Hettkamp, rechts) vor der guten Stube des Räubers Hotzenplotz (Matthias Albold). (Bilder: Tanja Dorendorf/Theater St. Gallen)

Bettina Kugler

Tatsächlich! Es ist kein Vollautomat für teure Kapseln, sondern eine gute alte «Kafimüli» mit Drehkurbel, die Kasper und Seppel zu Grosis Geburtstag umständlich aus der Kiste kramen. Sie spielt auch nicht irgendeinen angesagten Hit, sondern wirklich Grossmutters Lieblingslied von anno dazumal: «Alles neu macht der Mai ...» Mitten im kalten Winter! Wunderbar. Man muss nämlich nicht immer alles neu machen, wenn man für Kinder und solche, die es im tiefsten Herzen bleiben wollen, gute Geschichten auf die Bühne bringt. Vor allem dann nicht, wenn diese Geschichten seit Jahrzehnten bestens funktionieren – und in den Jahrhunderten zuvor, aus deren Tradition sie schöpfen, ihre Wirkung ebenfalls nicht verfehlt haben.

Regisseur Marcus Coenen tut also gut daran, auf den zeitlosen Humor der Vorlage von Otfried Preussler zu setzen und den Rest dem diebischen Vergnügen der Schauspieler zu überlassen. Zu denen in dieser Produktion auch, mal mehr, mal weniger vordergründig, Marius Tschirky und seine Jagdkapelle zählen.

Nach Feierabend hängt der Bart am Haken

Wie sagt doch Wachtmeister Dimpfelmoser (Kay Kysela) so treffend in angestrengtem Amtsschweizerhochdeutsch, voller Respekt vor sich selbst? «Einen richtigen Räuber fangen ist nicht gerade eine Kleinigkeit.» Stimmt! Vor allem, wenn man schwer mit der eigenen, kissengestützten Leibesfülle zu tun hat. Da ist es gut, wenn Kasper und Seppel moralisch und musikalisch Verstärkung bekommen bei der Jagd auf Hotzenplotz. Die Jagdkapelle sorgt nicht nur im Gehölz der hinteren Bühnen als Piepmatz- und Klopfspecht-Chor für Waldeslust, nein! An der Rampe gibt Marius den Seppelversteher, den Mitsing- und Klatschanimator. Das Schöne daran: Es wirkt für einmal nicht peinlich und wie bei einem Fasnachtsball. Sondern wohltuend musicalfern, urchig in Mundart gereimt. Die Songs sind einem Räuber wie dem Hotzenplotz ebenbürtig – nämlich frech zusammengeklaut bei Stevie Wonder, Dschingis Khan und anderen Unterhaltungsriesen. Um die Ecke blinzelt Disneys King Louie.

Wer aber steckt diesmal unter dem Federhut, im Räubermantel mit den sieben Messern, wie alle anderen Kostüme liebevoll und stilecht entworfen von Marion Steiner? Matthias Albold leistet als Leuteschreck vom Dienst ganze Arbeit. Mögen auch Bart und Mähne nur Berufskleidung sein, die er nach Feierabend in der Räuberhöhle an den Haken hängt: Er gibt mit Bärenstimme und Statur den Tarif durch. Hilft Waffengewalt nicht weiter, wird gekitzelt. Als Kasper und Seppel sind Dimitri Stapfer und Christian Hettkamp ein urkomisches Gespann; Anna Blumer heult steinerweichend als verhexte Fee Amaryllis aus dem Unkenpfuhl. Einem Aquarium, das sich harmonisch einfügt in die Hightech-Zauberwelt, die Ausstatter Markus Karner dem Zauberer Petrosilius Zwackelmann (und wie er sonst zum Kichervergnügen noch heissen mag) eingerichtet hat. Oliver Losehand regiert darin, als gelte es, noch einige Nachrichten an das All zu senden: Das macht sogar einem beherzten Kasperl weiche Knie. Und es hält die Betriebstemperatur des Stücks auch nach der Pause hoch. Der Schnupftabak Marke Nasentrost tut sein Übriges. Hotzenplotz landet, wir wissen es, als Gimpel im «Chefi». Doch wehe, wenn er wieder davonflattert.

Vorstellungen bis 4. März, Theater St. Gallen

«Er ist einfach ein Tollpatsch»

«Potz Pulverdampf und Pistolenrauch!» So muss Räuber Hotzenplotz fluchen, sonst wäre es nicht Räuber Hotzenplotz. «Diese Flüche waren für mich sakrosankt», sagt Marius Tschirky, Leadsänger von Marius und die Jagdkapelle. Gemeinsam mit seinen Jägerkollegen steht er im Familienstück auf der grossen Bühne des Theaters St. Gallen und macht dort die Livemusik. Als er im Frühling dieses Jahres die Anfrage von Regisseur Marcus Coenen erhielt, war er sofort begeistert. «Die Jagdkapelle und der Räuber Hotzenplotz, das passt einfach perfekt zusammen. Das Wilde, das Hemdsärmlige haben wir gemeinsam.» Marius und die Jagdkapelle sind dafür bekannt, dass sie in ihren Liedern kein Blatt vor den Mund nehmen. Und so singt Marius Tschirky über den Räuber: «Immer chlaut er, was er wött. Gar nüt macht er, wo me sött. Muffed a de Füess no Chäs, aber irgendwie isch dä no läss.» Die coolste Figur im Stück ist für Marius Tschirky nicht Kasper, sondern Hotzenplotz. «Er hat eigentlich ein gutes Herz. Er ist einfach ein Tollpatsch, der beschlossen hat, ein Räuber zu sein», sagt der 41-Jährige. Trotzdem müsse Hotzenplotz am Ende ins Gefängnis. «Kinder wollen Archetypen. Die Guten müssen siegen, die Bösen bestraft werden.» Marius Tschirky hätte am liebsten selbst Hotzenplotz gespielt. «Theaterspielen würde mir grundsätzlich Spass machen. Aber ich komme beim Text lernen an meine Grenzen.» Auf der Bühne versucht er, nicht zu sehr eine Rolle zu spielen. «Bei meinen Konzerten spiele ich viel mehr, dort bin ich der Entertainer. Hier kann ich einfach Musiker sein.» Er geniesse es, dass der Erfolg des Stücks nicht allein von ihm abhänge. Bei seinen Konzerten müsse er immer die unsichtbaren Zügel zu den Kindern in den Händen halten, damit sie dabeibleiben. Im Theaterstück könne er sich auf das Musikmachen konzentrieren. Er nimmt im Stück eine Rolle auf der Metaebene ein, erzählt den Kindern etwas über die Figuren oder redet mit Kasper und Seppli, als wäre er deren Gewissen.

Der Zeitplan für das Schreiben der Lieder war eng. Im Frühling erhielt Marius Tschirky die Anfrage, und für die CD-Produktion mussten die Songs zwei Monate vor der Premiere fertig sein. «Ich hatte nicht viele Angaben zu den Figuren und telefonierte oft mit dem Regisseur. Der wusste aber auch noch nicht genau, wie die Figuren aussehen sollten.» Die Proben begannen erst, als die Lieder geschrieben waren. Deshalb mussten sich einige Rollen den Liedern anpassen. Für Tschirky war klar: Die Fee braucht einen langsamen «Schnulzensong», das Lied über den Zauberer Zwackelmann muss in Moll sein und für Räuber Hotzenplotz gibts eine Mischung zwischen Polka und Rock. Klar war auch, dass Marius und die Jagdkapelle wie immer auf Schweizerdeutsch singen, auch wenn die Schauspieler Hochdeutsch sprechen. Die Zusammenarbeit mit Regisseur Marcus Coenen sei gut. «Wir verfolgten dasselbe Ziel: Ein tolles Stück für die Kinder zu schaffen.»

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