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THEATER ST.GALLEN: Gerüstet gegen allerlei Pannen

Selten passiert es, dass an der Oper eine Sängerin oder ein Sänger ausfällt. Aber es kommt vor. Wie man sich dann am Theater St.Gallen zu helfen weiss, beschreibt Opernchef Peter Heilker. Der braucht vor allem eines: gute Nerven.
Rolf App
Schwer zu ersetzen: Claude Eichenberger als Carlotta in «Die Gezeichneten». (Bild: Iko Freese)

Schwer zu ersetzen: Claude Eichenberger als Carlotta in «Die Gezeichneten». (Bild: Iko Freese)

Rolf App

rolf.app@tagblatt.ch

Für das Theater St.Gallen war der Dienstag der vorletzten Woche ein verhexter Tag. Zuerst rief am Vormittag dieses 31. Oktober Claude Eichenberger an, die Hauptdarstellerin in Franz Schrekers Oper «Die Gezeichneten», und teilte mit, sie spüre einen Hexenschuss kommen. Also musste die Musiktheaterdramaturgin Caroline Damaschke am Abend auf die Bühne und das Publikum darauf vorbereiten, dass die Frau Eichenberger sich vielleicht nicht so agil bewegen werde wie gewohnt. Nach der Pause tauchte sie dann noch einmal auf und teilte mit, Jordan Shanahan fühle sich nicht wohl, werde aber weitersingen. Man möge ihm allfällige Mängel nachsehen.

Nur gerade zwei Absagen in mehr als neun Spielzeiten

Bemerkt hat man von beider Beeinträchtigung allerdings nichts. Aber der Abend illustriert doch, was Opernchef Peter Heilker in die einfache Feststellung kleidet: «Musiktheater ist immer live. Es kann immer etwas geschehen.» Für den Fall, dass «etwas geschieht», weil die Stimme versagt oder der Sänger krank wird, hat der Opernchef seine Notfallpläne – die ziemlich gut greifen. Denn er musste in den beinahe neuneinhalb Spielzeiten, die er jetzt in St. Gallen wirkt, wegen Krankheit nur gerade zwei Vorstellungen ausfallen lassen. «Das eine war eine ganz kurzfristige Absage der Zerbinetta für ‹Ariadne auf Naxos› von Richard Strauss, das andere betraf ‹Annas Maske› von David Philip Hefti – eine Uraufführung, bei der wir eh keine Chance hatten.» Ganz einfach deshalb, weil niemand sonst die Partie kannte.

«Sie haben die Differenz weggesungen»

Dass ein Sänger oder eine Sängerin absagen muss, kommt immer wieder mal vor. Und wenn auch keine Zweitbesetzung verfügbar ist, dann entstehen jene «aufregenden Adrenalinmomente», die Peter Heilker durchaus schätzt. Unvorbereitet treffen sie ihn nicht. «Wir haben für heikle Fälle immer eine Art Back-up im Kopf oder schon auf Papier – und die entsprechende Telefonnummer in der Kartei.»

Manchmal kommt es aber auch zu überraschenden Konstellationen. Wie im Falle von Jessica Pratt, die in Vincenzo Bellinis «La somnambula» für eine am Flughafen blockierte Kollegin einspringen musste: «Eine sehr grosse Frau neben dem kleinen Lawrence Brownlee. Was komisch aussah – bis die beiden die ganze Grössendifferenz einfach weggesungen haben.»

Schwierig wird es immer bei seltenen Stücken. Mit Majella Cullagh, der Alzira in Giuseppe Verdis Oper, hatten sie noch einen Ausflug auf den Gäbris gemacht, und die wetterfeste Irin hatte im Schnee gejodelt. Am Premierentag rief sie sehr spät an, mit einer herannahenden Erkältung im Hals. Die Zweitbesetzung sass schon in Bozen und musste dort ein Taxi nehmen. Als sie dann eintraf um 18.30 Uhr, da war die Irin schon wieder fit.

In diesem Fall war St.Gallen auf die Einspringerin vorbereitet, weil sie die Zweitbesetzung war. Reisen aber unbekannte Sänger an, dann stehen nicht nur Schneiderei und Maske bereit, sondern auch der Tagesleiter und der Dirigent für die Einweisung in eine Inszenierung, die sich, wenn er Zeit hatte, der Einspringer online bereits angesehen hat. Bleibt weder für das eine noch das andere Zeit, dann tritt eine kuriose Situation ein: Der Einspringer singt an der Seite, ein Regieassistent spielt ihn auf der Bühne. Alles schon vorgekommen.

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