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THEATER: Spielen mit der Lust am Scheitern

Mit «Bob Dylans 115ter Traum» zeigt das Theater Hora eine Hommage an einen Künstler, der ein Leben lang gegen das Erfüllen von Erwartungen kämpfte. Die Darsteller kennen den Kampf. Aber egal mit welchen Erwartungen das Publikum kam, es war begeistert.
Gianni Blumer alias Dionysos steckt voller Energie und Spielfreude. (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 9. März))

Gianni Blumer alias Dionysos steckt voller Energie und Spielfreude. (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 9. März))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier:<strong><em>www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Sie beginnen nicht auf der Bühne, sondern im Zuschauerraum. Von dort aus schleudern die acht Schauspielerinnen und Schauspieler des Theater Hora lautstark Kritik in Richtung Bühne. Es sind Ausrufe wie «Keine Predigt halten!», «Sing emol!» oder «Plagiat!». Bob Dylan musste sich jedes Mal, wenn er seinen Musikstil wechselte, Kritik anhören. Ihm hat das Theater Hora, deren Darsteller eine geistige Beeinträchtigung haben, sein neues Stück gewidmet. In einer Collage feiert das Theater Hora auch sich selbst und sein 25-jähriges Bestehen. Am Freitagabend war es zu Gast im Palace in St. Gallen.

Bild: Michel Canonica
Bild: Michel Canonica
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Theater Hora: "Bob Dylans 115ter Traum"

Die Schauspieler sind alle einheitlich in Weiss gekleidet und trotzdem trägt jeder ein individuelles Kostüm. Sie sind den Figuren aus der Odyssee nachempfunden, allen voran Homer, Zeus, Dionysos, Athene und Odysseus’ Frau Penelope. Odysseus selbst fehlt, dafür tritt Odylan auf, der die zwei Helden Odysseus und Bob Dylan in einer Figur vereint.Sie verweben nicht nur Odysseus’ mit Dylans Geschichte, sondern auch die unterschiedlichsten Stilelemente. Denise Wick Ross, die seit etwa 20 Jahren als Singer-Songwriterin bei der Hora-Band ist, singt mit ihrer rauchigen Stimme Dylans Lieder. Die Darsteller wechseln von klassisch gespielten Szenen zu live gefilmten Videosequenzen, spielen Ausschnitte aus der «Theme Time Radio Hour» ein, die Dylan moderiert hat, und lassen dazu passende Bilder auf der Leinwand entstehen. Als roter Faden führen die Transparente mit Liedtiteln und Dylan-Zitaten durch die Show. Eine Idee aus dem Videoclip zu «Subterranean Homesick Blues», in dem Dylan Blätter mit seinen Liedtexten fallen lässt.

Dylan-Momente auf der Bühne

Die Darsteller sind sich bewusst, dass dies alles etwas chaotisch wirken könnte. Dionysos – in der einen Hand ein Mikrofon, in der anderen ein Glas Wein – fragt deshalb im Publikum nach: «Chunsch no drus?» Er fragt auch nach Dylan-Momenten. Ein solcher ist das Lied «Blind Willie McTell» über den blinden Bluessänger, das Nikolai Gralak auf Schweizerdeutsch singt. Mit den Händen gestikulierend und wie nach Worten suchend singt er die Ballade und wenn er ab und zu nicht auf den Schlag singt, so passt das umso mehr zu Bob Dylans Art der Phrasierung voller rhythmischer Verschiebungen.

Ein weiterer Dylan-Moment ist der Auftritt von Matthias Grandjean als Dylan himself. In einem Interview gibt er abstrakte Antworten. «Gute Liebe ist eine Sonnenbrille mit einer Taschenlampe», sagt er. Auch Dylans Texte waren gespickt mit Metaphern. So auch der Song «Bob Dylans 115th Dream», eine satirische und surreale Version der Entdeckung Amerikas.

Eigentlich hätte die Theatertruppe Spielmaterial für etwa drei Stunden, sagt der künstlerische Leiter Michael Elber nach der eineinhalbstündigen Vorstellung. «Mit rund 60 Szenen wäre das Bild komplett. Wir zeigen aber immer nur jeweils 35 Puzzleteile.» Welche Szenen gespielt werden, hängt von der Grösse des Raumes ab und davon, welche Darsteller zur Verfügung stehen. So zeigt das Theater Hora nie zweimal dieselbe Show. «Dass wir immer etwas Neues zusammensetzen ist auch wichtig, damit aus dem Stück keine abgenudelte Theatermaschine wird, in der alle den Text herunterleiern», sagt Elber. Die Aufführung soll frisch bleiben. Es ist das Risiko, aber auch die Lust am Scheitern, die ihn dazu bewegt, immer etwas Neues zu zeigen. Das Risiko hat sich gelohnt, das St. Galler Publikum war begeistert.

Mirjam Bächtold

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