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THEATER: Mike Müller in der Ostschweiz: Vorhang auf für hitzige Lokalpolitik

Im neuen Solostück von Autor, Schauspieler und Satiriker Mike Müller geht’s drunter und drüber. Nach Herisau spielt er nun in St.Gallen.
Andreas Ditaranto
Witziger Soloabend: Mike Müller spielt alle Rollen im Stück selbst.

Witziger Soloabend: Mike Müller spielt alle Rollen im Stück selbst.

Seit Jahren gehört Mike Müller zu den bekanntesten und beliebtesten Schauspielern und Komikern der Schweiz. Der 54-Jährige erlangte nicht zuletzt in der erfolgreichen TV-Serie als «Bestatter», aber auch durch die Late-Night-Comedy­show «Giacobbo/Müller» Kultstatus. Nach «Elternabend» und «Truppenbesuch» ist er derzeit mit seinem dritten Solostück «Heute Gemeindeversammlung» auf Tournee – eine 1-Mann-Komödie von und mit Mike Müller. Am letzten Freitag trat der in Zürich lebende Oltner vor vollem Haus in der Stuhlfabrik in ­Herisau auf, am 1., 2. und 3. Februar bespielt «MM» die Kellerbühne in St.Gallen (Reprise-Termine am 5., 6., und 7. November), und am 10. Februar den Kulturtreff Rotfarb in Uznach.

In «Heute Gemeindeversammlung» zeigt und karikiert Mike Müller die reine Fiktion des Politikbetriebes auf der kleinsten Flamme, der Gemeindepolitik. Hier wird die Suppe heisser gegessen, als sie gekocht wurde. Neben den üblichen Geschäften um Schule, Einbürgerung oder Bauprojekten geht es um die Fusion mit einer Nachbargemeinde. Bleibt man selbstständig oder will man Kosten sparen? Es gibt viele Voten, einen zunehmend aufgebrachten Gemeindepräsidenten und eine Gemeindeversammlung, die aus dem Ruder läuft – alles gespielt von Mike Müller.

Sie haben in Zusammenhang mit Ihrem neuen Bühnenstück mehrfach betont, dass Sie nicht in die Politik einsteigen wollen. Weshalb so kategorisch?
Ich habe das in Interviews gesagt, weil ich danach gefragt worden bin. Von mir selber aus käme ich gar nicht auf die Idee, es zu erwähnen. Ich finde, Politik und Komik sollte man nicht vermengen. Wenn ein Komiker zum Politiker wird, dann macht er sich das Leben letztlich sehr schwer.

Es gibt aber schon komische Gestalten in der Politik...
Natürlich gibt es Überschneidungspunkte und ich wollte damit auch nicht sagen, dass ein Politiker nicht lustig sein könnte oder sich ein Komiker nicht mit Politik beschäftigen sollte. Aber grundsätzlich sind es zwei komplett verschiedene Vorgänge.

Sie könnten ja auch antworten: «Wenn das Land mich braucht, dann würde ich es machen.»
Das ist kitschige Blocher-Philosophie – religiöser Märtyrer-Quatsch.

Weshalb wollten Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen und Begegnungen mit nationalen Politgrössen Ihr neues Stück nicht in Bundesbern spielen lassen – «Heute Nationalratsdebatte»?
Nach neun Jahren Fernsehsatire, wo man sich naturgemäss mit der eidgenössischen Innenpolitik beschäftigt, und drei Recherche-Stücken hatte ich vor allem Lust, etwas Fiktionales zu machen und die politische Ebene zu wechseln. Ich spiele nicht die Gemeindeversammlung eines realen Orts, sondern lasse meine Komödie in einem erfundenen Dorf handeln. Ein wichtiger Teil unseres politischen Lebens ist die Lokalpolitik, wo die Ideologie nicht so eine grosse Rolle spielt. Dafür ist die Politik auf kommunaler Ebene viel näher bei den Leuten.

Ändern Sie das Stück je nach Auftrittsort Ihrer Tournee?
Die Handlung bleibt zwar gleich, zum Schluss gehe ich aber noch auf die Gegebenheiten vor Ort ein. Um mich zu informieren, spreche ich im Vorfeld mit den jeweiligen Gemeinde- oder Stadtpräsidenten – mit Leuten, die nahe an der Politik sind und die Regionalismen kennen. Das ist zwar aufwendig – die Briefings organisieren und den Schlussteil entsprechend anpassen –, aber auch sehr interessant. Was sagen Vorsteher von kleineren Gemeinden im Emmental, im Züribiet oder in der Ostschweiz – was Stadtpräsidenten? Regionalpolitisch kann man fast immer etwas machen.

Daneben treten Sie bald auch wieder mit Viktor Giacobbo auf.
Genau, das Stück heisst «Giacobbo/Müller in Therapie» und handelt nach dem selbst gewählten Ende unserer Fernsehsendung von unserer Wiedereingliederung ins Theater. Im Frühjahr geht es los, mit von der Partie sind Dani Ziegler und Dominique Müller.

Als Barista machten Sie bei «Giacobbo/Müller» einen guten Job. Haben Sie die Kaffeemaschine nach der letzten Sendung Ende 2016 bekommen?
(Lacht) Nein, die Kaffeemaschine werden wir mit ziemlicher Sicherheit im neuen Stück verwenden. Sie ist so sinnlos, dass sie sich eignet, sie weiterhin mit möglichen und unmöglichen Ideen zu belasten. Selbstverständlich habe ich meine eigene Kaffeemaschine, Viktor auch. Und übrigens – wenn wir uns bei ihm treffen, dann macht auch er einen hervorragenden Kaffee.

Und wie geht es einer Kultfigur der Sendung, Burri Hanspeter?
Tipptopp! Er ist im Moment einfach im Kühlschrank. Möglich, dass er ­wieder hervorgeholt wird – vielleicht schon fürs neue Bühnenstück, das haben wir aber noch nicht festgelegt. Bei «Heute Gemeindeversammlung» spiele ich keine einzige Figur, die ich schon im Fernsehen gezeigt habe, da ich alles neu entwickeln wollte. Zudem ist die Dramaturgie einer Komödie, die über eine Stunde dauert, eine ganz andere als bei einem TV-Sketch.

Im Fernsehen ist bereits die sechste «Bestatter»-Staffel angelaufen. Wie viel Mike Müller steckt in Luc Conrad?
Ich hoffe, dass ich eine bestimmte Distanz zu meinen Figuren wahren kann und Luc Conrad deshalb nicht auf mich abgefärbt hat. Aber es steckt schon viel von mir in dieser Figur.

Apropos «Figur», wann waren Sie zuletzt sportlich unterwegs?
Erst kürzlich war ich wieder Ski fahren – ein traumhafter Tag auf dem Hoch-Ybrig. Zu meinen Hobbys zählen ferner Lesen, wann und wo immer ich Zeit dafür habe, Wandern sowie alles im und auf dem Wasser. Und ich koche sehr gerne für Freunde.

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