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THEATER: Manege frei für «Das Glück des Stolperns»

Mit dem Programm der kommenden Spielzeit 2018/19 wird das Profil des Konstanzer Theaters weiter geschärft. Schwerpunkt sind neben der klassischen Moderne wieder neue, gewagtere Stoffe. Auch unter der Kuppel eines Zirkuszelts.

Er sei selbst schon oft gestolpert, erklärt der Konstanzer Intendant Christoph Nix neben durchaus als harsch zu bezeichnenden Bemerkungen im Vorwort zum Programm der kommenden Spielzeit. Sie steht unter dem Leitgedanken «Vom Glück des Stol- perns». Natürlich bot sich da die Frage an, ob das Motto als Reaktion auf die jüngsten Verwerfungen rund um die gescheiterte Verlängerung seines Vertrags in Konstanz zu verstehen sei. Immerhin schwelt seit einiger Zeit der Konflikt zwischen Intendant und Rathausspitze – was für Nix wohl immer auch etwas von Revolte und Freiheitskampf hat.

Für den Intendanten, der aus terminlichen Gründen beim Pressetermin dann nicht mehr anwesend war, antwortete seine Chefdramaturgin Laura Ellersdorfer: Nix sei es darum gegangen, zum Abschied einen theatralen Bogen zu seinen Anfängen zu schlagen. Dazu muss man wissen, dass Christoph Nix, zweifach promoviert und Jurist mit Professur, mit dem Beginn seiner Theaterarbeit auch eine Ausbildung als Clown absolvierte. So will das Theater Konstanz nun als Schlusspunkt einer Spielzeit, die dann doch abwechslungsreich und frisch zu werden verspricht, als Fortführung der Open-Air-Produktionen auf dem Münsterplatz auf dem Gebiet Klein-Venedig ein Zirkuszelt aufbauen und, wenn möglich, gleich noch einen Zirkus und Artisten mit einbinden. Neben weiteren Produktionen, unter anderem mit Olli Hauenstein, soll dann «Katharina Knie» gespielt werden, Carl Zuckmayers sozialkritisches Volksstück.

Das Leben der Jenischen in Gert Zahners «Die Reis’»

Geprägt ist der Spielplan von Stücken der klassischen Moderne bis hin zu aktuellen Stücken – was wohl mancherorts schon zu Kritik geführt hat, da die «Klassiker» ausbleiben. Dem Argument von Ingo Putz, Leiter des Jungen Theaters, mag man sich allerdings gerne anschliessen: Er ist der Auffassung, dass von neueren Stoffen Impulse ausgingen, die abseits des Lehrplans lägen und dadurch gerade auch für Lehrer und Schüler interessant seien.

Christoph Nix eröffnet die Spielzeit mit einer eigenen Regiearbeit, die das Thema Clown/Narr einführt, wenn auch in einer absurden Variante: «Warten auf Godot» von Samuel Beckett bildet am 28. September den Auftakt – für den Intendanten eine Herzenssache, wie er sagt. Mit Neil LaBute konnte noch einmal der bekannte US-Dramatiker für eine Regiearbeit in Konstanz gewonnen werden. Er inszeniert «Betrogen» von Harold Pinter.

Ein besonderes Thema wird auch in «Die Reis’» aufgegriffen. Hier setzt sich der Konstanzer Autor Gert Zahner mit dem Leben der Jenischen auseinander, einem fahrenden Volk, das keine ethnische, sondern eine soziale Gruppe ist. Gespielt wird in Singen (Scheffelhalle), das einmal regionales Zentrum der jenischen Kultur war. Nachdenkliches ebenfalls in «Der Reichsbürger» von Annalena und Konstantin Küspert, einem Monolog, der die Gedankenwelt derer erforschen will, die sich immer noch im Deutschen Reich wähnen. Mit «Erschiess die Apfelsine» nach dem Jugendroman von Mikael Niemi kommt im Jungen Theater die einzige Uraufführung der Spielzeit auf die Bühne.

Gleich zum Beginn des Jahres 2019 dann eines der meist­gespielten Stücke der klassischen Moderne: Wolfgang Borcherts «Draussen vor der Tür» in der Regie von Mareike Mikat. Mit «Der brave Soldat Schweijk» nach dem Schelmenroman von Jaroslav Hašek wird wiederum der Anschluss an «das Glück des Stolperns» gefunden.

Brigitte Elsner-Heller

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