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THEATER: Märchen über den Egoismus auf der Welt

«Ein Kranich im Schnee» von Wolfram Mehring kommt am Theater Konstanz als Weihnachtsmärchen auf die Bühne. Ein ungewöhnliches, trauriges und anrührendes Stück ab sechs Jahren.
Ostschweizerkultur@tagblatt.ch
Ein zauberhaft japanisches Bühnenbild präsentiert sich im Stück «Ein Kranich im Schnee». (Bild: Ilja Mess/Theater Konstanz)

Ein zauberhaft japanisches Bühnenbild präsentiert sich im Stück «Ein Kranich im Schnee». (Bild: Ilja Mess/Theater Konstanz)

An den Anfang dieser Besprechung eines Märchens für Kinder muss man das Alter eines Mannes stellen: Wolfram Mehring, Autor, Schauspieler und Regisseur, ist 87 Jahre alt. Sein 1990 nach einer japanischen Legende entstandenes Stück «Ein Kranich im Schnee» kommt unter seiner eigenen Regie als Weihnachtsmärchen auf die Bühne des Konstanzer Theaters. Es ist keine bunte, schnelle Welt mit selbstbewussten Kindern wie etwa Pippi Langstrumpf, die Mehring ausbreitet. Es ist eine Geschichte, in der es um Menschlichkeit und deren grundlegende Werte geht, auch wenn es ein Kranich ist, an dem diese festgemacht werden. Eine anrührende, aber auch pessimistisch stimmende Erzählung, die sich nicht auf Weihnachtsrummel einlässt, sondern genau das Gegenteil will. Und die genau da traurig wird, wo ein alter Mann, Wolfram Mehring, mit der Summe seiner grossen Lebenserfahrung der Auffassung ist, dass Egoismen die Welt beherrschen, auch wenn diese nicht selten auch aus dem Elend geboren sein mögen.

Böser Jäger, schöner Kranich

Die Stimmung, die die Bühne ausbreitet, ist zauberhaft (Ausstattung: Kyoko Shinkai): In einem Wald aus Bambusstauden steht die Holzhütte von Ojisan (Andreas Haase) und Obasan (Claudia Knupfer), einem alten Bauernpaar, deren Kinder längst in die Welt gezogen sind, während sie in Kälte und Armut immer noch im Gebirge leben. Im Hintergrund grüsst ein japanischer Vulkan aus blauem Licht, und während die Schneegöttin (Lydia Roscher) noch mit ihrem glasklaren Gesang aus fremden Klängen unterwegs ist, um dem Land eine weisse Decke zu geben, ist der böse Jäger Saburo (Ralf Beckord) unterwegs, um den wunderschönen Kranich mit Pfeil und Bogen zu erschiessen. Jana Alexia Rödiger, in der Rolle des Kranichs sozusagen eine schöne zarte Seele, sinkt getroffen zu Boden, wird allerdings schnell vom alten Bauern gerettet.

Kurz darauf taucht der Kranich als schönes Mädchen wieder auf, um dem Bauernpaar zu danken. Es wird warm in ihrer Hütte, das Mädchen Yuki sorgt für Essen und webt bald einen wunderschönen Kimono. Und das ist der Anfang vom Ende: Der Jäger, der die Alten bedrängt, ist nicht nur habgierig und skrupellos, sondern schafft es durch den zunehmenden Druck, den er ausübt, auch den alten Bauern Ojisan von der Macht des Geldes zu über­zeugen. Die schöne Yuki, der Kranich, wird die Menschen entkräftet wieder verlassen. Einsamkeit und Kälte bleiben zurück.

Wolfram Mehring baut in seinem einstündigen Kunstmärchen auf träumerische Bilder, lässt sich Zeit dazu, das «Fremde» auf die kleinen, grösseren und grossen Zuschauer wirken zu lassen. ­Wesentlich dabei ist die Ruhe, die die Schauspieler immer wieder in ihr Spiel bringen, dann aber auch die Stimmigkeit der Ausstattung sowie die asiatischen Klänge, die der Musiker Jörg Walesch live einfliessen lässt. Für die Kinder mag es vielleicht eine Erfahrung sein, die ungewöhnlich ist, da sie so unmittelbar kaum unserem Alltag entspricht.

Brigitte Elsner-Heller

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

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