THEATER: Katzenmusik bei Hoffmanns unterm Sofa

Vanille, Zimt und Kardamom: Diese weihnachtliche Duftmischung macht die Brüder Anton, Franz und Willi leichtsinnig. Seit Sonntag sind sie in «Anton, das Mäusemusical» von Gertrud und Thomas Pigor in Bregenz auf Plätzchenjagd. Gefährlich gut!

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Für ein Stück Appenzeller würde Tante Lizzy (Martina Dähne) glatt ihren Neffen Willi (Sebastian Hammer) opfern. (Bild: Anja Köhler)

Für ein Stück Appenzeller würde Tante Lizzy (Martina Dähne) glatt ihren Neffen Willi (Sebastian Hammer) opfern. (Bild: Anja Köhler)

Haben wir es nicht all die Jahre geahnt: dass es da noch jemanden geben muss – jemanden, der, kaum ist die Luft rein in der guten Stube, die Vanillekipferl und Makrönli, die Lebkuchen und Zimtsterne vom Teller stibitzt und sich genüsslich einverleibt? Könnte es sonst sein, dass sie so schnell verputzt sind? Rechtzeitig vor dem ersten Advent lüftet Regisseurin Milena Paulovics am Vorarlberger Landestheater das Geheimnis um den rätselhaften Guezli-schwund. Mit einem Stück, das seit 2004 bereits an vielen Bühnen zu sehen war, als nicht gar so zuckersüsses, dafür gepfeffert witziges Weihnachtsmärchen: «Anton, das Mäusemusical». Geschrieben haben es Gertrud und Thomas Pigor, sichere Werte im Bereich Musikkabarett und Entertainment mit Biss, damals im Auftrag des Theaters Konstanz. Doch Anton, Franz und Willi sind längst überall. Und überall sind sie so permanent vom Aussterben bedroht wie bei den Hoffmanns unterm Sofa, wo die Mäusebrüder ihr gemütliches Zuhause haben und verlässlich kurz vor Weihnachten von ihrer verfressenen Tante heimgesucht werden.

Überlebenstraining mit Wattestäbchen

Hier spielen und trainieren sie mit allem, was sich so ansammelt im Schummerlicht zwischen Parkett und Sofabeinen: gebrauchten Nastüchern, Mikadostäbchen, Büroklammern und halb gelutschen Lollipops. Ein herrlicher Tummelplatz für die Fantasie der Bühnenbildnerin! Nicola Reichert hat sich ausgetobt und das geheime Mäusereich mit allerlei Fundsachen in XXL möbliert, einschliesslich Wattestäbchen zum Gewichtheben. Beim täglichen Training lernen wir die Gebrüder dann auch kennen: den sportlichen, todesmutigen Kletterer Franz (Curdin Caviezel), den naschhaften, gut genährten Willi (Sebastian Hammer) und den kleinen Anton (Lukas Benjamin Engel), seines Zeichens Wundermaus. Am liebsten würde er den ganzen Tag auf der Geige fiedeln. So stark sind aber nicht einmal die Nerven seiner Brüder. Geschweige denn die von Tante Lizzy (Martina Dähne). Also wird das Instrument der Spinne (Marisa Wojtkowiak) in Verwahrung gegeben.

Sie ist die einzige Verbindung zwischen Hoffmannwelt und Mäusereich, ist Kundschafterin, Beraterin, kunstfertige Erzählerin. Und überaus elegant gewandet (Kostüme: Nicola Reichert). Anders als ihre Nachbarn im ausgebeulten Traineranzug! Gleichwohl erobern die Burschen mit den niedlichen Filzohren und den choreografietauglichen Schwänzchen das Publikum im Sturm. Das garantieren allein schon die flotten Songs des Musicals, wortwitzig, stilistisch verspielt und absolut kitschfrei. Ebenso die pointensicheren Dialoge, die gut getroffenen Charaktere.

Anton wird lernen, dass es im Leben um Naschen oder Vernaschtwerden geht. Dass ein Schritt zu weit nach vorn im Rohr des Staubsaugers enden kann. Und dass Kunst oft die letzte Rettung ist. Kunst für die Katz? O ja. Darauf ein metergrosses Kipferl!

Bettina Kugler

bettina.kugler@tagblatt.ch

Aufführungen: So, 3./10./17.12., 23./26.12., 6./7.1., je 15 Uhr, Vorarlberger Landestheater, Bregenz