Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

THEATER: «Hilf mir, das Geld auszugeben»

Ein turbulentes Wochenende schweisst zwei verlorene Grossstadtseelen zusammen. In Schaan wird die Eigenproduktion «Eine Sommernacht» als vergnügliches Pop-Musical serviert: Mit Ironie, Slapstick – und Konfetti.
Hansruedi Kugler
Bob und Helena geraten auf ihrer nächtlichen Tour in einen Sadomaso-Club und bleiben stundenlang gefesselt. (Bild: Ilja Mess)

Bob und Helena geraten auf ihrer nächtlichen Tour in einen Sadomaso-Club und bleiben stundenlang gefesselt. (Bild: Ilja Mess)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: <strong style="margin: 0px; padding: 0px; font-size: 18px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent; color: rgb(0, 120, 190);"><em style="margin: 0px; padding: 0px; font-size: 18px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;">www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Von der Absturzstimmung am Freitagabend: «Bob, willst Du Dich mit mir betrinken?» bis zur Abwehr vor allzu viel Romantik am Montagfrüh: «Du und ich, wir leben nicht glücklich bis ans Ende unserer Tage, und dieses Schiff segelt nicht in den Sonnenuntergang. Ist das klar?», erzählen uns Helena und Bob mit Augenzwinkern ihr filmreifes Wochenende. Helena, Scheidungsanwältin mit herandämmernder Midlife-Crisis, ist von ihrem verheirateten Lover versetzt worden und befürchtet, schwanger zu sein. Sie schnappt sich in einer Bar den verlotterten, mundfaulen Kleinganoven Bob – für eine Nacht des Vergessens. Da wird aus einem besoffenen One-Night-Stand und einigen haarsträubenden Abenteuern im schottischen Dauerregen eine Schicksalsverbindung.

Das Muster kennt man aus Hollywood-Komödien. «Eine Sommernacht» von David Greig und die Regie von Patricia Benecke spielen aber die Bühne voll aus. Die Etappen von Absturzstimmung zu Romantik mit Handbremse werden hier mit viel Selbstironie, mit Slapstick, mal singend, mal erzählend, mal spielend als Variété, Musikshow, Krimi, Lovestory, Kabarett mit Rededuetten und Mitmachtheater serviert. Ein vergnüglicher Stilmix: Ruppig und schnulzig, romantisch und cool. Sozusagen «Grease» für abgebrühte Mitdreissiger. Das verstand man bereits mit dem schnulzig-schönen Einleitungssong «Love will break your heart». Ein grosser, sicher kein bierernster Theater-Spass, bei dem sich Coolness und Verletzlichkeit die Waage halten.

One-Night-Stand als komische Turnübung

Die Bühne markiert bereits das Spiel im Spiel: Die Requisiten hängen fein säuberlich aufgereiht an der Rückwand: Zwei Gitarren, eine Violine, Kleider, Telefonhörer, Damenschuhe, Bettdecke und Kopfkissen – sie werden für die einzelnen Szenen von der Wand genommen und danach wieder aufgehängt. Monika Wiedemer als Helena und Peter Posniak als Bob werfen sich mit schelmischer Spiel- und Verwandlungslust in die Turbulenzen des Abends. Der One-Night-Stand wird zur komödiantischen Turnübung; den Regen giessen die beiden aus Giesskannen gleich selbst auf die Bühne – auf dass sie dann später in den Pfützen landen; Verfolgungsjagd und Prügelszene sind purer Zeitlupen-Slapstick. Als Erzähler ihrer eigenen Geschichte springen Helena und Bob zwischen Zeiten hin und her und bespötteln sich gegenseitig. Das passt zur Desillusionierung der Figuren, die mit philosophischen Kurzerörterungen über die Spielkarten des Schicksals und über die den Geist befreiende Wirkung japanischer Fesselspiele gewürzt wird.

«Was würden Sie an meiner Stelle tun?»

Auch das Publikum ist auf Ironie getrimmt. Es bekommt schon mal ein Couvert mit Konfetti auf den Weg. Es wird bei einer verpatzten Hochzeit auf die Bühne geworfen: «Wenn dies eine Hollywood-Szene wäre, würden wir das Gesicht der Braut zusammenfallen sehen», kommentiert Monika Wiedemer – die Helena mimend als Brautjungfer zu spät kam und besoffen vor die Kirche gekotzt hatte – ins Publikum. Nach dem verknorzten One-Night-Stand treffen sich Helena und Bob zufällig wieder und hauen mit 15 000 Pfund Ganovengeld auf den Putz. Und sahen dabei «so glücklich aus». Da fragt Peter Posniak ins Publikum: «Was würden Sie an meiner Stelle tun?»

Nach Tim Kramers äusserst konzentriertem «Michael Kohlhaas» setzt Intendant Thomas Spieckermann mit dieser zweiten Eigenproduktion der laufenden Saison auf schrille Ausgelassenheit. Sehr vergnüglich.

Weitere Aufführungen: Sa, 3.3., Sa, 24.3., TAK Schaan

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.