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THEATER: Herrlich groteskes Jahrmarktspektakel

Die St. Galler Theatergruppe Buffpapier verwandelt die Kreuzbleiche in einen genial-kuriosen Schaubudenzauber. Verstärkt mit einem Variété-Gruselkabinett und einer heissblütigen Band, entsteht ein filmreifes Vergnügen: makaber, rührend, satirisch und nostalgisch.
Die Compagnie Buffpapier bei ihrer grotesken Eier-Jonglage: Franziska Hoby, Manuel Gmür, Stéphane Fratini. (Bild: Hansruedi Kugler)

Die Compagnie Buffpapier bei ihrer grotesken Eier-Jonglage: Franziska Hoby, Manuel Gmür, Stéphane Fratini. (Bild: Hansruedi Kugler)

Absurd, grotesk, verrückt oder freaky – für die St. Galler Compagnie Buffpapier darf man in die rhetorische Übertreibungsschublade greifen. Genial sind die drei zweifellos. Aber man sass auch schon im Publikum und fand nur mühsam Zugang zum höheren Nonsens ihrer schrillen und knallbunten Fantasiewelt, etwa in «Aqua Freak Show». In ihrem neuen Programm «Schaubuden Carnival» haben sie nun ein ideales Thema gefunden, das die Groteske in eine äusserst charmante Satire verwandelt: die verrückte Welt des frühen Jahrmarkt-Variété mit seinen plumpen Kunststücken, makabren Kuriositätenkabinetten und faulen Zaubertricks. Die Premiere des Spektakels letzte Woche in Zürich machte klar: Als Zuschauer wird man zum staunenden Besucher, der zum Mittanzen aufgefordert und von der Bühne herunter neckisch provoziert wird.

Tragikomischer Gruselspass mit Spinnenfrau

Also: Willkommen, bienvenue, welcome – die Welt des Buffpapier-Variétés ist drei-, ja viersprachig. Aus Barcelona kommt die energiegeladene Akustikband Los Boozan Dukes, die zwischen der überdeckten Variété-Bühne und dem Kuriositätenzelt aufspielt und von Show zu Show führt. Von der Buffpapier-Bühne herab verdreht eine schrille Oma ungeduldig und genervt die Augen: «Qu'est-ce que tu bois? Warum seid ihr hier? Pour rigoler, ja. Versteht ihr französisch? Macht nichts, hier gibt es nichts zu ­verstehen!» – ein Riesenspass! Wer an überdrehtem Humor à la ­Monty Python Vergnügen findet, kommt hier voll auf seine Rechnung. Da verheddern sich die drei in fünf Theatervorhängen, jonglieren mit Rieseneiern, die Ansagerin ist maximal rührend-unbeholfen, die Oma mit dem grotesken Gebiss muss als Löwe einen Cervelat schnappen, der schlappe Elefantenmensch singt wie Tom Waits – eine turbulente Satire auf ein Stück Unterhaltungsindustrie. Im benachbarten Kuriositätenkabinett wird es noch verrückter: Mit dem tragikomischen Schauerstück der Truppe «Têtes de mules» um eine herrische Spinnenfrau und ihren aufmüpfigen Sohn, der aussieht wie Frankensteins Monster. Auch das ist filmreif. Die Warnung des Ansagers: «They are dangerous!», nimmt man belustigt zur Kenntnis und gruselt sich trotzdem mit grossen Augen vergnügt eine Stunde lang.

Hansruedi Kugler

21.–24.9. und 26.–30.9., Kreuzbleiche St. Gallen, ab 18 Uhr Essen, ab 19 Uhr Konzert und Theater

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