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THEATER: Die Antike ganz modern

Verteilt auf den ganzen November finden im Theater Chur Vorstellungen von internationalen Truppen statt zum Thema «Welt in Chur».
Brigitte Schmid-Gugler
Szene aus «Prometheus in Athen», eine Performance mit 103 Stadtbewohnerinnen und -bewohnern von «Rimini-Protokoll». (Bild: PD)

Szene aus «Prometheus in Athen», eine Performance mit 103 Stadtbewohnerinnen und -bewohnern von «Rimini-Protokoll». (Bild: PD)

Brigitte Schmid-Gugler

Das ist der Vorteil eines Theaters ohne festes Ensemble: Die geschäftsführende Direktorin Ute Haferburg schafft es immer wieder, spannende experimentelle Reihen zu programmieren und international tätige Truppen, Regisseure und Choreografinnen nach Chur zu holen. «Welt in Chur» startete vergangenen Freitag mit einem Projekt des längst über die Schweiz hinaus bekannten Autoren- und Regiekollektivs Rimini-Protokoll um Stefan Kaegi, Helgard Haug und Daniel Wetzel. In ihrem schon mehrmals erprobten Arbeitsstil mit Laiendarstellern – zuletzt in Zürich etwa mit 100 Menschen aus der Stadt – inszenierten sie im Jahr 2010 mit 103 Athenerinnen und Athenern «Prometheus in Athen». Die Performance wurde im 4000 Menschen umfassenden Amphitheater Herodion zur Aufführung gebracht.

Nahe bei den Menschen und ihrem Kummer

Ein Riesenspektakel, wie man im Film, welchen die Autorenfilmerin Athina Tsagari von der Aufführung gemacht hat, miterleben darf. Menschen jeden Alters und aus unterschiedlichsten sozialen und Bildungsschichten, die gemäss Rimini-Protokoll den Durchschnitt der Bevölkerung Athens (3,7 Millionen Einwohner) ausmachen, verhandeln den antiken Stoff um den Feuer- und Wissensbringer Prometheus. Für die im Herodion perfekt durchchoreografierte, sehr dichte Performance hatte sich im Vorfeld jede Person mit einer Figur aus dem Mythos von Aischylos identifizieren müssen. Kurz stellen sich alle Beteiligten persönlich vor, um dann in weiteren Statements, einzeln oder als Chor, den Mythos in ihren gelebten Alltag zu übertragen. Klar, dass die grosse Wirtschaftskrise, welche ein Jahr zuvor über Griechenland hereinbrach, die Aussagen dominierte. Das war, als Rimini-Protokoll ihr Projekt aufgleisten, nicht das Ziel gewesen. Doch es stellte sich heraus, dass gerade dieser sehr volksnahe theatrale Zugang zum berührenden und aussagekräftigen Spiegel der städtischen Bewohnerinnen und Bewohner wurde. Es sind real existierende Menschen, die über sich sprechen, sich einbringen, sich befragen, die Ängste und Verunsicherung äussern. Es sind real existierende Menschen, die von ihrer Regierung hinters Licht geführt wurden. Es sind real existierende Menschen, die dennoch an ihre Zukunft in Athen glauben, die stolz sind, Athener zu sein.

Die Kulturszene wird hart getroffen

In Chur treten zum Film, der im Hintergrund läuft, einige der damals beteiligten Menschen aus der Szene im Herodion heraus auf die Bühne. Spielerisch und mit viel Humor kommentieren sie die damaligen Aussagen und ergänzen sie durch einen aktuellen Kontext. Viele der damals Beteiligten – vom Arzt bis zur Putzfrau – haben in der Zwischenzeit ihre Arbeitsstelle verloren.

Die Krise, so bestätigten es auch die an einem Podiumsgespräch Beteiligten vor dem Auftakt in Chur, ist noch keineswegs überwunden. Der Theatermacher Prodromos Tsinikoris etwa sprach über die freien Kulturschaffenden, deren Situation noch prekärer geworden sei. In Athen wurde im Zusammenhang mit den Sparmassnahmen unter anderem das Buchzentrum abgeschafft. Bei den publizierten Titeln kam es zu einem Einbruch von bis zu 60 Prozent. Dies nicht nur im belletristischen Sektor, sondern auch bei den Schulbüchern. Was dies für eine heranwachsende Bevölkerung heisst, lässt sich unschwer erahnen.

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