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THEATER: Der tollste Sommer von allen

Wolfgang Herrndorfs «Tschick» in der Bühnenfassung von Robert Koall, derzeit meistgespieltes Stück auf deutschsprachigen Bühnen, ist nun auch am Theater Winterthur zu sehen.
Nikolaij Janocha, Michael von Burg. (Bild: Judith Schlosser)

Nikolaij Janocha, Michael von Burg. (Bild: Judith Schlosser)

Eigentlich tun sie einem leid: die Abertausend Schüler, die in den letzten Jahren eines der coolsten, lebensprallsten Bücher des noch nicht so weit fortgeschrittenen 21. Jahrhunderts im Unterricht lesen mussten. Mit Hausaufgaben und Aufsatzthemen wie «Charakterisiere A und B» oder «fasse Kapitel XY zusammen». Das hatte Wolfgang Herrndorf sicher nicht im Sinn, als er 2010 seinen ersten Roman «Tschick» veröffentlichte. «Tschick» wurde ein Überraschungsbestseller mit mehr als einer Million verkaufter Exemplare.

Die Kinoadaptation von Fatih Akin hat den Verkauf im vergangenen Jahr noch einmal angekurbelt. Und dann gibt es für Nicht-so-gern-Leser ja auch noch das Theater. Derzeit wird «Tschick» an deutschsprachigen Bühnen rauf- und runtergespielt. Unnötig, in die Ferne zu schweifen!

Nehmen wir das Vorarlberger Landestheater in Bregenz: Da sitzen Luzian Hirzel und David Kopp seit mehr als einem Jahr ­regelmässig auf dem braunen Cordsofa der wohnzimmergrossen Kleinen Bühne (manchmal machen sie auch Kopfstand; die Carrerabahn auf dem Couchtisch jedenfalls haben sie unterdessen souverän im Griff) und gehen auf Spritztour in die Pampa, Richtung Walachei. Die Pobacken müssen schon plattgesessen sein; doch immer noch strömen die Schulklassen ins Theater.

Herrndorf ist tot, es lebe sein Roman: Er ist bereits ein Klassiker und Schullektüre. Da kommt die Theaterfassung von Robert Koall, mit dem Autor befreundeter Dramaturg, gerade recht. Nun also auch in Winterthur, in einer Koproduktion mit dem Theater Kanton Zürich: Fünf Schauspieler stellt Regisseurin Johanna ­Böck­li auf die von Beni Küng mit Bildschirmen vollgepflanzte grosse Bühne. Silke Geertz und Andreas Storm spielen gleich eine Handvoll Rollen – stets präzis auf den Punkt gebracht.

Ein Auto gibt’s nur im kleinen Videoteaser

«Tschick» ist ein Road Movie, ein Auto aber gibt’s nur im kleinen Videoteaser auf der Webseite. Dafür ist die Zahl der Vorstellungen recht übersichtlich. Vielleicht auch, weil «Tschick» irgendwie nicht in die Schweiz passt. Wohin man auch blickt, steht der freien Fahrt der beiden Aussenseiter Maik (Nikolaij Janocha) und Tschick (Michael von Burg) ein Berg im Weg. Es mag Wohlstandsverwahrloste wie Maik geben und Einwanderer mit Hang zum Suff, aber das Gefühl für einen weiten, offenen Horizont stellt sich wohl hierzulande schwerer ein. Was die zwei Halbwüchsigen suchen, ist nichts Geringeres als das wahre Leben; zu Hause und in der Schule jedenfalls finden sie es nicht.

Irgendwo da draussen, wo die «Beklopptendichte» vermeintlich besonders hoch ist, machen sie eine erstaunliche Erfahrung: Die Menschen, vor denen sie doch immer auf der Hut sein sollen, sind viel besser als ihr Ruf. Das jedenfalls kommt in Winterthur so überzeugend über die Rampe wie in Bregenz. Eine Erkenntnis, die sich abseits der Bühne und ausserhalb des Klassenzimmers zu überprüfen lohnt.

Bettina Kugler

bettina.kugler@tagblatt.ch

Di, Mi, Do je 19.30 Uhr; Mi, Do je 10 Uhr Weitere Vorstellungen: theater.winterthur.ch

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