Theater an der Grenze Kreuzlingen: Sie haben zwei Jahre auf Stefan Waghubinger gewartet

Kleinkunst aller Spielarten bietet das Kreuzlinger Theater an der Grenze in seiner nächsten Spielzeit. Die beiden Programmleiter haben dafür 50 Produktionen gesichtet, und die besten neun für Kreuzlingen gebucht. Darunter auch einen, auf den sie lange warten mussten.

Dieter Langhart
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Der österreischische Kabarettist Stefan Waghubinger sucht in Kreuzlingen nach dem Sinn seines Lebens. (Bild: Josua Waghubinger)

Der österreischische Kabarettist Stefan Waghubinger sucht in Kreuzlingen nach dem Sinn seines Lebens. (Bild: Josua Waghubinger)

Seit 2015 stellen Simon Hungerbühler und Birgit Auwärter das Programm für die kleine Kreuzlinger Bühne zusammen. Inzwischen wissen sie recht gut, was ihr Publikum mag – und was sie selbst mögen: «Wir schauen uns gegen fünfzig Produktionen pro Jahr näher an», sagt Hungerbühler. «Dreissig könnten wir zu uns einladen, aber nur fünf mögen wir sofort – auf der professionellen wie der persönlichen Ebene.»

Den Programmleitern fällt es schwer, aus den neun gebuchten Produktionen einen Höhepunkt zu nennen. Vielleicht die «Nacht der Kleinkünste» am 26. September? Eine Moderatorin präsentiert in zwei Stunden fünf höchst unterschiedliche Künstler. Die Produktionstruppe hatte bis 2007 in Winterthur zweimal im Jahr junge Talente und gestandene Profis auf die Bühne gebracht. Nach langer Pause hat sie sich zu einer 25. Ausgabe entschlossen – und schickt den Abend auf Tournee.

Birgit Auwärter ist begeistert: «Man kann sich auf einen Querschnitt freuen, auf neue Ideen und ein Wiedersehen mit Anet Corti, Reto Zeller und 9 Volt Nelly, die alle schon mit ihren Soloprogrammen bei uns waren. Es gibt also Bewährtes und Neues zu ent­decken.»

Begehrte Kabarettisten von beidseits des Rheins

Der Thuner Kabarettist Christoph Simon eröffnet die Saison am 7. September mit «Der Richtige für fast alles», einer auf Mundart erzählten romantischen Komödie mit satirischen Seitenhieben. Auf Stefan Waghubinger (2.11.) hätten sie zwei Jahre gewartet, sagt Hungerbühler. In «Jetzt hätten die guten Tage kommen können» sucht der Österreicher nach dem Sinn seines Lebens: zynisch, traurig, komisch.

Thematisch verwandt ist das philosophische Chansonkabarett «Claire alleene» von Judith Bach (29.11.). Bach, die eine Hälfte des Duos Luna-Tic, ist Berlinerin, aber in Konstanz daheim. Simon Hungerbühler hofft: «Sie könnte einige Nachbarn über die Grenze ziehen.»

Hans Gysi aus Märstetten lässt sein Einmannkammerspiel «Milch­ruusch» aufleben (20.9.). Schwester Cordula alias Saskia Kästner, in den vergangenen Jahren mit ihren Persiflagen zu Arzt- und Mutti-Romanen zu Gast, serviert eine neue Quintessenz aus Groschenromanen (15.11.). «Saskia Kästner sucht sich aus den Heften jene markanten Sätze aus, die immer wieder vorkommen, und macht daraus dann ein eigenes Stück – das finde ich genial», sagt Birgit Auwärter.

Wanderkino: Projektor surrt zu Livemusik

Hungerbühler empfiehlt den Besuch beim Wanderkino aus Winterthur, das Kurzfilme von Charles Chaplin zeigt: «Vielleicht eine der letzten Gelegenheiten, diese Art Kino zu erleben. Es lässt den Projektor surren und bietet Livemusik dazu.»

Das Theater an der Grenze hält an Vorstellungen für Kindergartenkinder fest. Der Mittwochnachmittag sei der ideale Termin für Kindertheater, weil er schulfrei sei, sagt Birgit Auwärter.

«Aber so kommen nur wenige Klassen zu uns, weil er für die Lehrer ausserhalb ihrer Arbeitszeit liegt.»
Kindertheater mit «Gustavs Schwestern». (Bild: Martin Volken)

Kindertheater mit «Gustavs Schwestern». (Bild: Martin Volken)

Finanziell komme man Klassen entgegen. «Wir wollen die Kinder ans Theater heranführen», sagt Fritz Brechbühl, Präsident des Trägervereins. «Sie sind die ­Zuschauer von morgen.» (dl)

Informationen unter theaterandergrenze.ch