Serie
«The Undoing» legt den besseren Start hin als «Game of Thrones». Lassen es Kidman und Grant knallen?

Die langersehnte Miniserie «The Undoing» spielt in der New Yorker High Society. Es hätte ein richtig guter Psychothriller werden können. Und eine Studie der grossen Klassenunterschiede im Big Apple.

Regina Grüter
Drucken
Teilen
Nicht mehr länger auf der Sonnenseite des Lebens: Die Frasers (Nicole Kidman und Hugh Grant) stehen unter Beobachtung.

Nicht mehr länger auf der Sonnenseite des Lebens: Die Frasers (Nicole Kidman und Hugh Grant) stehen unter Beobachtung.

Niko Tavernise/HBO

Die Vorschusslorbeeren für «The Undoing» waren gross. Nicole Kidman und Hugh Grant gemeinsam in einer Serie, ihr erstes Zusammenspiel überhaupt. In Auftrag gegeben vom amerikanischen Fernsehsender HBO, der mit Titeln von «The Sopranos» über «The Wire» bis hin zu «Game of Thrones» zu den Besten im Seriengeschäft gehört. Mit David E. Kelley zeichnet zudem ein ebenso vielversprechender Name als Schöpfer und Autor verantwortlich: Er ist ausführender Produzent und Autor von «Big Little Lies». Doch hält die langersehnte Miniserie, was sie verspricht?

Man konnte ja nun schon einiges lesen, seit «The Undoing» Ende Oktober auf HBO ausgestrahlt wurde. Einige amerikanische Kritiken fallen desaströs aus. Hierzulande sind sie hart bis milde. Wir finden, es liegt irgendwo in der Mitte. Zu viel über den Inhalt soll hier nicht verraten werden: Spoiler verderben den Sehgenuss gleich von Anfang an. Die Devise ist, so wenig, wie möglich, so viel, wie nötig. Denn, in den ersten beiden Episoden baut «The Undoing» wirklich richtig Spannung auf.

Geld ist ­ Macht

Die Frasers werden als gut situierte New Yorker Familie eingeführt: Jonathan Fraser (Hugh Grant) ist Kinderonkologe, Grace Fraser (Nicole Kidman) klinische Psychologin, der wohlerzogene Sohn Henry geht auf die Reardon-Privatschule.

Alles, was da erst einmal in diese Familienidylle einbricht, ist eine junge Frau aus einer weniger vornehmen Gegend.

Elena Alves’ Sohn Miguel geht ebenfalls auf die Reardon – er hat ein Stipendium bekommen, notabene. Ihre Aufnahme ins Mütter-Komitee zur Vorbereitung einer Wohltätigkeitsauktion dient einzig der Inklusion – ihre Anwesenheit löst Befremden aus. Grace ist fasziniert und unangenehm berührt zugleich. Am Morgen nach der Veranstaltung wird Elena tot aufgefunden. Wer ist’s gewesen?

Was als aussichtsvolles psychologisches Thriller-Drama beginnt, mündet in einen Whodunit-Sechsteiler. Es ist nicht so, dass man sich langweilen würde. Aber diese Zuspitzung verschenkt Potenzial und führt zu Ungereimtheiten; die Spannung erzeugenden Wendungen fallen zu oft in sich selbst zusammen. Graces innere Bilder, die immer wieder visualisiert werden, sind da keine grosse Hilfe, sondern eher plump. So wahnsinnig psychologisch ist «The Undoing» also nicht.

Bei ihren Klienten hat Grace den Röntgenblick. Hat sie in Bezug auf die Männer in ihrem Leben Scheuklappen auf?

Die Entwicklung ab der zweiten Episode und die Fokussierung auf Grace lässt nur noch eines zu: Dass der Hintergrund anderer Figuren und soziale Themen blass bleiben.

Und Kidman und Grant? Sie geben ein schönes und glaubwürdiges Paar ab. Aber, man muss es wieder einmal sagen: Zweifelsohne eine gute Schauspielerin, hat sich die 53-jährige Kidman mit dem vielen Botox keinen Gefallen getan. Die Mimik, hier essenziell, leidet unter diesem straffen Gesicht. Wenigstens sieht man Hugh Grant, 60, sein Alter an. Auch kann er noch eine andere Seite zeigen als die des witzigen und charmanten Engländers. Die Kinderrollen sind hervorragend besetzt, und der coole Donald Sutherland als Graces Vater besticht in einer Szene besonders: Gegenüber dem Schulvorsteher, der seinen Enkel vom Unterricht dispensieren will, bezeichnet er sich selbst als Schwanzlutscher – nicht im heute gebräuchlichen Wortsinn, wohlgemerkt. Der «cocksucker»-Monolog bringt ein Thema auf den Punkt: Leg dich nicht mit einem an, der Geld hat. Sonst wird’s garstig.

Was über fünf Episoden auf das Finale hinarbeitet, muss mit einem Knall enden. Für «The Undoing» ist bezeichnend, dass die letzte Folge die schlechteste ist. Was vielversprechend beginnt, bleibt schlussendlich ebenso leer wie die Hochglanzbilder von New York City.

«The Undoing»: seit 30. November auf Sky Show.