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Blue Balls: Texaner in neuen Blues-Gefilden

Ein deftiger Blues-Abend im Luzerner Saal mit Gary Clark jr. und eine Entdeckung unter dem KKL-Dach mit einem jungen Sänger aus Appenzell zeigen: Das Blue Balls rockt.
Pirmin Bossart
In der Ruhe liegt die Kraft: Gary Clark bei seinem Blue-Balls-Auftritt im KKL. (Bild: Philipp Schmidli, 22. Juli 2018)

In der Ruhe liegt die Kraft: Gary Clark bei seinem Blue-Balls-Auftritt im KKL. (Bild: Philipp Schmidli, 22. Juli 2018)

Gary Clark jr. ist grossgewachsen, spricht kaum ein Wort und trägt einen schwarzen Hut. Ruhig steht er da, während er fast ohne Regung und mit uneitlem Gitarren-Handwerk den Blues hochkocht. Die nackte Bühne mit einer Band und ein paar Lichtspielen sind Show genug. Die Musik spricht für sich, auch wenn sie unzeitgemäss scheint.

Der 34-jährige Texaner wird als Erneuerer des Blues gefeiert. Er versetzt das alte Biest mit Rock, Soul, einer Prise modernem R&B und allen möglichen Black Roots-Nuancen. Das hat er am Sonntagabend im Luzerner Saal vorgeführt. Als er nach 45 Minuten erstmals etwas sagt – «you’re good» – hat er das Publikum schon längst im Sack.

Ein Erweiterer von Blues und Soul

Die gute Stimmung wurde von der ersten Band des Abends vorbereitet: Black Box Revelation, ein Duo aus Belgien. Gitarrist/Sänger Jan Paternoster und Schlagzeuger Dries Van Dijck erzeugten einen wuchtigen und oft gnadenlos verzerrten Sound, der an die besten Zeiten des 1970er Rocks erinnerte. Die Musik war nicht zu nett und nicht zu kaputt. Zudem hatte sie die richtige Portion Biss. Blues-Fundamente, wie bei Gary Clark jr., waren kaum auszumachen. Das Duo hatte Blues und Roots bereits in Heavy Rock gegossen. Ihre Musik lag näher bei The Stooges, Led Zeppelin oder Black Rebel Motorcycle Club als bei Freddie King, Magic Slim oder Stevie Ray Vaughan, wie man das von Gary Clark jr. behaupten könnte.

Dieser Gary Clark jr. steigt eine Stunde später in sein Konzert ein. Mit einem dunklen, sanften Blues, der in monotoner Dringlichkeit unweigerlich Groove entwickelt. Der Gitarrist und Sänger wird von Bass, Schlagzeug und einer weiteren Gitarre begleitet. Alle sind ausgezeichnete Instrumentalisten. Bald beginnt der Blues zu rollen, der Rock zu soulen und kippt die Stimme von Clark jr. auch mal ins Falsett. Das eindimensionale Muster der «Sweet Home Chicago»-Seligkeit ist weit weg. Aufwühlend ist der Puls, die Songs sind oft in Moll, die Gitarrenlicks klingen schwül und schneidend, die Solis kommen mit überraschenden Wendungen und sind von einer Intensität erfüllt, die sich zwingend herausschält.

Zweifellos kennt Gary Clark jr. die zeitgenössischen Black Music Entwicklungen, ohne dass er auf diesen oder jenen Hipster-Zug aufspringen muss. Seine Stärke ist, wie er die Grund-Matrix von Blues und Soul musikalisch und atmosphärisch erweitert. Vor drei Jahren schon am Blue Balls im gleichen Saal wirkte er unfokussierter. Dieses Mal überzeugt er mit einem stimmigen Gesamtpaket. Seine Songs werden in souveränen Jams erweitert, aber verlieren sich nicht in Gefälligkeiten oder Gedudel. Dabei entwickelt seine Musik einen Blues-Geschmack, der zumindest an diesem Abend dem ehrwürdigen Lucerne Blues Festival mächtig Konkurrenz macht.

Ein Meister des Spannungsaufbaus

Das Konzert legt offen, dass der oft gemachte Hendrix-Vergleich wenig treffend ist. Allein schon deswegen, weil Clark jr. – ein grosser Gitarrist – den Sound und die Elektrizität nie so spektakulär ausreizt. Der Texaner ist konventioneller, ohne gewöhnlich zu sein. Seine Art Intensität zu erzeugen, ist eindrücklich. Er ist ein Meister des Spannungsaufbaus. Statt die Solis dort abzuspulen, wo sie zu sein pflegen, gestaltet er mit ihnen die Songs und lässt sich von diesen zu neuen Höhenflügen inspirieren. Er versteht es, sich über längere Phasen hochzuschrauben und die Energie im Publikum an einen Siedepunkt zu bringen. Gleichzeitig brennt er seine Licks und Kapriolen melodiös in die Abgründe des Blues.

Nach eineinhalb Stunden ist Schluss. Das Publikum will mehr. es gibt eine Zugabe. «Come Together», kurz und bündig. «Right now, over me», singt das Publikum mit. Dann erscheint Festivaldirektor Urs Leierer: «Er muss um 2 Uhr schon weiterreisen, aber er wird wiederkommen.»

Auch draussen unter dem KKL-Dach wurden die Leute nicht enttäuscht. Da stand ein junges Trio mit einem bemerkenswerten Frontmann auf der Open-Air-Bühne. Es erging uns nicht anders: Diese Stimme und die Ausstrahlung des Sängers zogen uns so seltsam in Bann, dass wir stehenbleiben und zuhören mussten. Marius Bear, 26, ein gebürtiger Appenzeller. Ein neuer Swiss Soulman. Man darf sich den Namen merken.

Infos: www.blueballs.ch

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