Fall Gurlitt
Testierfähigkeit bestätigt: Ist Bern im Streit um das Gurlitt-Erbe im Vorteil?

Cornelius Gurlitt sei testierfähig gewesen, als er das Kunstmuseum Bern als Erbe eingesetzt habe. Das soll im Gutachten stehen. Wenn das Gericht diesem folgt,wäre das Kunstmuseum Bern schon bald offizieller Gurlitt-Erbe.

Sabine Altorfer
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Das Kunstmuseum könnte schon bald offizieller Gurlitt-Erbe sein (Archiv).

Das Kunstmuseum könnte schon bald offizieller Gurlitt-Erbe sein (Archiv).

«Gurlitt Testament ist gültig» titelte gestern «Spiegel Online». Und beruft sich auf eine kurze Geschichte im «Tagesspiegel» mit dem Titel «Bald dürfte die Geschichte Gurlitts vorüber sein.»

Will heissen: Nun kommt das Happy End, das Kunstmuseum Bern ist zur Recht Erbe der rund 1500 Kunstwerke und des ganzen Besitzes von Cornelius Gurlitt, die Klage gegen das Testament ist abgewiesen.

Doch halt: Die deutschen Online-Medien sind da etwas gar forsch. Noch kann das Kunstmuseum Bern keinen Kunsttransport ordern – und muss auch sein Untersuchungs-Gremium für Raubkunst noch nicht aufbieten. Wieder einmal ist im Fall Gurlitt die bernische Losung «nomme nid gschprängt» viel träfer.

Noch kein Urteil

Denn im Moment weiss man erst – und nur in Auszügen –, was im medizinischen Gutachten steht. Das hatte das Oberlandgericht München angeordnet, nachdem eine Cousine von Gurlitt, Uta Werner, gegen das Testament gerichtlich vorgegangen war. Das Gutachten komme zum Schluss, dass keine medizinischen Gründe vorliegen, die gegen die Testierfähigkeit von Cornelius Gurlitt am 9. Januar 2014 sprechen, weiss der «Tagesspiegel».

Das ist aber noch kein Urteil. Und ein solches wird vom Gericht wohl auch noch nicht so schnell gefällt. Die Anwälte von Uta Werner schreiben uns: «Das Gericht muss das Gutachten zunächst allen Parteien zustellen und ihnen die Gelegenheit geben, dazu Stellung zu nehmen.» Das sei noch nicht passiert. Sie können zudem bis zum 1. Februar das Gutachten anzweifeln, weitere Abklärungen verlangen – und wenn das Urteil dann gefällt ist, gar noch dagegen rekurrieren.

Politische Einflussnahme?

Laut Agenturen will das Gericht das Gutachten bis Ende Jahr zustellen. Trotzdem geben sich auch die Münchner Anwälte des Kunstmuseums Bern bereits verhalten optimistisch: «Wenn das Gericht dem Gutachten folgt, wovon auszugehen ist, wäre bestätigt, dass das Kunstmuseum Bern Erbe ist.»

Ein Kommentar kommt von höchster politischer Stelle. Die deutsche Kultusministerin Monika Grütters zeigt sich erleichtert über das Gutachten. Wenn Bern das Erbe bekomme, könnten «Aufklärung, Provenienzforschung und vor allem die Restitution der fraglichen Werke viel unkomplizierter und zügiger geleistet werden». Dieser Kommentar und ihre Ankündigung, die Werke bereits 2016 auszustellen, haben wiederum Unmut bei Werners Anwälten ausgelöst: «Dass Frau Staatsministerin Monika Grütters sich öffentlich zu einem schwebenden Verfahren äussert», bewerten sie «als unerlaubten Versuch der Beeinflussung des Gerichts».

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