Forschung
Telepathie: Mensch bewegt mit Gedankenkraft Rattenschwanz

Amerikanischen Wissenschaftern ist es gelungen, das Gehirn eines Menschen mit dem einer Ratte zu vernetzen. In Zukunft könnten auf diese Weise auch Signale zwischen zwei menschlichen Gehirnen übertragen werden.

Raffael Schuppisser
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Mensch-Ratte

Mensch-Ratte

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Telepathie und Gedankenübertragung verordnen wir gemeinhin in die Esoterik oder die Science-Fiction. Doch nun ist es Forschern gelungen, das Gehirn eines Menschen mit dem einer Ratte so zu vernetzen, dass eine Versuchsperson den Schwanz des Nagetiers alleinig durch Kraft seiner Gedanken bewegen konnte.

Und der Rattenschwanz bewegt sich

Bei dem Experiment, das unter der Leitung von Seung-Schik Yoo an der Harvard Medical School in Boston durchgeführt wurde, waren nicht einmal chirurgisch verankerte Gehirnimplantate nötig. Beim Versuchsteilnehmer wurden mit einem Stoffband Elektroden an der Schädeldecke befestigt, welche die Hirnaktivitäten messen.

Gleichzeitig wurde eine narkotisierte Ratte an einem Gerät angeschlossen, über das sich das Bewegungszentrum des Rattenhirns, der sogenannte Motorcortex, mit Ultraschallsignalen stimulieren liess.

Nun sollte sich der Proband auf eine blinkende Animation auf einem Monitor vor ihm konzentrieren. Während der Versuchsteilnehmer auf die visuelle Stimulation vor ihm fokussiert, stellt sich seine Hirnaktivität auf eine bestimmte Frequenz ein - Steady State Visually Evoked Potentials (SSVEP) nennt sich dieser Effekt.

Sobald sich der Proband nun auf etwas anderes konzentriert, wird ein abweichendes Hirnsignal erzeugt.

Bei dem Experiment wurde dieses über die am Kopf angebrachten Elektroden ausgelesen und in ein Ultraschallsignal umgewandelt, mit dem das Gehirn der Ratte stimuliert wurde. In einem Video, das die Forscher veröffentlicht haben, ist klar sichtbar wie sich der Schwanz, der schlaff auf dem Versuchstisch liegenden Ratte bewegt.

Zukunftsvision: Ferngesteuerte Soldaten

Ihr Experiment hätte gezeigt, dass es möglich sei, Nervensignale von einem menschlichen Gehirn über einen Computer direkt in das einer Ratte zu übertragen, um dort einfache Bewegungen auszulösen, schreiben die Forscher im Fachmagazin «Plos One».

In absehbarer Zukunft sollte es aber auch möglich sein, zwei menschliche Gehirne auf diese Weise zu vernetzten, ist Seung-Schik Yoo überzeugt. Solche Systeme könnten dann etwa dazu dienen, dass ein Therapeut mit seinen Hirnströmen die gelähmten Beine eines Patienten bewegt, der durch eine solche Therapie die Bewegungsfähigkeit wiedererlangt, glauben die Forscher.

Mit Blick auf die Science-Fiction-Literatur werden noch ganz andere Szenarien vorstellbar: etwa ferngesteuerte Soldaten, die gegen ihren Willen töten.

Doch weder die therapeutische Nutzung noch die militärische Anwendung dürfte allzu bald Realität werden.

Denn einerseits stand bei dem Experiment die Ratte unter Narkose und konnte ihren Schwanz folglich nicht mit eigener Willenskraft anders bewegen; und andererseits war es nicht möglich spezifische Bewegungen auszuführen, wie etwa den Schwanz nach links zu bewegen. Vielmehr kam bei dem Experiment ein relativ simples Reiz-Reaktions-Schema zum Tragen.

Vernetzung zweier Rattenhirne

Die Forschung zu solchen Hirn-Computer-Schnittstellen hat zurzeit Hochkonjunktur. Vor wenigen Wochen sorgte Miguel Nicolelis mit einer Signalübertragung zwischen zwei Ratten für Furore. Der Forscher der amerikanischen Duke University hat über ein Kabel und zwei Implantate die Gehirne zweier Ratten miteinander verbunden.

Durch Abrichtung liessen sich die Nager so trainieren, dass das eine Tier einen Hebel drückte, wenn im Käfig des anderen Tiers eine Lampe aufleuchtet.

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