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Luzerner Verlag plant Kostbarkeit mit tausendjährigen Weisheiten

Ein Buch mit Versen des persischen Dichters Omar Khayyâm, der im 11. Jahrhundert lebte, in einem Luzerner Verlag? Das ist eine Konstellation, di merkwürdig anmutet. Aber nur auf den ersten Blick.
Haymo Empl
Gedicht von Omar Khayyâmin einer englischen Übersetzung. 2019 gibt es neue deutsche Übersetzungen der Werke. (Bilder: Quaternio Verlag

Gedicht von Omar Khayyâmin einer englischen Übersetzung. 2019 gibt es neue deutsche Übersetzungen der Werke. (Bilder: Quaternio Verlag

Wein, Liebe und Vergänglichkeit: Das sind die wichtigsten Themen des Omar Khayyâm. Der persische Dichter ist ungefähr im Jahr 1048 geboren, seine Verse haben aber die Literatur über Jahrhunderte beeinflusst und hallen bis heute nach. Zeit also, das Werk des Persers zu würdigen.

«Es geht darum, eine Auswahl aus dem Werk von Omar Khayyâm – der als Verfasser vierzeiliger Sinngedichte über Wein, Liebe und Vergänglichkeit bekannt ist – sowohl kalligrafisch als auch literarisch einem kunst- und literaturinteressierten, aber nicht persisch muttersprachlichen ­Publikum zu vermitteln», erklärt Dr. Urs Gösken. Er ist Islamwissenschafter an der Universität Zürich und unterrichtet unter anderem auch Farsi – die Sprache, die im heutigen Iran gesprochen wird.

Reine Tradition mystischer Dichtung

Ein Buch über iranische Kalligrafie also. Ein sperriges Thema? Mitnichten. Denn iranische Kalligrafie ist die Sonderform der islamischen Kalligrafie, die sich in den letzten etwa 400 Jahren vor allem im Iran entwickelt hat. Vor diesem Hintergrund weist iranische Kalligrafie zwei allgemeine Besonderheiten, eine inhaltliche und eine formale, auf:

Die persische Literatur hat eine reiche Tradition mystischer oder mystisch interpretierbarer Dichtung. Das Buch richtet sich sowohl an Liebhaber von Kalligrafie als auch von Dichtkunst. «Erfahrungsgemäss wird arabische Schrift – erst recht in ­kalligrafischer Gestaltung – als schön empfunden», erklärt Urs Gösken.

Der persische Dichter Omar Khayyâm in undatierter Darstellung.

Der persische Dichter Omar Khayyâm in undatierter Darstellung.

Im Iran ist die Kalligrafie eine hohe Kunstform. «Deshalb», so Gösken, «bin ich sehr froh, dass wir Gholâm-Rezâ Vakîlî verpflichten konnten, denn er gehört in seiner Heimat zu den fünf anerkannten Grossmeistern dieser Kunst – ich schätze mich auch deshalb glücklich, ihn zu kennen.»

Die Geschichte der Übersetzung von Omar Khayyâms Werken ist ein eigenes Kapitel, denn viele haben sich daran versucht. 1859 erschien auf Englisch eine vielbeachtete Ausgabe von Edgar Fitzgerald mit Sinnsprüchen, und seither basieren zahlreiche Nachdichtungen und Übersetzungen in andere Sprachen auf derjenigen Fitzgeralds.

Übersetzungen während nächtlicher Busfahrten

Nur eine kleine Zahl Übersetzer hat sich an das persische Original gehalten. Einer davon ist Urs Gösken. «Ich habe bisher 60 Vierzeiler von Omar Khayyâm möglichst wort- und stilgetreu ins Deutsche übertragen», so der Irankenner. Die Inspiration dazu hatte er vor einiger Zeit auf einer seiner Studienreisen im Iran. «Bevor die Idee dieses Buches entstand, hatte ich erste Vierzeiler von Omar Khayyâm übersetzt.»

Dies sei vor allem während der nächtlichen Busfahrten im Iran entstanden. «Eigentlich wollte ich lesen, aber weil der Busfahrer jeweils die Zentralbeleuchtung ausmachte, beschloss ich, mir die Zeit damit zu vertreiben, dass ich vor der Fahrt eine Reihe von Vierzeilern auswendig lernte und mich dann während der Fahrt an einer Übersetzung versuchte.» Herausgekommen sind über 1000 Jahre alte Gedichte wie:

Mein Wesen ist es, froh zu sein bei einem Saft von Reben,

mein Glaube, frei von Glauben wie von Unglauben zu leben.

Ich sprach zu meiner Braut, der Welt: «Was soll dein Brautpreis sein?»

«Als Brautpreis», sprach sie, «sollst du mir dein frohes Herz nur geben.»

Omar Khayyâm wirkte – so viel scheint historisch verbürgt – als Mathematiker und Astronom am Hof der Seldschuken in Nischapur im Nordosten des heutigen Iran. Urs Gösken und Team möchten mit dem Buch aber keine (weitere) wissenschaftliche Publikation vorlegen. Dennoch soll in kurzen, allgemeinverständlichen Vorkapiteln in die Person von Omar Khayyâm und seine Zeit eingeführt werden. «Auch über die Eigenheiten von Vierzeilern im Zusammenhang der persischen Literatur soll etwas stehen, ausserdem ein Porträt von Gholâm-Rezâ Vakîlî», erklärt Urs Gösken.

Quaternio-Verlag mit einmaligen Kompetenzen

Dazu braucht es einen passenden Verlag. Dieser findet sich nicht etwa im Iran, weil dort Urheberrechte schlecht geschützt sind, sondern in Luzern. Genauer gesagt, an der Obergrundstrasse – in einem unscheinbaren Bürokomplex. «Der Quaternio-Verlag ist vielleicht der einzige Verlag im deutschsprachigen Raum, der die fachliche und technische Kompetenz hat, um ein solches Projekt zu realisieren», erklärt Gösken.

Bisher hat sich die herausgeberische Tätigkeit des Verlages meist auf abendländische Buchkunst bezogen. Gösken: «In Gesprächen mit der Verlagsleitung wurde mir klar, dass die Verantwortlichen das künstlerische und kulturelle Einfühlungsvermögen haben, um auch ein Projekt, das mit aussereuropäischer Kunst und Literatur zu tun hat, kompetent zu begleiten. Gholâm-Rezâ Vakîlî wird während des Projektes im Iran bleiben und die Originale der übersetzten Vierzeiler kalligrafisch gestalten und illuminieren lassen.» Dabei habe er als Künstler freie Hand.

Ein weiteres Gedicht von Omar Khayyâm in englischer Übersetzung.

Ein weiteres Gedicht von Omar Khayyâm in englischer Übersetzung.

Im Moment ist die grösste Herausforderung die Finanzierung des Buches, das im 2. Quartal 2019 erscheinen soll – und das in zwei Versionen. «Die eine in so vielen Exemplaren, wie ich Vierzeiler übersetzt habe mit je einer Kalligrafie als Original; die andere nur als Faksimile.» Dass dies teuer wird, versteht sich von selbst. «Wir sind aber guter Dinge», erklärt Gösken. Oder um es mit Khayyâm zu sagen:

Lass nicht von dem Gewicht des Kummers dich je unterkriegen,

lass nicht von eitler Sorge dich um Lebenszeit betrügen:

Lass nicht von Wein und Wasserlauf und Wiesenrain, denn bald

lässt dich der Staub – lang ist’s nicht hin – in seinem Schosse ­liegen.

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