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Tausend Franken für die Kunst

Drei Wochen Zeit hatten neun junge Kunstschaffende, um an der Oberen Bahnhofstrasse in Wil tausend Franken auszugeben. Ab morgen präsentieren sie im Rahmen der ArtWil die Kunstwerke, die daraus entstanden sind.
Christina Genova
Nina Emge, Marcel Hörler, Caterine Xu und Samuel Koch machen mit beim Shopping-Projekt von Arthur Junior in Wil. (Bild: Ralph Ribi)

Nina Emge, Marcel Hörler, Caterine Xu und Samuel Koch machen mit beim Shopping-Projekt von Arthur Junior in Wil. (Bild: Ralph Ribi)

WIL. Tausend Franken geschenkt bekommen, um nach Herzenslust einzukaufen? Ein Angebot, das neun junge Künstlerinnen und Künstler gerne angenommen haben. Aus zahlreichen Bewerbungen wurden sie für das Projekt «Shopping» von Arthur Junior ausgewählt. Der Verein organisiert seit 2010 jährlich Ausstellungen für junge Kunstschaffende an ungewöhnlichen Orten im Toggenburg. Ab morgen werden die Kunstwerke, die im Rahmen von «Shopping» entstanden sind, in der Oberen Bahnhofstrasse in Wil gezeigt. Denn dieses Jahr wurde Arthur Junior von der Gemeinde Wil und der Interessengemeinschaft Obere Bahnhofstrasse an die ArtWil eingeladen. Vor drei Wochen erhielten die Kunstschaffenden die tausend Franken feierlich überreicht. Es gab drei Regeln: Das Geld muss in den 68 Geschäften der Oberen Bahnhofstrasse ausgegeben werden. Es darf kein Geld übrigbleiben. Und am Ende muss ein Kunstwerk entstehen.

Faulenzen und Nichtstun

Die scheinbar einfachste Regel, nämlich die gesamten tausend Franken verwenden zu müssen, wurde für Nina Emge und Samuel Koch unverhofft zum Problem. Die provokative Idee des Künstlerpaars lautete: «Wir kaufen uns Zeit, um nichts zu tun.» Das Paar ging ins Reisebüro Kuoni, um Ferien zu buchen. Sie wählten eine Reise nach Istanbul, doch dann kam der Militärputsch. Emge und Koch wollten unter diesen Umständen die Reise nicht antreten und stornierten die Buchung. 800 Franken bekamen sie zurückerstattet. Was das Künstlerpaar damit machen wird, ist noch offen. Aus den Erfahrungen der letzten drei Wochen haben Nina Emge und Samuel Koch ein Hörspiel mit Kurzgeschichten produziert. Sie erzählen vom Faulenzen und Nichtstun. Die Audioarbeit wird zu hören sein, wenn man eine Auszeit vom Shoppen nimmt und sich auf eines der Bänkchen an der Strasse setzt. Auch Catherine Xu wird es wohl nicht schaffen, das ganze Geld auszugeben, weil es ihr nicht möglich ist, in der kurzen Zeit mehr als 60 kleine Baumstrünke aus Schokolade zu produzieren. Dafür hat sie von der Konditorei Hirschi sechs Kilogramm Zartbitterschokolade bezogen. Die in Berlin lebende Künstlerin wollte ein verkäufliches Objekt herstellen. Für die Baumform hat sie sich entschieden, weil sie sich stark mit Umweltthemen beschäftigt. Die Baumstrünke schauen skeptisch, Catherine Xu hat sie mit Gesichtern versehen. Die kuriosen Plastiken – halb Comicfiguren, halb Phallussymbole – werden im Präsent-Shop erhältlich sein. Der Gewinn geht an das Geschäft, das Produkte aus sozialen Institutionen verkauft.

Installation aus Putzlappen

Fridolin Schoch und Domingo Chaves stammen aus der Ostschweiz. Zusammen mit Edmée Laurin studieren sie an der Kunstakademie Düsseldorf. Das Trio hat eine Installation aus Putzlappen und über tausend Schwämmen geschaffen, die mit Modeschmuck bestückt ist. Dazu inspiriert hat sie die auffallende Sauberkeit der Oberen Bahnhofstrasse. Die Installation wird an wechselnden Standorten über die Strasse gehängt. Ausserdem sind im Schaufenster von Vabene Schaumkleider zu sehen.

Wie gibt man Geld aus, ohne das es seinen Wert verliert? James Stephen Wright fand eine Lösung, indem er beim Goldschmied Wipf ein Kilo Silber kaufte. Auf den Silberbarren gravierte der Zürcher Künstler Wappen, Symbole und Logos ein, die er in der Oberen Bahnhofstrasse und im Stadtmuseum fand. Dort wird der veredelte Silberbarren im Schaufenster zu sehen sein und in der Oberen Bahnhofstrasse auf einem Plakat.

Martina Mächler interessiert sich für das Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit. In der Buchhandlung AdHoc hat sie dazu eine Auswahl an Büchern zusammengestellt, die so absurde Titel tragen wie «Businessyoga». Die Künstlerin lädt Interessierte ein, sie in der Buchhandlung zu besuchen, um einen Kaffee zu trinken und über das eigene Verhältnis zu Arbeit und Freizeit nachzudenken (siehe Kasten).

Signierte Banknoten

Lucie Biloshytskyy schliesslich hat über den Wert von Papier nachgedacht. Die Künstlerin hat Passanten ihre Kassenzettel abgekauft. Gebündelt wie Banknoten sind sie im Schaufenster des Goldschmieds Wipf zu sehen. Sie belegen Ausgaben von rund 5000 Franken. Ausserdem hat die Künstlerin alle Banknoten, die sie für ihr Projekt ausgegeben hat, signiert. Sie sind nun als Unikate im Umlauf und in Form einer Fotocollage im Wipf-Schaufenster zu sehen. Lucie Biloshytskyy hat damit ihr eigenes Wertpapier geschaffen. Die limitierte Auflage von zehn Stück kostet je 100 Franken.

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