Tatort-Kolumne
Wenn die Sanitäter auch Täter sind

Im Dresdner Tatort «Rettung so nah» macht ein Mörder Jagd auf Notfallsanitäter. Klaustrophobisch und beklemmend sind die Bilder, die der Krimi dafür findet. Ermittelt wird leider nach Schema F.

Julia Stephan
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Tarik wird bei einem Notfalleinsatz ermordet, Kollegin Greta kann nichts mehr für ihn tut.

Tarik wird bei einem Notfalleinsatz ermordet, Kollegin Greta kann nichts mehr für ihn tut.

Bild: Das Erste

Sie heissen Erik, Helena, Tarik und Greta. Sie sind Helden ohne Heldenmut und nennen sich selbst «Blitzableiter für jeden Frust». Die Rede ist von den Notfallsanitäterinnen und -sanitätern im Dresdner Tatort «Rettung so nah».

Auch ohne Pandemie im Nacken – das Drehbuch von Christoph Busche folgt da einer anderen Logik –, arbeiten diese Menschen pausenlos am Limit. Und müssen damit zurechtkommen, dass man sie auf ihren Einsätzen auch mal bespuckt, gängelt und bedroht. Denn die barmherzigen Samariter können nicht immer erwarten, dass die Hilfsbedürftigen es ebenso gut mit ihnen meinen.

Der Druck im Team steigt

Als mehrere Mordanschläge auf Kollegen im Einsatz verübt werden, steigt im Team der Druck ins Unermessliche. In einem ungesunden Gemenge aus berechtigtem und übersteigertem Verfolgungswahn, Drohgebärden und illegalem Rauschmittelkonsum stellt der Dresdner «Tatort» die Frage, wie viel vom «Täter» im Wort «Sanitäter» eigentlich drinsteckt.

Er kriegt das atmosphärisch ziemlich gut hin, vor allem Luise Aschenbrenner schafft es, der jungen Sanitäterin Greta Blaschke eine glaubwürdige Verlorenheit anzudichten.

Die Ermittlerinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie «Leo» Winkler (Cornelia Gröschel), mindestens so kaputt wie ihr überarbeiteter Verdächtigenkreis, praktizieren dann aber sehr routiniert das klassische «Täter»-Hopping: Ein paar Mal wird in die Glaskugel geschaut, ein paar Mal eine falsche Fährte aufgenommen.

Und dann ist der Fall auch schon gelöst mit einer Täterlösung, die wie eine dramaturgische Notlösung daherkommt. Erfahrene «Tatortianer» haben dieses Spiel zu schnell durchschaut.

«Tatort» aus Dresden - «Rettung so nah». So, 7.2., 20.05 Uhr, SRF1.

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