TATORT-KOLUMNE
Pervertiertes Familienidyll: In der Folge aus Wien wirds besonders düster

Zum fünfzigsten Mal steht Harald Krassnitzer am 28.3. als Ermittler Moritz Eisner vor der Kamera. Im neuen Wiener «Tatort» ermordet ein Psychopath Prostituierte und entführt deren Kinder.

Julia Stephan
Drucken
Teilen
Kommen sich in der Jubiläumsfolge sehr nah: Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser).

Kommen sich in der Jubiläumsfolge sehr nah: Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser).

Bild: ARD

Ein ganz schön finsteres Nachtschattengewächs, dieser neue Wiener «Tatort»! Mit Crack zugedröhnte Nachteulen aus dem Rotlichtmilieu und eine schlaflose Bibi Fellner (Adele Neuhauser), die weder mit Tabletten noch mit einer Meeresrauschen-CD von Kollege Moritz Eisner ihren Seelenfrieden findet, bestimmen die Tonalität dieses Psychothrillers.

Eruptiv entladen sich in kurzen Nächten verdrängte Traumata und Gewissensnotstände auf der Täter- wie auf der Ermittlerseite. Im 50. Fall von Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) tötet ein Serienkiller Prostituierte und entwendet dann deren Kinder. Während der in seiner Ambivalenz hervorragend durch Max Mayer dargestellte Transvestit zwischen Blümchentapeten und Grossstadtmief mit den Kindern eine pervertierte Familienidylle lebt, erschleicht er sich bei den Wienern Kommissaren tagsüber das Vertrauen als angeblich verdeckter Ermittler.

Bibi schläft den Schlaf der Gerechten - aber erst zum Schluss

Diese Nähe zum Grauen und der Fakt, dass sich das Profil des psychopathischen Täters, der sich offensichtlich an einem Muttertrauma abarbeitet, ganz aus der Handlung selber ergibt, machen das Jubiläumsprojekt des ORF, das auch eine Hommage an ein eng zusammengewachsenes Ermittlerpaar ist, äusserst sehenswert.

Da der «Tatort» anders als seine schwedischen Schocker-Formate seine liebsten Charaktere selten in der Leichenhalle entsorgt, braucht man sich zum Glück weder um Bibi noch um die verschwundenen Kinder Sorgen zu machen. Am Ende schläft Bibi zwar den Schlaf der Gerechten. Doch zum Glück nicht für immer.

«Tatort» aus Wien – «Die Amme». So, 28.3., 20.05 Uhr. SRF 1.

Aktuelle Nachrichten