Tatort-Kolumne
Lauwarmer Start in die neue Saison: Der Tatort aus Frankfurt setzt zu sehr auf Zeitgeist

Das Team aus Frankfurt eröffnet die beliebte «Tatort»-Reihe nach der Sommerpause. Was hip und schräg sein will, nervt und langweilt aber eher mit bemühtem Zeitgeist und altbackenen Tarantino-Zitaten.

Susanne Holz
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In der neuen Folge werden die Kommissare Janneke und Brix zu einer Frauenleiche gerufen.

In der neuen Folge werden die Kommissare Janneke und Brix zu einer Frauenleiche gerufen.

Bild: Das Erste

Der erste «Tatort» nach der Sommerpause kommt aus Frankfurt und ist unübersehbar auch eine Art Hommage an den Zeitgeist: Männer sind böse und geistig etwas unterbelichtet, Frauen sind klug, gut und von den Männern unterdrückt.

Weil diese Sicht auf die Welt nun schon seit geraumer Zeit etwas penetrant den Ton angibt, ist die Folge «Wer zögert, ist tot» nicht gerade dazu angetan, einen Preis für Originalität oder überraschenden Witz zu erhalten – auch wenn sie genau so etwas ganz offensichtlich möchte.

Vier Frauen, maskiert mit Hundemasken, tun sich zusammen, den missratenen Sohn eines wohlhabenden Wirtschaftsanwalts zu entführen. Ihr Ziel: endlich auch mal ein entspanntes Leben führen zu können.

Der schwarzhumorige Ansatz ist unverkennbar (Buch und Regie Petra Lüschow), zieht sich jedoch ohne volle Kraft durch den Film, der sowohl an «Ocean’s 8» – auch kein Meisterwerk – erinnert, als auch die Handschrift eines Quentin Tarantino tragen will – vergötterter Liebling des Zeitgeists seit Jahrzehnten.

In «Ocean’s 8» macht sich die Crème de la Crème des weiblichen Hollywood zum Raubüberfall auf, im «Tatort» aus Frankfurt gebührt den Darstellerinnen Christina Grosse und Britta Hammelstein ein Lob. Ihrer Schauspielkunst wohnt mehr Originalität inne als dem Drehbuch.

Beim abgehackten kleinen Finger des Entführten denkt man sich: Wie oft kam das jetzt schon in Filmen vor? Googelt, und klar, natürlich schon bei Tarantino 1995, im Film «Four Rooms». Und so weiter. Abgehackte Finger scheinen witzig zu sein... Insofern: Ist dieser «Tatort» kein fulminanter Start in die Saison, sondern ein aufgewärmter.

«Tatort» aus Frankfurt: «Wer zögert, ist tot». Sonntag, 29. August 2021, 20.05, SRF 1. Wir geben drei von fünf Sternen.

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