Tatort-Kolumne
Der Kölner Tatort zeigts vor: So geht geschickte Gesellschaftskritik!

Nach dem herausragenden «Polizeiruf» aus Rostock letzte Woche, übt sich auch dieser «Tatort» in Sozialkritik. Und zeigt das ganze Elend von Menschen, die sich trotz Job die Miete kaum mehr leisten können.

Susanne Holz
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«Tatort» aus Köln: «Wie alle anderen auch». Sonntag, 21. März, 20.05, SRF 1.

«Tatort» aus Köln: «Wie alle anderen auch». Sonntag, 21. März, 20.05, SRF 1.

Bild: Das Erste

Ella wird seit Jahren von ihrem Mann geschlagen. Als sie einmal zurückschlägt und ihr Peiniger bewusstlos am Boden liegt, gerät Ella in Panik, packt eine Tasche mit den nötigsten Sachen – und landet erst mal auf der Strasse. Ricarda Seifried spielt diese Ella erstaunlich unaufgeregt. Doch vermutlich lässt sich Obdachlosigkeit nur im Zustand einer Art von Schockstarre ertragen.

«Wie alle anderen auch», geschrieben von Jürgen Werner und gedreht von Nina Wolfrum, ist ein weiterer «Tatort» aus Köln, der auf ein soziales Thema fokussiert. Und für die Wahl des Themas, die zunehmende Armut in der Mitte unserer Gesellschaft, verdient dieser Krimi die Bestnote.

Zwar ist diese Folge aus Köln nicht so herausragend wie der «Polizeiruf» aus Rostock, der vergangenen Sonntag einen spektakulär intensiven Blick auf die Verzweiflung sozial Benachteiligter warf. Doch auch diese Woche ist das Zuschauen harte Kost, und das ist gut so. Während Schenk und Ballauf (Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt) den Tod an einer Obdachlosen klären, wird der Zuschauer mit dem ganzen Elend bitterer Armut konfrontiert.

Der Angestellte im Schnellrestaurant, der in einer verlotterten Kellerwohnung haust, die Altenpflegerin, die in ihrem Auto schläft, die Leiterin der Suppenküche, die sich die Miete ebenfalls nicht mehr leisten kann – sie alle sind ihrer Würde beraubt. Und existieren am Minimum.

Jeder allein für sich – denn ohne Geld auch keine Liebe. Dass ein festes Gehalt nicht mehr reicht, die Miete zu bezahlen, ist ein Skandal und leider zunehmend Realität. Es ist mehr als angebracht, dass nach dem «Polizeiruf» letzte Woche auch dieser «Tatort» die horrend ungleiche Verteilung unseres Wohlstands anprangert.

«Tatort» aus Köln: «Wie alle anderen auch». Sonntag, 21. März, 20.05, SRF 1. Wir geben vier von fünf Sternen.

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