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Tanzender Gewitterfurzer

Kuriose Klänge und avantgardistische Rhythmen, lustig und tanzbar. Am Freitag gastiert der Kölner Musiker Jo Zimmermann, bekannt als Schlammpeitziger, im Palace St. Gallen.
Marc Peschke
Der 54-Jährige ist ein Unikat im deutschsprachigen Raum: Jo Zimmermann aus Köln ist Schlammpeitziger. Er experimentiert mit Synthesizern und alten Casio-Keyboards. Am Freitag spielt er im Palace St. Gallen. Bild: PD

Der 54-Jährige ist ein Unikat im deutschsprachigen Raum: Jo Zimmermann aus Köln ist Schlammpeitziger. Er experimentiert mit Synthesizern und alten Casio-Keyboards. Am Freitag spielt er im Palace St. Gallen. Bild: PD

Der Schlammpeitzger, das ist ein ganz besonderer Fisch. Im Schlamm wühlt er sich. Schluckt Luft. Um sie, wenn er sich bedroht fühlt, wieder über den Anus abzugeben. Deshalb wird das sonderbare, in Europa und Asien lebende Wesen auch Furzgrundel oder Gewitterfurzer genannt.

Schlammpeitziger – fast so wie der Fisch - heisst auch das Musikprojekt des Kölners Jo Zimmermann. Seit 1992 nennt er sich so, bastelt sich seinen ganz besonderen Kosmos aus verspielter, elektronischer Kunstmusik, aus vollkommen aus dem Ruder laufenden House-Beats, aus eigenen Zeichnungen, die einen surrealistischen Blick auf die Welt verraten.

Kuriose Song- und Albumnamen

Seine Alben heissen «Freundlichbaracudamelodieliedgut», «Spacerokkmountainrutschquartier» oder «Augenwischwaldmoppgeflöte» – das jüngste, inzwischen elfte Werk hat Zimmermann «Damenbartblick auf Pregnant Hill» genannt. Doch so sonderbar, so hermetisch, so spleenig all das klingt: Schlammpeitziger konnte sich vom skurrilen Insider-Tipp für Nerds zu einem Phänomen entwickeln, das nicht nur Bestand hat, sondern erfolgreich ist: Depeche Mode baten ihn um einen Remix, der Musiker ist immer wieder Gast auf internationalen Musik- und Kunstfestivals und veröffentlichte auf bedeutsamen Labels wie «Pingipung», «A-Musik», «Sonig», «Domino» und «Thrill Jockey».

Avantgarde und absurde Samples

Zimmermann entstammt der gleichen musikalischen Szene wie Andreas Dorau, Der Plan, oder die Elektronik-Legenden Mouse on Mars – jener Szene aus Köln und Düsseldorf, die über so viele Jahre die Geschichte der elektronischen Avantgarde in Deutschland bestimmt hat. «Jo Zimmermann», so Jan Werner von Mouse on Mars, «hat ja nicht nur einen unglaublichen Afro, er hat auch den Urfunk, den Beat, auf den er alles auffädeln kann, den Clap, den kurzen Abstand zwischen den Akzenten, plus Körperbass für die tieferen Ebenen. Schlammpeitzigers Bewegungen sind dabei eine Einladung, in seine funky Mysterienparade mit einzusteigen.»

Dieser Einladung sollte man unbedingt folgen: Diese Musik ist ein grosser Garten, in dem vieles zusammengewachsen ist, was sonst eher separiert blüht: Elektro-Avantgarde, Dance-Music, Lo-Fi-Krautrock, Dub, Funk, kuriose Casio-Geräusche, absurde Samples: all das zusammen formt eine Musik, die lustig, tanzbar, kunstvoll, komplex und seltsam ist.

Der retrofuturistische Schlammpeitziger-Sound kann einen, wenn man genau zuhört, durchaus in andere Sphären befördern, wie es Jan Werner ausgedrückt hat: «Wer eine Zukunft ohne Rückgriff, sondern Zugriff auf Entrückung sucht, der liegt mit einer Schlammpeitziger Soundbestrahlung genau richtig.» Auf seinem neusten Album ist Jo Zimmermann übrigens auch als Sänger zu hören.

Hinweis

Schlammpeitziger, Fr. 14.9. Palace, St. Gallen, palace.sg

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