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TANZ: Verführung zu Todsünden

Im Frühjahr hat das Theater St. Gallen einen Choreografiewettbewerb ausgeschrieben. Mehr als dreissig ­Projekte wurden eingereicht. Sieben davon kommen in der nächsten Spielzeit zur Uraufführung.
Bettina Kugler
Musik und Flanieren: Gemütliches Ambiente am Poolbar-Festival. (Bild: Matthias Rhomberg/PD)

Musik und Flanieren: Gemütliches Ambiente am Poolbar-Festival. (Bild: Matthias Rhomberg/PD)

Bettina Kugler

bettina.kugler@tagblatt.ch

Die ersten Schritte verlaufen oftmals im Kreis. Beate Vollack erinnert sich gut an die Zeit, als sie anfing, eigene choreografische Konzepte zu entwickeln. Sie war aktive Tänzerin, und wenn sie überhaupt genug Selbstbewusstsein hatte, jemanden in leitender Position am Theater auf eines ihrer Wunschprojekte neugierig zu machen, dann hiess es meist: «Was hast du schon?» Am Anfang ist das naturgemäss nicht viel. «Es stellt sich in dieser Phase immer wieder die Frage: Wer traut mir das zu? Diese Erfahrung möchte ich jungen Leuten ersparen», sagt sie.

Vertraut sein mit dem Bewegungsvokabular

Längst hat Beate Vollack als Choreografin Boden unter die Füsse bekommen; seit drei Jahren leitet sie die Tanzkompanie des Theaters St. Gallen und sieht täglich an Trainings und Proben, wie viel kreatives Potenzial in den Tänzerinnen und Tänzern steckt. Die Idee, einen Choreografenwettbewerb ins Leben zu rufen, reifte daher schon bald heran. Erreicht werden sollten junge Leute mit professioneller Ausbildung aus ganz Europa, geboren nach 1982. «Es war nicht schwierig, dafür Verbündete zu gewinnen.»

Jörg Weinöhl zum Beispiel, Ballettdirektor der Oper Graz. Gerade hat er als Gastchoreograf das Stück «Kranzrede» in der Kathedrale zur Uraufführung gebracht. Als Beate Vollack ihn fragte, ob er als Jurymitglied zur Verfügung stehe, war er sofort bereit. «Das ist ein super Projekt, eine solche Plattform ist für Junge sehr kostbar», sagt er. Weinöhl selbst war Tänzer und Solist in den Kompanien von Martin Schläpfer in Bern, Mainz und Düsseldorf.

Der schleichende Übergang hin zum Choreografen ist durchaus spartenüblich; eher selten sind Choreografen, die nie als Tänzer auf der Bühne standen. «Man kann seine Vorstellungen einfach besser vermitteln, wenn man die Bewegungen kennt, selbst wenn man sie vielleicht nicht vormachen kann», darin sind Vollack und Weinöhl sich einig. Besonders gefällt Jörg Weinöhl das Thema «Die sieben Todsünden». Es verspreche, dass sich die Kompanie auf vielfältige Weise präsentieren kann. Mit ihm in der Jury sind neben Beate Vollack als Vorsitzender der Zürcher Ballettdirektor Christian Spuck, Regisseur David Pountney sowie die Tanzwissenschafterin Katja Schneider. Sie haben in den letzten Wochen und Monate Exposés gelesen, choreografische Skizzen mit Vorschlägen zu Musik, Kostümen, Beleuchtung; einige der Bewerber haben Videolinks zu bisherigen Arbeiten beigefügt.

Die Gewinnerinnen und Gewinner werden eingeladen, ab Januar 2018 ihre Choreografien mit Mitgliedern der Tanzkompanie einzustudieren. Premiere der Produktion «Sieben» wird im April in der Lokremise sein. 34 Projekte sind eingegangen; die Altersspanne der Bewerber reicht von 19 bis 38, sie kommen aus Italien, Spanien und Frankreich, aus Deutschland und Österreich, aus England, den Niederlanden. Erstaunlicherweise kein einziger aus der Schweiz. Beate Vollack lacht. «Die Schweizer sind wohl einfach nicht so sündig.» Es habe aber auch, vermutet sie, mit der starken freien Szene zu tun.

Neid und Faulheit sind Tänzern nicht fremd

Das Thema passt inhaltlich zum Schwerpunkt, den sich die Tanzkompanie in der kommenden Spielzeit gesetzt hat. Um Extreme soll es gehen, an den Rand des Abgrunds führen – im konkreten Fall um die Frage, ob Zeitgenossen mit dem Begriff der Sünde noch etwas anfangen können, mit den Todsünden Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit des Herzens. «Zu Neid und Faulheit kamen besonders kreative Ideen», verrät Beate Vollack, «zu Völlerei fällt Tänzern weniger ein.» In St. Gallen werden die kurzen Stücke Gesichter bekommen: Beate Vollack ist stolz auf ihre Kompanie aus vierzehn unverwechselbaren Persönlichkeiten. Sie werden sich in Bewegung setzen, den Wettbewerb zu einer Tugend machen.

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