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TANZ: Ich sehe was, das du nicht siehst

Was wir entdecken, wenn wir uns auf die Perspektive des Gegenübers einlassen, loten Kim Tassia Kreipe und Jack Widdowson in «Andererseits» tänzerisch aus. Zu sehen war ihr Stück an zwei Abenden in der Grabenhalle.
Bettina Kugler
Bei sich sein, die Welt mit den Augen des anderen sehen: Mit diesem Paradox spielen Kim Tassia Kreipe und Jack Widdowson sehr beweglich. (Bild: Benjamin Manser)

Bei sich sein, die Welt mit den Augen des anderen sehen: Mit diesem Paradox spielen Kim Tassia Kreipe und Jack Widdowson sehr beweglich. (Bild: Benjamin Manser)

Bettina Kugler

bettina.kugler

@tagblatt.ch

Stimmen und Klangfetzen spielen wirr ineinander; aus dem Rauschen und Knistern eines ­Radios schält sich immer wieder eine Melodie, der Rhythmus einer nostalgischen Tanznummer – als drehe eine unsichtbare Hand an einem unsichtbaren Gerät, als ­suche jemand nach dem richtigen Sound zur rechten Zeit. Doch da sind nur zwei Körper in spär­lichem Licht, einander zu­gewandt, zugleich aber für sich, in nachdenklicher Distanz: die ­Tänzer Kim Tassia Kreipe und Jack Widdowson. Gemeinsam haben sie eine Weile in der Tanzkompanie des Theaters St. Gallen getanzt, zuletzt waren sie zu­sammen mit Aliksey Schoettle in deren dystopischem Stück «Transhumanism: Paradigm Shift» zu sehen. Diesmal hat Kim Tassia Kreipe selbst choreografiert: ein dichtes, intimes Duett, rund vierzig Minuten lang; eine Versuchsanordnung, neugierig und behutsam in Bewegung umgesetzt. Mit einer philosophischen Frage im Hinterkopf, die sich ­jedoch nie gedankenschwer in den Vordergrund spielt, sondern leichtfüssig mitläuft: Wie sieht die Wirklichkeit mit deinen Augen aus? Dabei ist «Andererseits» nicht einfach ein ausgedehnter Pas de deux zum Zurücklehnen und Geniessen. Momente des Verständnisses, der innigen Verbundenheit sind so fragil wie die Musik in der von Geräuschen und Stimmen, von schneidenden Klängen und heftigem Pochen durchsetzten Soundcollage.

Spiel mit dem Blick von aussen

Das Stück verzichtet vollkommen auf Bühnenelemente und grelle Effekte. Nichts lenkt ab von der Kommunikation der in warmes, sparsam gesetztes Licht ge­tauchten Körper. Kleine Schocks durchbrechen den sanften Fluss der Bewegung; später zieht das Tempo an, geben Kim Tassia Kreipe und Jack Widdowson ihren wechselseitigen Beobachtungsposten auf. Sie werden heftig auseinandergetrieben und geschüttelt, sie suchen Halt – vorbei ist es mit der kühlen Distanz des Blicks von aussen, der sich beim Zuschauen verdoppelt. Noch reizvoller wäre gewesen, auch das Publikum auf zwei Seiten der Tanzfläche zu platzieren.

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