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TANZ: Die Völlerei bittet zu Tisch

Sieben kurze Stücke, acht Choreografen aus Europa und Übersee: Die Tanzkompanie des Theaters St. Gallen gibt sich in der Lokremise so lustvoll wie facettenreich einstigen Todsünden hin. Von gestern ist das nicht.
Bettina Kugler
Die Fresssucht (Alberto Terribile), umringt von Tugenden: eine von sieben getanzten Todsünden in der Lokremise. (Bild: Ian Whalen)

Die Fresssucht (Alberto Terribile), umringt von Tugenden: eine von sieben getanzten Todsünden in der Lokremise. (Bild: Ian Whalen)

Bettina Kugler

bettina.kugler

@tagblatt.ch

In Höllenangst versetzen sie uns kaum mehr: Laster wie Jähzorn, Trägheit, Hochmut und Wollust, Neid, Geiz und Völlerei. Unerwünschte Eigenschaften mögen wir darin sehen; Schwächen, für deren Kontrolle es heute Coaches gibt, falls sie nicht sogar der Karriere nützen. Doch Todsünden? Verlockend jedenfalls ist der Stoff. Entsprechend gross war die Resonanz auf den Choreografen-Wettbewerb zum Thema «Sieben Todsünden» im Frühjahr 2017. Gleichwohl hat Beate Vollack, Tanzchefin am Theater St. Gallen und Juryvorsitzende, die aus den prämierten Konzepten entstandene Produktion weniger reis­serisch betitelt. «Sieben» lässt Spielraum für Assoziationen, verengt den Abend nicht auf Moral und Seelenheil, verankert ihn nicht in einer Zeit. «Sieben» kann in seiner nüchternsten Lesart schlicht heissen: Sieben kurze Tanzgeschichten von heute, sieben Spielarten zeitgenössischer Bewegungskunst.

Im Hamsterrad der Gier, festgesaugt im Augenblick

Langweilig wird es da keine Sekunde – höchstens dehnt sich einmal die Zeit, und dies, weil es um «Trägheit» geht, das zähe Feststecken im Augenblick, das Sarah Bateman so melancholisch ins Mikrofon textet, wie es dazu aus den Boxen tönt, in einem Soundmix aus verpassten Zügen und Gambenmusik. Rastlos bewegen sich fünf Tänzer in Trainingsklamotten, hart blendet das eingeschaltete Saallicht. Alles ist offen, und so muss es im Stück von Joseph Hernandez und Ian Whalen auch bleiben. Andere Choreografien laufen auf eine Pointe zu, mal mehr, mal weniger pathetisch. Schwül, auf Zeitlupe gebremst ist die Stimmung in Louisa Rachedis «Wollust»; der «Geiz» (Malcolm Sutherland) trägt gelbe Strümpfe. Gebeugt, schlurfenden Schrittes geht es zwergenhaft durch dieses kollektive Hamsterrad zu Musik von Arvo Pärt. Kinsun Chans verbindende Bühnenmetapher ist ein Reifrockgerippe, das freilich nur in «Neid» (Morgan Reid) verspielt als Käfig eingesetzt wird. Aber klar, der Blick geht in Intimzonen und lebt von Indiskretion.

Caroline Beach stellt in «Stolz» die Selbstvergötterung Robinia Steyers und Thanh Pham Tris live auf Instagram und karikiert damit die grassierende ­mediale Egomanie. Auf Slapstick und schwarzen Humor setzt Jo­shua Monten in «Jähzorn». In Comicmanier, zu zärtlichen Barock- und freundlich plätschernder Harfenklängen watschen sich Tänzerinnen und Tänzer dabei so heftig ab, dass es klatscht und bald schon ziemlich wehtut. Auf die überdrehte Groteske, getanzt in bonbonfarbenen Kleidern und Anzügen (Kostüme: Marion Steiner) folgt noch der letzte, der siebte Streich: In «Fresssucht» des Neuseeländers Pablo Sansalvador haben neben dem schlangenhaft biegsamen Alberto Terribile als Verkörperung der Völlerei auch sieben Tugenden ihren Auftritt am langen Tisch. Sie machen freilich am Ende fast zu erwartbar kurzen Prozess mit dem lasterhaften Reigen.

Hinweis

Nächste Vorstellungen: 17./19./ 22./27.4., Lokremise St. Gallen

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