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Theater Casino Zug: Tanz der Sonne – Tanz der Sterblichkeit

Ein Sinfonieorchester, das ein ganzes Konzert auswendig spielt? Und dabei tanzt? Mit der Show «Dance of the Sun» fand am Samstagabend das nationale Tanzfest 2019 seinen fulminanten Schlusspunkt.
Dorotea Bitterli
Die Geneva Camerata mit «Dance of the Sun» im Theater Casino Zug. (Bild: Maria Schmid, 4. Mai 2019)

Die Geneva Camerata mit «Dance of the Sun» im Theater Casino Zug. (Bild: Maria Schmid, 4. Mai 2019)

Die Geneva Camerata, bekannt für wagemutige innovative Konzerte, hat unter ihrem Dirigenten David Greilsammer das Experiment gewagt, zwei klassische Werke als Choreografie aufzuführen. Dabei spielte das 30-köpfige Orchester am Samstagabend im Theater Casino Zug auswendig, um sich tänzerisch bewegen zu können. Mitten unter ihnen, sozusagen als ihr Gravitationszentrum: Der Tänzer und Choreograf Juan Kruz Díaz de Garaio Esnaola.

Es liegt nahe, Jean-Baptiste Lullys Suite «Le Bourgeois Gentilhomme» in Tanz umzusetzen, denn Lully war als Jugendfreund Ludwigs XIV. selbst ein begabter Tänzer. Die beiden traten zusammen auf, wobei der spätere französische König sich als «aufgehende Sonne» inszenierte. Der homosexuelle Lully wurde zu seinem Hofkomponisten und spielte viele Jahre lang das Leben am Hof, den «Dance of the Sun» mit.

Heitere Ironie

«Le Bourgeois Gentilhomme» aber war als satirische Ballettkomödie sein gesellschaftskritischer Kommentar dazu. Diese heitere Ironie nimmt Esnaola auf und choreografiert das Orchester als höfische Welt, und sich selbst als Aussenseiter darin. Wie zufällig, im Small-Talk, kommen die schwarzgekleideten Musiker herein. Der Tänzer tritt hinzu, alle verstummen. Während sie zu spielen beginnen, schiebt er sie hin und her oder fällt einem von ihnen in die Arme; sie verfolgen ihn mit ihren Instrumenten, er rennt davon, rettet sich hinter einen Scheinwerfer. «Premier air des Espagnols» (Nr. 4 der Suite) beginnt mit Kastagnetten, der Dirigent spielt einen Stier, ein anderer wird zum Torero. Dann wird es ernster, Trommelwirbel ertönen, das Orchester gerät in eine grosse Kreisbewegung. Im Halbrund aufgestellt tritt es einzeln vor den Liebling des Königs hin, knicksend und sich verbeugend, und er empfängt die Huldigungen mit gnädiger Verneigung.

«Ritournelle italienne» (Nr. 11) wird zur intimen Szene zwischen Dirigent-König und Tänzer-Lully, und am Ende sitzt Greilsammer auf Esnaolas Schultern und leitet von dort aus sein Orchester, seinen «Hof». «Dance of the Sun» – das sind choreografierte höfische Konversationen, Allianzen, Machtkämpfe und Intrigen, wobei der Tanz die Musik nicht illustriert, sondern zu einem synästhetischen Erlebnis verdichtet.

Mitglieder des Orchesters sind barfuss

Diese assoziative Weise der Kreation setzte Esnaola auch in Mozarts Sinfonie Nr. 40 fort. Die melancholische, rastlose Musik spiegelt die prekäre Situation des Komponisten wenige Jahre vor seinem Tod. Alle Mitglieder des Orchesters sind barfuss. Die Bühne ist übersät von Stühlen, Rauchschwaden wallen darüber hinweg. Der Tänzer legt seinen schwarzen Sakko ab, streicht mit einem Taschentuch über sein Gesicht – worauf es weiss geschminkt und er zu einem gespenstischen Wesen wird.

Als alle Musiker endlich auf Stühlen sitzend spielen, zieht Esnaola sie mit unerbittlich zarter Geste samt Stühlen rückwärts auf den Boden, sie legen ausatmend Nacken und Kopf in sanfter Bewegung ab: Natürlich sind sie Sterbende, und natürlich wählt der Tod «zufällig» aus. Das Emotionslose ist das Berührende. Am Ende der Sinfonie ist Esnaola nackt, die Musik stoppt. Im Lichtkegel erlöschen seine Bewegungen, die Musiker heben ihn hoch, das Sterben wird einen Moment lang zur Apotheose, bevor alle miteinander zu Boden sinken und der Raum dunkel wird. Im Theater Casino Zug belohnten Bravorufe und stehender Applaus das intensive Werk.

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