Talk-Show im Kleintheater: Von Gott und Selbstinszenierung

In der Themen-Show «So what!» diskutierten Marguerite Meyer, Jacqueline Straub und Frank Bodin über Glaube und Selbstdarstellung
in Zeiten von Social Media.

Stefan Welzel
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Slammerin Marguerite Meyer führte am Mittwoch durch den Show-Abend und ergänzte diesen mit Spoken-Word-Einlagen.

Slammerin Marguerite Meyer führte am Mittwoch durch den Show-Abend und ergänzte diesen mit Spoken-Word-Einlagen.



Archivbild: Hanspeter Bärtschi (5. Mai 2017)

Am Mittwochabend lud das Kleintheater in Zusammenarbeit mit der Literaturbühne Loge zu einer weiteren Ausgabe des Live-Talks «So what!». Angekündigt als «rotzfreche Themen-Show, bei der sich alles um das gesprochene Wort dreht, bis einem trömmlig ist», widmeten sich die drei Protagonisten Fragen nach Glauben, Gott, Religion und überbordender Selbstinszenierung. Moderatorin war die Journalistin und Slammerin Marguerite Meyer. Als Gäste nahmen die Theologin Jacqueline Straub und der Starwerber Frank Bodin Platz auf der Bühne des Kleintheaters.

Irgendwie recht passend war die Dekoration in Form eines Wabenmusters, das in der Luft hing. Das erinnerte an die beliebte Fernsehshow Dalli Dalli aus den 80er Jahren mit Hans Rosenthal. In dieser Sendung mussten die Gäste nach den richtigen Begriffen suchen. Ähnlich rangen auch Meyer, Straub und Bodin zunächst um Definitionen und näherten sich dabei den Begrifflichkeiten an, auf die man im Verlauf des Abends immer wieder zurückkam. In Luzern diskutierten sie zunächst über die eigenen Vorstellungen von Gott oder dem Übernatürlichen, Sinnstiftenden.

Gleichnisse als «grossartiges Storytelling»

Hier trafen Bodins existenzialistische, atheistische Ideen auf Straubs Glauben an den christlichen Gott. Straub gilt als Reformkraft, die die Priesterwürde für Frauen in der katholischen Kirche fordert und die auch sonst einen sehr pragmatischen und offenen Zugang zu Glaubensfragen offenbarte. Das führte dazu, dass die Diskussion kaum echte Kontroversen erzeugte. Dennoch war es unterhaltsam, wenn Straub davon sprach, dass Christen trotz Vertrauen in einen Gott das selbstständige Denken nicht aufgeben sollten und «Verantwortung wahrnehmen müssen». Oder wenn Bodin zu einem späteren Zeitpunkt Gleichnisse in der Bibel aus Sicht des Werbers ein «grossartiges Storytelling» nannte.

Ergänzt wurde die Show, die eigentlich mehr einer klassischen Diskussionsrunde glich, mit kurzen Lesungs-Blöcken. Moderatorin Meyer beglückte das Publikum zudem mit Poetry-Slam-Texten. Das waren allerdings die einzigen, aber durchaus gelungenen Momente, in denen die Show auch einer solchen glich. Wer bei «So what!» auf mehr Performance hoffte, wurde etwas enttäuscht.

Im zweiten Teil ging es um irdischere Themen und die Fragen, warum sich Menschen im Zeitalter von Social Media immer mehr in sinnentleerter Selbstdarstellung verlieren. Bodin kurz und knapp dazu: «Soziale Medien sind eher asoziale Medien.» Insgesamt kreisten die drei Diskussionspartner gar oft um Themen, die bei Philosophen oder Soziologen vielleicht besser aufgehoben gewesen wären. Am Ende blieb es dennoch ein vergnüglicher Abend, der aber weder rotzfrech war noch wirklich in die Tiefe ging.