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Theater Hora in St.Gallen: «Szene fertig – jetzt Häuser kaputt»

Fünf Tage Kulturzyklus an der Fachhochschule St. Gallen: Kunst von Menschen mit Beeinträchtigung war das Thema. Das Zürcher Theater Hora trat mit einer neuen Eigenproduktion auf – eine Collage mit Szenen aus Katastrophenfilmen.
Hansruedi Kugler
Es gibt Grund zum Schreien – Live-Katastrophe mit nachgespieltem Autounfall. (Bild: Urs Bucher)

Es gibt Grund zum Schreien – Live-Katastrophe mit nachgespieltem Autounfall. (Bild: Urs Bucher)

«Nöd verschrecke!» Regisseur Noha Badir kickt Dutzende zerbeulter PET-Flaschen weg und strahlt stolz ins Publikum. Minimalistisch die Bühne: «Alles kaputt – Weltuntergang – Wellen – Tornado – Auto stürzen», erklärt Badir. Zwei Leitern werden später zu im Erdbeben wankenden Hochhäusern, PET-Flaschen sind mal Sturmflut, mal Eisregen, mal Chaos, sind Dekor der Zerstörung nach Katastrophen.

Die Schauspieler warten schon in zerschlissenen Klamotten zwischen den Zuschauerreihen auf ihren Auftritt. Eine Stunde lang dirigiert Noha Badir sie: «Szene fertig – jetzt Häuser kaputt!», «Restaurant Erdbeben», «Autounfall, viele Tote». Ein Schauspieler filmt, alles wird direkt auf zwei Leinwände übertragen.

Man ist bei allem Trash hier im Profitheater. In der radikalen Verknappung wirken die Szenen mal parodistisch, mal laienhaft, mal wie ein Sketch mit grotesk-spielerischem Humor. Aber wenn dann eine Schauspielerin im Auto eingeklemmt minutenlang herzzerreissend schreit, geht das auch dem Publikum durch Mark und Bein.

«Selbstbestimmte Kunst statt blosse Mitwirkung»

Wie Superhelden sehen sie nicht aus, die geplagten Opfer der Katastrophen – mit Ausnahme von Simon, der mit Helm auftritt und als Retter zwei Hochhäuser mit einem Kabel verbindet, dann aber in einer langen autobiografischen Erzählung von seinem Zwillingsbruder berichtet, der an einem Hirntumor gestorben ist.

Es ist eine verspielte Inszenierung: Da spielt Noha Badir die Katastrophen mit Spielzeugfiguren nach, dann dienen Stühle als vollbesetzter Bus. Der Spass am Spektakel ist oft spürbar. Platz hat es auch für Sehnsuchtsmomente, wenn drei junge Frauen die Zukunftshoffnung beschwören mit Familie, Liebe, Kindern – bei den beeinträchtigten Hora-Schauspielerinnen wirkt das dann besonders zerbrechlich. Kluge und spöttische Töne bietet der Abend auch. Etwa wenn einer sagt:

«Warum muss in jedem Katastrophenfilm dieses verdammte Ehepaar drin sein?»

Entstanden ist das Stück zwar aufgrund einer Vorgabe des künstlerischen Hora-Co-Leiters Michael Elber. Dann aber lag die Stückentwicklung ganz in den Händen des Ensembles. Viele Katastrophenfilme hätten sie geschaut und dann die wichtigsten Momente genommen, sagt Noha Badir. «Die Ideen habe alle ich gehabt», sagt er.

Nicht nur die Schauspieler, auch der Regisseur hat eine geistige Beeinträchtigung. «Das ist mehr als Inklusion, mehr als blosse Mitwirkung, sondern selbst­bestimmte Kunst», sagt ein Zuschauer in der Fragerunde am Ende des Stücks.

Werkstatt-Ensemble in St.Gallen

Das Theaterprojekt Hora stösst an seine Grenzen. Vor einigen Monaten hat der Ausbildungsstopp Schlagzeilen gemacht. Der künstlerische Hora-Co-Leiter Michael Elber erklärt: «Wir dürfen keine Leute mehr ausbilden, weil wir dann keine Stellen für sie haben.» Was natürlich schade sei. Hora sei in den letzten Jahren enorm gewachsen, habe unterdessen zwei Ensembles mit insgesamt 18 Schauspielern mit Beeinträchtigung plus sechs Musiker der Hora-Band. Für den professionellen Betrieb für Proben, Produktionen und Tourneen sorgen zusätzlich sieben Angestellte. Grösser gehe im Moment nicht, sagt Elber, auch aus finanziellen Gründen.

In Zürich ist im Moment das Wachstum für professionelles Theater mit Menschen mit Beeinträchtigung abgeschlossen. In St. Gallen indes baut der Thurgauer Clown Olli Hauenstein, der zusammen mit Eric Gadient im Bühnenprogramm «Clown Syndrom» Erfolge feiert, mit der Werkstatt Komiktheater ein ähnliches Ensemble auf. Die Sonnenhalde, ein Zentrum für behindertengerechte Lebensgestaltung, hat Hollenstein angestellt. Die Gruppe ist auf acht Personen ausgerichtet. Es habe noch freie Plätze. (hak)
www.sonnenhalde-ghg.ch

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