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Der Syrienkrieg steht im Zentrum eines Schweizer Krimis

Michael Theurillats Kommissar muss gegen einen engen Freund ermitteln. Beim Storyhintergrund beruft sich der Autor auf einen höchst umstrittenen Politologen.
Arno Renggli
Michael Theurillat erzählt in seinem neuen Krimi auf zwei Ebenen. (Bild: Ayse Yavas/Keystone)

Michael Theurillat erzählt in seinem neuen Krimi auf zwei Ebenen. (Bild: Ayse Yavas/Keystone)

Wieso arbeitet ein Genie wie Ewald Lenz im Polizeiarchiv Zürich? Das fragen sich fast alle, die ihn kennen. Auch sein enger Freund Kommissar Eschenbach. Wobei dieser schon oft die wertvolle Hilfe von Lenz gebraucht hat. Doch nun muss er in einem mutmasslichen Mordfall gegen den Freund ermitteln. Der wiederum ist verschwunden. Und es keimt der Verdacht, dass Lenz in Komplotte mit internationalen Dimensionen verwickelt ist.

Der Basler Michael Theurillat erzählt im neuen Eschenbach-Krimi auf zwei Ebenen. Da ist die Sicht des ermittelnden Kommissars, der nach einer Auszeit in den USA nicht nur sein Privatleben sortieren muss, sondern es mit intriganten Umorganisationen im Polizeiapparat zu tun kriegt. Was den Loyalitätskonflikt zwischen Nachforschungen und Freundschaft nicht gerade mindert.

Und da ist die Perspektive von Lenz, der von einem anderen Freund gebeten wird, seine ehemalige Geliebte aufzusuchen. Die Wiederbegegnung mit Isabel nach Jahrzehnten lässt nicht nur die Vergangenheit und ihre Emotionen aufleben. Lenz erfährt auch, dass Isabel für die Nato hochbezahlte Drecksarbeit gemacht hat, um etwa den Krieg in Syrien zu schüren. Der Preis, den sie selber dafür bezahlt, ist hoch.

Michael Theurillat: Lenz. Ullstein, 272 S., Fr. 37.-

Michael Theurillat: Lenz. Ullstein, 272 S., Fr. 37.-

Spannung auch ohne Spektakel

Theurillat erzählt mit subtiler Eleganz und schafft es, ohne spektakuläre Dramaturgie eine Spannung zu erzeugen, die bis zum Schluss hält. Eschenbach gefällt als Protagonist erneut, derweil die eine oder andere Nebenfigur etwas klischiert ausfällt, was jedoch genretypisch ist. Bestechend ist die Szenerie zwischen Lenz und Isabel, ihre filigrane Kommunikation. Sie entspinnt sich zum Kammerspiel, welches mit den internationalen Dimensionen des Polithintergrundes im spannenden Kontrast steht.

Gerade in der Interpretation des Syrienkrieges wagt sich Theurillat allerdings auf die Äste hinaus. In dieser wird Assad als Opfer hingestellt, indirekt wird damit auch die Position Russlands gerechtfertigt. Schuld am Krieg trägt demnach alleine die Nato, welche Syrien wegen der wirtschaftlichen Interessen der USA und ihrer Verbündeten gezielt destabilisiert hat. Hintergrund ist das Geschäft mit Öl und Gas.

«Zum Teil ähnliche Schlüsse wie Daniele Ganser»

Der Autor bezieht sich im Nachwort auf den umstrittenen Politologen Daniele Ganser, dem eine Nähe zu Verschwörungstheorien nachgesagt wird. Michael Theurillat meint dazu auf unsere Nachfrage:

«Die durchaus diskussionswürdige Position von Ganser habe ich bewusst gewählt. Ein Hauptthema des Buches ist der Siegeszug des Mainstreams und die Unfähigkeit der westlichen Gesellschaft, mit Andersdenkenden umzugehen.»

Und was ist seine eigene Sicht? «Persönlich bin auch ich eher der Meinung meiner syrischen Freunde, welche die Rolle der USA sehr kritisch sehen. Betrachte ich die Sache als Ökonom, komme ich teils zu ähnlichen Schlüssen wie Ganser. Gerade die Gasfunde haben die Hierarchie im Nahen Osten umgewälzt.»

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