SYMPHONISCH: Jugendliche im Höhenflug

Auf einer neuen CD präsentiert sich das Jugendorchester Thurgau als wunderbar agierender Klangkörper. Gedanken über den Nachwuchs machen sich der Dirigent und der Präsident des Orchesters.

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Gabriel Estarellas Pascual (Bild: PD)

Gabriel Estarellas Pascual (Bild: PD)

Diese Klassik-CD ist wirklich erstaunlich: Nach vier intensiven Probentagen wurde sie im September in der Tonhalle St. Gallen als Livemitschnitt aufgenommen und kommt jetzt pünktlich vor Weihnachten auf den Markt. Die Scheibe ist vor allem musikalisch erstaunlich. Was junge Menschen zwischen zwölf Jahren und Studieralter hier leisten, überrascht wirklich.

Da erklingt Antonín Dvoráks berühmte neunte Sinfonie («Aus der Neuen Welt») mit herrlich federndem, transparentem Klangbild. Es gelingen feine Naturstimmungen genauso wie im Finale fast jubilierende Aufschwünge voll symphonischer Spannkraft. Diese Aufnahme ist kein Kraftakt, zu dem Jugendliche hingepowert werden, sondern das Spiel atmet ganz frei und natürlich.

Am Pult des Jugendorchesters Thurgau (früher: Jugendorchester Oberthurgau) steht seit acht Jahren der Mallorquiner Gabriel Estarellas Pascual. Ein feuriger Musiker, der von seinen Spielern wirklich etwas verlangt. Mit viel Erfolg. «Das setzt aber eine Probenarbeit voraus, in der konsequent gute Stimmung herrscht. Und ich muss ein ganz klares Konzept des jeweiligen Stücks haben.»

Im Moment kommen viele hochbegabte junge Menschen aus der ganzen Ostschweiz, aus Zürich und sogar aus Vorarlberg ins Orchester. Der in Amriswil lebende Geiger und Dirigent wünscht sich aber noch mehr junge Musikerinnen und Musiker aus dem Thurgau selbst.

Und kein Konkurrenzdenken, weil da plötzlich ein Jugendorchester erstmals auf so hohem Niveau musiziert. Andreas Schweizer, Präsident des Jugendorchesters Thurgau sowie des Verbands Jugendmusikschulen Thurgau, doppelt nach: «Im Thurgau muss das Bewusstsein für ein hochkarätiges kantonales Orchester wachsen.» Auch er macht sich Sorgen um den Nachwuchs.

«Gärtchendenken können wir uns nicht leisten»

Es gebe immer weniger Jugendliche, die sich auf den Weg dieses hochkarätigen Musizierens machen wollten. Um leistungsbereite Jugendliche auch in Zukunft für ein Orchester wie das Jugendorchester Thurgau gewinnen zu können, brauche es ein klares kantonales Konzept für die Jugendorchester. «Gärtchendenken unter Thurgauer Ensembles können wir uns nicht leisten», sagt Schweizer. Auf der CD überzeugt das Jugendorchester Thurgau auch, wenn es die sehr elegant, ausgefeilt und entspannt spielende junge Solistin Arta Arnicane in Edvard Griegs Klavierkonzert begleitet. Hörgenuss auf bewundernswertem Niveau!

Martin Preisser

martin.preisser@tagblatt.ch

CD zum Preis von 20 Franken plus Porto unter 071 626 20 10 oder info@musikthurgau.ch