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Der Adler: Ein Symbol der Unsterblichkeit

An der WM erreichte das Adler-Symbol durch die Gesten von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri eine politische Dimension. In der Menschheitsgeschichte steht der Adler aber seit Jahrtausenden für Macht und Stärke.
Philipp Bürkler
Ein Weisskopfadler im Greifvogelpark in Buchs. ©Benjamin Manser / TAGBLATT

Ein Weisskopfadler im Greifvogelpark in Buchs. ©Benjamin Manser / TAGBLATT

Der Adler muss die Menschen durch seine imposante Grösse und Geschwindigkeit bereits seit Urzeiten beeindruckt haben. Während die grössten noch heute lebenden Adler eine Flügelspannweite von maximal 2,80 Meter erreichen, lebten zu früheren Zeiten Artgenossen mit weitaus breiteren Flügeln. Bis zu seinem Aussterben um das Jahr 1400 lebte der Haastadler auf der Erde, der eine Spannweite von drei Metern hatte. Ein beeindruckendes Tier. Kein Wunder, bezeichneten die Menschen seit Gedenken den Adler als «König der Lüfte»und verwendeten seine Silhouette in der Kunst oder für Wappen.

Bereits für die Menschen der ersten Hochkulturen des Alten Orients war der Adler eine Symbolfigur. Um 3000 vor unserer Zeitrechnung verwendeten die Mesopotamier das Mischwesen des Löwenadlers in ihren Darstellungen. Nach dem Löwen, dem «König der Erde», ist der Adler, der «König der Lüfte», bis heute das am zweitmeisten verwendete Wappentier. Die nordamerikanischen Indigenen verwendeten Adlerfedern als Kopfschmuck oder fertigten mit den Knochen Pfeile an.

Spätestens seit der Antike wurde der Adler nicht nur in Kunstwerken verwendet, sondern auch auf Alltagsgegenstände wie Vasen, Münzen und Schmuck geprägt. Der Adler wurde über unzählige Generationen der Menschheit zu einem Mythos. Bei den Mesopotamiern und den alten Griechen galt er als Symbol der Herrschaft und des Göttlichen. Die antiken Griechen sahen im Adler das Symbol des obersten olympischen Gottes Zeus, und die alten Römer verehrten ihn als Zeichen der obersten römischen Gottheit Jupiter. Generell verbanden die Römer den Raubvogel mit kaiserlicher Macht oder sogar mit Göttlichkeit des Kaisers.

Der Doppeladler mit zwei Köpfen, wie er im albanischen Wappen zu finden ist und nun an der WM für Aufsehen sorgte, tauchte bereits vor 2500 Jahren in Babylonien erstmals auf. Die Römer und die Griechen sahen im Doppeladler Unsterblichkeit und irdische Macht. Macht vor allem für die Kaiser, wie der Schweizer Heraldiker Rolf Kälin erklärt. «Während der einköpfige Adler von Königen verwendet wurde, beispielsweise den Habsburgern, war der zweiköpfige Adler das Symbol der Kaiser.»

Mythen und Legenden vom Römischen Reich bis heute

Der bedeutendste Herrscher des Abendlandes, Karl der Grosse, setzte im 9. Jahrhundert einen imperialen Adler auf die Kaiserpfalz in Aachen, um damit als Kaiser an römische Traditionen anzuknüpfen. «Karls Nachfolger des Mittelalters griffen das Symbol ebenfalls auf und machten es als Reichsadler zum Zeichen Ihrer Macht und transportierten es bis in die Neuzeit», erklärt Clemens L. Kech, wissenschaftlicher Leiter von Pro Heraldica in Stuttgart. Die Könige des Mittelalters hätten sich schliesslich als Nachfolger der römischen Kaiser verstanden.

Als Freiheitssymbol hingegen verwendeten die Reichsstädte im Mittelalter den Adler, den die meisten im Wappen trugen. «Sie waren reichsunmittelbar, also nur dem Kaiser verpflichtet und keinem Landesfürsten», so Kech. Seither hätten Adler weltweit in die Heraldik, der Wappenkunde, sowie in die Emblematik, der Darstellung mythischer und religiöser Inhalte, sowie der Vexillologie, der relativ jungen Wissenschaft über Fahnen und Flaggen, Einzug gefunden.

Die Liste von Ländern und Städten mit einem Adler im Wappen ist lang. Sie reicht vom Wappen der Stadt und des Kantons Genf über Staatsflaggen in Russland, Albanien oder Polen bis zu südamerikanischen oder arabischen Staaten, dem deutschen Reichsadler oder dem amerikanischen Weisskopfadler (Bild). Die mexikanische Staatsflagge, die einen Schlangen zerbeissenden Adler zeigt, ist aztekischen Ursprungs. «Eine der Legenden besagt, dass Mexiko City an jener Stelle gegründet wurde, wo ein auf einem Kaktus sitzender Adler eine Schlange zerbiss», sagt Kech.

Der Wissenschaftler betont, dass keine heraldische Figur eine grundsätzlich festgeschriebene Bedeutung habe. «Die zugeschriebenen Interpretationen sind immer auch dem jeweiligen Zeitgeist unterworfen.» Ein Adler könne aus den verschiedensten Gründen in einem Wappen Verwendung finden, so auch im Wappen des Nachnamens Adler. In der Heraldik werden Wappen, die der Bezeichnung von Namen dienen, als «redende» Wappen bezeichnet.

Der Adler bewegt Menschen seit Jahrtausenden, und er wird wohl auch in ferner Zukunft Symbol der Unsterblichkeit bleiben.

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